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Motivation für eine vegetarische Ernährungsweise

Immer mehr Menschen verzichten in ihrer täglichen Ernährung auf Schnitzel, Wurst und Co. Die Frage, ob man denn Fisch esse, wird dann oft mit einem Augenrollen quittiert: Nein – ich esse keine Tiere. Gar keine. Warum? Spätestens ab hier wird es spannend. Und oft ausführlich. Denn die verschiedensten Beweggründe bringen einen Menschen dazu, der Mehrheit den Rücken zu kehren und totes Tier von der Speisekarte zu streichen. Die vier wichtigsten haben wir hier zusammengefasst.

1. Aus Liebe zu den Tieren

An erster Stelle dürfte bei den meisten Vegetariern das Mitgefühl für die Lebewesen stehen, die für unseren Appetit im Schlachthof landen. Tiere zu töten, um sie dann zu essen, war früher die einzige Möglichkeit zu überleben. Genauso wie man Feuer mithilfe von zwei Steinen machte. Da letzteres heute längst überholt ist, ist die Frage berechtigt, warum wir unsere Mitlebewesen noch immer abschlachten, obwohl wir genügend Alternativen hätten.

Warum Hunde halten und Rinder essen?

Dazu kommt, dass der Mensch derjenige ist, der – je nach Kulturkreis – festlegt, welches Tier nun ein Nutztier und welches ein kuscheliges Haustier ist. In Indien beispielsweise würde kein Mensch auf die Idee kommen, Rindfleisch zu essen. In China wiederum sind Hunde und Katzen eine Delikatesse, beim Pferdefleischskandal zog es einigen von uns den Magen zusammen. Hier sollte man sich durchaus die Frage erlauben, wieso das so ist und ob wir dieses Verhalten nicht überdenken sollten.

Vegetarische Küche

Vegetarische Küche ©iStockphoto/tacar

Wir passen die Tiere der Haltung an

Ein ganzes Buch könnte man mit den rabiaten und brutalen Vorgehensweisen füllen, mithilfe derer Masthähnchen, Legehennen, Schweine und Rinder an ihre Haltung angepasst werden. Ja, ganz recht: Nicht die Haltung wird den Tieren und deren Bedürfnissen angepasst, sondern umgekehrt. Dies bedeutet im Klartext, dass Ferkeln die Schwänze kupiert werden, Hühnern die Schnäbel gekürzt und Kühen die Hörner abgeschliffen werden, damit sie sich auf solch engem Raum nicht gegenseitig verletzen können. Dass all dies ohne Betäubung stattfindet, dürfte klar sein. Männliche Küken werden geschreddert, Fische aufgeschlitzt und Hummerkrabben ins kochende Wasser geworfen – bei lebendigem Leibe. Man könnte jetzt noch über Tötungstransporte in dunklen Anhängern und dergleichen schreiben. Aber das würde dann doch den Rahmen sprengen.

2. Aus Liebe zu den Menschen

Nicht weniger schlimm ist, was wir unseren Mitmenschen durch unseren Fleischkonsum antun. Über 840 Millionen Menschen auf unserem Planeten leiden an Hunger. Und nicht nur, dass eben jene Menschen das Getreide, das wir an unser Mastvieh verfüttern, selbst zum Überleben bräuchten. Sie bauen es auch noch selbst an – und anschließend wird es in die Industrieländer exportiert. 7 bis 16 kg Getreide benötigt man umgerechnet, um 1 kg Fleisch zu bekommen. Außerdem die 3 bis 15-fache Fläche an Land als es für die Herstellung von Brot vonnöten wäre.

Ein Steak für 40 Menschen

Würde weniger Fleisch verzehrt, hielte man langfristig gesehen weniger Nutztiere und die Menschen könnten Getreide und Gemüse für sich selbst anbauen. So hätten sie eine Chance auf Leben. Nicht nur auf Überleben. Ein 225 Gramm-Steak enthält im Übrigen so viel Pflanzenenergie wie man braucht, um 40 hungernde Menschen einen Tag lang zu ernähren. Somit rettet zwar der direkte Verzicht eines Menschen auf ein solches Steak noch kein Leben, doch wie ein altes Sprichwort besagt: Steter Tropfen höhlt den Stein.

3. Aus Liebe zur Umwelt

Nicht nur Mensch und Tier sind Opfer des Fleischkonsums. Unsere Umwelt hält tapfer Stand, leidet aber zunehmend unter den extremen Bedingungen, die – unsichtbar – durch die Fleischproduktion entstehen. Massentierhaltung und Fleischindustrie sind verantwortlich für 18 % der Treibhausgase auf dieser Welt. Selbst alle Autos, Flugzeuge und Schiffe zusammen produzieren nur halb so viel ozonschädigende Stoffe.

Wasser, Wald und Weidefläche

Dass wir auch Unmengen an Wasser verbrauchen, um einmal ein Schnitzel essen zu können, zeigt uns folgende Gegenüberstellung. Unser Kilogramm Fleisch, für das wir schon so viel Getreide bereit stellen mussten, vertilgt über 50.000 Liter Wasser. Wasser, das die Menschen in Entwicklungsländern so dringend bräuchten.

Ein weiterer wichtiger Punkt ist die Abholzung von Wäldern. Neben Getreide wird auch Soja großflächig angebaut, da es als ideales Mastfutter gilt. Außerdem wird Platz für Weideflächen benötigt. So kommt man insgesamt auf eine mehr als erschreckende Bilanz: Knapp 65 % der neugerodeten Flächen des südamerikanischen Regenwaldes dienen als Weidefläche für Masttiere. Und auf einer Fläche in Brasilien, die einst eine vielfältige Flora und Fauna aufwies, wird heute Soja angebaut. Diese Fläche ist so groß wie Großbritannien.

4. Aus Liebe zu sich selbst

Der Verzicht auf Fleisch hat also ethisch und global gesehen nur Vorteile. Aber auch der eigene Körper dankt, wenn ihm der Cocktail aus totem Tier und den darin enthaltenen Antibiotika erspart bleibt. So konnte mittlerweile vielfach nachgewiesen werden, dass Menschen, die vegetarisch leben, ein geringeres Risiko aufweisen, an Krankheiten wie Krebs, Diabetes, Herzinfarkt und Bluthochdruck zu erkranken.

Fleisch weglassen, Kilos loswerden

Des weiteren ist die Gefahr übergewichtig zu werden deutlich reduziert. Und, sofern man schon einige Kilos zu viel auf die Waage bringt, ist eine vegetarische Ernährung, zusammen mit ausreichend Bewegung versteht sich, eine wirksame Strategie, den Pfunden den Kampf anzusagen. Denn, wie mittlerweile von Forschern belegt werden konnte, kommt es zu keinerlei Mangelerscheinungen. Im Gegenteil! Der Mensch kann wunderbar ohne Fleisch leben und unterstützt damit sogar noch sämtliche Heilungsprozesse des Körpers. Schmerzpatienten wird sogar empfohlen, auf eine fleischfreie Ernährung umzusteigen, um so langfristig ihre Schmerzen zu lindern.

Medikamentencocktail zum Mittagessen

Nicht zu übergehen ist auch die Tatsache, dass Fleisch oft Rückstände von Antibiotika und anderen Medikamenten enthält, die auch für den Menschen noch gefährlich sein können. Ebenso bleiben Infektionen durch Salmonellen einem Vegetarier bzw. Veganer in der Regel erspart. Eine kleine, aber wichtige und nicht ganz „leicht verdauliche“ Information am Rande: Im Fleisch eines getöteten oder anderweitig verendeten Tieres beginnt, nicht anders als bei einem verstorbenen Menschen, direkt nach dem Eintreten des Todes der Verwesungsprozess.

Vegetarier leben länger

Nun möchten wir aber zum Schluss noch eine höchst erfreuliche Botschaft verkünden. Das Heidelberger Krebsforschungszentrum hat eine faszinierende und motivierende Entdeckung gemacht. In einer Langzeitstudie wurde die Sterbequote von vegetarisch lebenden Menschen der von Fleischessern gegenübergestellt. Das Ergebnis: Vegetarier leben länger! So ist die Sterbequote von vegetarisch lebenden Männern um 50 % geringer im Vergleich zu ihren Fleisch essenden Mitbürgern. Bei Frauen sind es 30 %. Dies ist allerdings meist nicht nur dem reinen Vegetarismus zuzuweisen, sondern liegt vermutlich an dem generell gesunden und bewussten Lebensstil von Menschen, die auf Fleisch verzichten.

Für eine bessere Welt

Durch eine vegetarische Ernährung ließen sich also viele Probleme in der Welt Schritt für Schritt lösen. Hungernde Menschen hätten mehr Getreide und mehr sauberes Trinkwasser, das sie so dringend benötigen. Der ständige Wachstum des Ozonloches könnte gebremst und die Rodung der Regenwälder reduziert werden. Auf lange Sicht gäbe es vermutlich weniger Schweine und Rinder, aber diese dürften dann wie Hund, Katze und Kanarienvogel einfach leben. Den ersten Schritt kann ein jeder Mensch an jedem Tag im Jahr selbst tun – für die Tiere, die Menschen, die Umwelt. Und nicht zuletzt auch für sich selbst. Schon Albert Einstein wusste: «Nichts wird die Gesundheit des Menschen und die Chancen auf ein Überleben auf der Erde so steigern wie der Schritt zur vegetarischen Ernährung.» Und Gründe gibt es offensichtlich mehr als genug.