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Stevia unterstützt sie bei ihrer Diät

Stevia ist auf dem Vormarsch. Der Süßstoff wurde nach seiner zeitweisen Abschaffung in Europa erst 2011 als Zusatzstoff zugelassen, erfreut sich aber in anderen Teilen der Welt schon länger großer Beliebtheit.

Vom Anbau zum Endprodukt

Die Stevia-Pflanze (Stevia rebaudiana) wird auch „Honigkraut“ oder „Süßblatt“ genannt. Sie zählt zur Familie der Korbblütler und stammt ursprünglich aus Südamerika, hauptsächlich aus Paraguay und Brasilien. Dort werden ihre Blätter schon seit Jahrhunderten von den Ureinwohnern zum Süßen von Tee genutzt.

Die Pflanze selbst wird gerade einmal bis zu einem Meter hoch und wirkt unscheinbar. Eigentlich kann sie bis zu sechs Jahre alt werden, aber da sie Frost nicht verträgt, wird sie in den meisten heutigen Anbaugebieten als einjährige Pflanze gehandhabt. In Deutschland wird sie bislang noch nicht im großen Stil angebaut, auch wenn es bereits Versuche in dieser Richtung gab. Die heutigen größten Anbaugebiete befinden sich in Süd- und Zentralamerika, in Asien (besonders Thailand, Japan und China) sowie Israel.

Da die Stevia-Blätter von Natur aus einen leicht bitteren Beigeschmack haben, wird der Süßstoff aus den geernteten Blättern extrahiert und chemisch aufbereitet. Das Endprodukt schmeckt genau wie gewöhnlicher Zucker. Aber auch unbehandelt können die Blätter auf vielfältigen Wegen zur Süßung von Speisen eingesetzt werden, sei es getrocknet, in Alkohol oder eingedickt als Sirup.

Stevia kann Zucker in sämtlichen Bereichen ersetzen. Neben Süßwaren wie Schokolade und Konfitüre wird es international besonders in Bonbons, Zahnpasta, Mundspülungen und Getränken genutzt. Als Zuckerersatz kann Stevia-Süßstoff flüssig, als Pulver oder in Kapselform verwendet werden.

Stevia

Stevia ©iStockphoto/olm26250

Kalorienarme Süße

Bei dem Süßstoff der Stevia-Pflanze handelt es sich um Steviolglycoside, besonders Steviosid und Rebaudiosid. Steviosid ist in seiner Reinform bis zu 300-mal süßer als der für unsere Breitengrade übliche Rübenzucker. Selbst die unbehandelten Blätter übertreffen die Süße des Zuckers um das 30-fache. Gleichzeitig enthält ein Stevia-Blatt deutlich weniger Kalorien als die Menge an Haushaltszucker, den man zum Erreichen einer vergleichbaren Süße einsetzen müsste. Der Kaloriengehalt ist tatsächlich so gering, dass reiner Stevia-Süßstoff als „kalorienfrei“ gehandelt werden darf. Da er rein pflanzlichen Ursprungs ist, passt er auch zu einer veganen Ernährung. Er schont die Zähne und ist für Diabetiker als Zuckerersatz geeignet, da der Blutzuckerspiegel durch die Steviolglycoside selbst nicht beeinflusst wird. Dennoch ist Vorsicht geboten, da auch die in den meisten Stevia-Produkten enthaltenen Kohlenhydrate oder Fette den Blutzuckerspiegel erhöhen können. Diabetiker sollen Stevia-Produkte deshalb nur in Maßen verzehren.

Produkte, die natürliches Stevia enthalten, schmecken geringfügig anders als das zuckerhaltige Ursprungsprodukt. Bei einer größeren Menge kann dessen lakritzartiger Beigeschmack deutlich werden, was nicht jedem Menschen mundet. Leider sind manche Produkte, die auf ihrer Verpackung mit Stevia werben, wahre Mogelpackungen, mit denen man kaum Kalorien spart. Das liegt daran, dass nicht der ganze Zucker, sondern nur ein kleiner Teil mit Stevia ersetzt wurde.

Aufgrund der nach wie vor nicht ausgeräumten gesundheitlichen Bedenken empfiehlt die EU, täglich nicht mehr als vier Milligramm je Kilo Körpergewicht an Stevia zu sich zu nehmen. Lebensmittel unterliegen strengen Auflagen und dürfen gewisse Höchstmengen nicht überschreiten, um als unbedenklich zu gelten. Auch der Aufdruck „mit Stevia“ ist irritierend, da innerhalb der EU die Pflanze selbst zum Verzehr noch gar nicht zugelassen ist. Lediglich die in den Blättern enthaltenen Steviolglycoside dürfen seit Dezember 2011 als Zusatzstoff für Lebensmittel (E 960) eingesetzt werden. Allerdings wird dieser Stoff schon deutlich länger in Europa verkauft, auch wenn er bis zu seiner Zulassung häufig als Zahnpflegemittel oder Kosmetik gehandelt wurde, um einer Strafe zu entgehen.

Man kann mit Stevia-Produkten Kalorien sparen, muss aber genau hinsehen, um nicht von übertriebenen Versprechungen getäuscht zu werden. Bei den meisten Produkten bedeutet die Aufschrift „mit Stevia“ nur, dass es die maximal erlaubte Menge des Süßstoffes enthält. Da die Süße der Höchstmenge in manchen Fällen nicht ausreichen würde, enthält es auch noch andere Süßstoffe oder gar Zucker. Besonders süße Getränke beziehen in vielen Fällen nicht einmal zehn Prozent ihrer Süße aus Stevia, weshalb die Kalorieneinsparung mit der Stevia-Alternative extrem gering ausfällt. Süße Getränke sind also selbst mit Stevia nicht für Diäten geeignet. Bei relativ wenig süßen Lebensmitteln kann es jedoch den Zucker komplett ersetzen, wobei der Kaloriengehalt lohnenswert vermindert wird. Bei Konfitüre kann der Kaloriengehalt immerhin um bis zu 30 % gesenkt werden.

Wirklich viele Kalorien lassen sich einsparen, wenn man im Alltag Zucker mit einem Zucker-Stevia-Gemisch ersetzt, das unter dem Namen „SweetFamiliy“ angeboten wird. Um den bitteren Beigeschmack des natürlichen Stevias zu unterdrücken, wurde hierbei der Stevia-Extrakt enzymatisch verändert. Das Endprodukt schmeckt genau wie gewöhnlicher Zucker, hat aber nur halb so viele Kalorien. Als hitzebeständiger Süßstoff kann es auch zum Backen oder Kochen genutzt werden.

Wer seine täglichen Mahlzeiten eigenhändig zubereitet und dabei normalen Zucker konsequent mit dem Stevia-Mischprodukt ersetzt, spart selbst bei einer sonst identischen Ernährung einiges an Kalorien ein. Um einen besonders guten Effekt zu erzielen sollten süße Getränke überhaupt nicht mehr gekauft werden. Mit dem Stevia-Zucker und frisch gepresstem Saft lassen sich köstliche Limonaden herstellen, die im Gegensatz zu den gekauften Limonaden wirklich gesund und sehr kalorienarm sind. Für die Süßung des Tees kann man auch die äußerst ergiebigen getrockneten Stevia-Blätter kaufen. Richtig angewendet reichen 100 Gramm davon aus, um 180 Liter Tee zu süßen.

Besser als sein Ruf

Stevia wird in Paraguay und Brasilien seit vielen Jahrhunderten, weltweit aber erst seit etwa fünfzig Jahren genutzt. Bereits im Jahr 1968 gab es erste Tierversuche, die eine nierenschädigende Wirkung nachweisen konnten. Später kamen weitere Untersuchungen mit Ratten hinzu, zum Teil von anderen Süßstoffherstellern wie Monsanto finanziert, mit denen die neue Zuckeralternative in Misskredit gebracht werden sollte. Hierbei traten Nebenwirkungen wie eine verminderte Fruchtbarkeit oder Erbgutschäden auf.

Das Problem bei den Studien ist ihre Durchführung, die sich auf den Alltag eines normalen Menschen nicht übertragen lässt. Dadurch werden die Ergebnisse dieser Forschungen beinahe unbrauchbar. Eine Überdosis des Stevia-Süßstoffs ist natürlich schädlich, doch das trifft bekanntermaßen auf alle chemischen Stoffe zu. Bei sämtlichen Untersuchungen, in denen eine schädliche Wirkung mit Stevia erzielt wurde, waren die Dosierungen geradezu lächerlich hoch. Ein Mensch müsste weit über die Hälfte seines Körpergewichts täglich an Stevia-Blättern zu sich nehmen, um auf die gleiche Art geschädigt zu werden. Damit wäre es aber immer noch ungefährlicher als handelsüblicher Zucker, der schon in weitaus geringeren Mengen lebensgefährlich sein kann.

In alltagstauglichen Dosierungen konnte Stevia bis heute keinerlei Nebenwirkungen nachgewiesen werden. Die Pflanze selbst ist nicht toxisch. Leider wird die vollständige Freigabe der Stevia-Pflanze in der EU durch den negativen Nachgeschmack genannter Studien verzögert. In anderen Ländern hat Stevia schon längst einen großen Markt erschlossen. Japan baut es seit 1954 an und ist heute dessen weltweit größter Verbraucher, da synthetische Süßstoffe dort verboten sind. Natürliches Stevia macht inzwischen fast die Hälfte des japanischen Süßstoffmarktes aus.

Trotz der jahrzehntelangen intensiven Nutzung in Japan sowie des jahrhundertelangen Verzehrs in den Ursprungsländern gibt es keine bekannten Fälle, in denen Menschen durch Stevia Schaden genommen haben. Stevia ist nachweislich gut für die Zähne und scheint, im Gegensatz zu Zucker, auch nicht süchtig machen zu können.

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