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Erfahrungen mit Low Carb – Die Gegner

Die Einen feiern Low Carb als die Lösung aller Gewichtsprobleme, die Anderen heben warnend den Finger, dass das noch nicht erwiesen und Low Carb zudem nicht sonderlich gesund sei. Diese Debatte wird immer wieder mit Studien zum Thema Diät im Allgemeinen und zu Low Carb im Speziellen belegt. Doch was ist wirklich dran an den Warnungen und Kritiken? Im folgenden Artikel kommen die skeptischen Stimmen zu Wort. Lesen Sie jetzt, was Kritiker am Prinzip des Low Carb bemängeln.

Low Carb – Das Problem mit der Gesundheit

Nicht wenige Kritiker bemängeln an der Low Carb Ernährung, dass sie eine Mangel- oder Fehlernährung fördert. Unterstützt werden sie dabei unter anderem von einer US-amerikanischen Studie an Mäusen, die genetisch bedingt häufiger an Arteriosklerose erkranken. Hier zeigte sich, dass die Tiere vermehrt an Fettablagerungen in den Arterien litten. Die dadurch verengten Passagen führen zu einem erhöhten Risiko für Schlaganfälle und Herzinfarkte. Befürworter der Low-Carb-Diäten bemängeln jedoch an der Studie, dass die Übertragbarkeit der Ergebnisse von der Maus auf den Menschen fraglich ist. Analysen verschiedener Studien in den USA hätten beim Menschen keinerlei Einfluss auf die Wahrscheinlichkeit von Schlaganfällen oder Herzinfarkten gezeigt.

2012 veröffentlichte allerdings das British Medical Journal einen Bericht, dass zwischen koronaren Herzerkrankungen, Schlaganfällen und Low Carb sehr wohl ein Zusammenhang besteht. Das renommierte Fachmagazin bezieht sich dabei auf eine Studie mit insgesamt 44.000 schwedischen Frauen, deren Ernährungsgewohnheiten erhoben wurden. Die Studie verfolgte ihre gesundheitliche Entwicklung über insgesamt durchschnittlich 15 Jahre hinweg. Dabei kam ans Licht, dass die Rate der Herzerkrankungen bei den Frauen in dem Maße stiegen, in dem sie vermehrt Eiweiß und entsprechend weniger Kohlenhydrate zu sich nahmen.

Low Carb Gericht

Low Carb Gericht ©iStockphoto/Carolyn Woodcock

Gesundheitliche Bedenken hegen Mediziner und Ernährungswissenschaftler vor allem für Schwangere und ältere Menschen. Durch den hohen Eiweißanteil halten Ärzte Low Carb aber auch bei Patienten mit Leber- und Nierenproblemen für bedenklich. Ihnen werden daher oft andere Alternativen empfohlen, da Leber und Niere bei einem erhöhten Eiweißanteil in der Nahrung mehr Arbeit leisten können. Geschwächten Organen sollte dies nach Meinung der Kritiker nicht zugemutet werden.

Auch Gichtpatienten wird von Low Carb abgeraten. Da die Gichtschübe durch erhöhte Harnstoffkonzentrationen im Körper entstehen, sollten diese Menschen hohe Eiweißmengen eher meiden. Die Harnstoffkonzentration steigt aber gerade durch den hohen Eiweißanteil der Low-Carb-Diäten an. Damit kann die Krankheit weiter verschlimmert werden.

Außerdem verweisen sowohl Diäterfahrene wie auch Ernährungswissenschaftler und Ärzte auf weitere Begleiterscheinungen des Low Carb wie Muskelkrämpfe, Kopfschmerzen und Übelkeit. Der Mundgeruch, der durch die Ketonkörper entsteht, ist hier also noch das kleinste Übel.

Low Fat als Gewinner

Das medizinische Fachblatt der amerikanischen Ärztevereinigung, das Journal of the American Medical Association, veröffentlichte im Jahr 2012 Studienergebnisse, die die Gegner von Low Carb nur zu gern anführen. Laut den Wissenschaftlern wird bei einer fettarmen Diät der Energieverbrauch höher ist als bei Low Carb. Entsprechend würde Low Carb eher wieder zu einem Gewichtsaufbau führen, da der Energieverbrauch hier geringer ist – also mehr Kalorien wieder in Depotfette umgewandelt werden können. Durchgeführt wurde die Studio von der Kinderklinik in Boston, Massachusetts. Probanden waren in diesem Fall fettleibige Mädchen und Jungen bzw. Frauen und Männer im Alter zwischen 10 und 40 Jahren.

Schon 2004 erschien in der ältesten medizinischen Fachzeitschrift, The Lancet, ein Übersichtsartikel zu einem Vergleich von Low Fat und Low Carb. Letzteres wurde von der Zeitschrift nicht als effektiver befunden,. Die Effekte der Diät würden sich vor allem aus der Ausschwemmung von Wasser aus den Geweben rekrutieren und aus einem stärkeren Sättigungsgefühl.

DGE zweifelt Effektivität des Fettverlustes an

Fragt man Prof. Dr. Helmut Heseker von der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE), hat der Abteilungsleiter Wissenschaft im dortigen Präsidium wenig für das Prinzip von Low Carb übrig. Er übt Kritik an einigen Studien, die die Befürworter der Diäten gern als Beweis für die positiven Wirkungen anführen. Im Auge hat er dabei besonders zwei Studien au dem Jahr 2003 von Samaha und Foster und ihren Forscherkollegen. Die Studien waren zwar seiner Aussage nach theoretisch gut aufgebaut, jedoch wurden Diätabbrecher nicht mehr bis zum Ende der Studie mit verfolgt. Damit fehlt in der Auswertung eine beträchtliche Anzahl von Probanden, da immerhin 40 Prozent der Teilnehmer ihre Diät vorzeitig abbrachen. Dadurch könne man nicht von fundierten Studienergebnissen sprechen, meint Heseker.

Er verweist weiter darauf, dass das Problem der Studienabbrecher ein geläufiges ist bei Diätstudien. Manche Probanden wollen die Restriktionen einfach nicht weiter einhalten. Andere brechen ab, weil sie trotz Diät weiter zunehmen. Lässt man diese dann außen vor, ist eine objektive Bewertung der Studienergebnisse nicht mehr möglich.

Doppelblindstudien sind eine Studienform, die dagegen sehr aussagekräftig ist. Allerdings sind diese Studien bei Ernährungsformen nicht möglich. Während eine Pille ein Medikament oder ein Placebo sein kann, ohne dass der Patient es weiß, sehen die Probanden bei Diäten, was sie essen. Das hat unter anderem einen psychologischen Effekt. Glaubt der Proband an die Wirksamkeit der Diät, ist er motivierter, hält besser durch – und beeinflusst so das Ergebnis der Studie. Den Effekt nennen Wissenschaftler auch selbsterfüllende Prophezeihung. Und genau diese verzerre so manches Studienergebnis, bemängelt Heseker.

Langzeitstudien fehlen

Das Prinzip von Low Carb ist schon lange bekannt. Verglichen damit ist die Zeit der systematischen Untersuchung dieser Ernährungsweise recht kurz. In den 1990er Jahren begannen Wissenschaftlicher, sich mit dieser Ernährung stärker auseinanderzusetzen. Erst um das Jahr 2000 jedoch wurden die ersten wirklich relevanten Studien angelegt.

In diesen Studien wurden aber vergleichsweise kurze Zeiträume von bis zu einem Jahr betrachtet. Studien, die die Wirkung der Diät über zwei Jahre hinweg oder noch länger betrachten, fehlen bis heute. So erbrachte auch eine Metaanalyse des renommierten Journal of the American Medical Association keine eindeutige Empfehlung für oder Warnung vor Low Carb. Hier wurde ebenfalls festgestellt, dass Langzeitstudien fehlen und die Datenlage für eine aussagekräftige Bewertung vor allem für ältere Menschen nicht ausreicht.

Diese Lücke habt auch die Forschung erkannt. Daher haben sie inzwischen einige Projekte gestartet, die den Effekt von Low Carb über einen Zeitraum von bis zu 20 Jahren untersuchen soll. So lassen sich die Nachhaltigkeit und auch gesundheitliche Faktoren in ihrer Langzeitwirkung betrachten. Hier lässt sich dann auch wesentlich besser beurteilen, wie es wirklich um die dauerhaften, gesundheitlichen Aspekte der Diät steht.

Low Carb – Ein skeptisches Fazit

Ähnlich wie die Befürworter führen auch die Kritiker von Low Carb fundierte und nachvollziehbare Argumente ins Feld. Es bleibt also weiter abzuwarten, in welche Richtung sich die Debatte entwickeln wird.

Fest steht jedoch, dass man auch bei aller Begeisterung für das Low-Carb-Prinzip diese Seite betrachten sollte. Wie jede Diät ist auch diese nicht für jeden Menschen geeignet. Betrachten Sie also bei Ihrer Entscheidung für oder Gegen Low Carb ruhig auch die Seite der Skeptiker. So können Sie für sich die persönlich beste und passende Entscheidung treffen.


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