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Natürlich gesund: Basiswissen Gartenkräuter

Gartenkräuter sind ein wesentlicher Bestandteil einer schmackhaften Zubereitung von ausgewogenen und gesunden Gerichten, jedoch durch den hektischen Lebensalltag und die Entfremdung des Menschen von der Natur in den letzten Jahrzehnten allmählich in Vergessenheit geraten. Das Wissen um die Eigenschaften von Küchenkräutern ist jedoch eng mit einem gesunden Lebensstil verbunden, denn die Zugabe von Gewürzen, die im Garten oder auf dem Balkon in unseren Breiten problemlos gedeihen, macht Speisen hocharomatisch und gleichzeitig reich an Vitaminen, Mineralstoffen, Bitterstoffen und wertvollen ätherischen Ölen. Gartenkräuter finden deshalb nicht nur in der Küche Verwendung, sondern werden auch erfolgreich als Naturheilmittel in der Therapie vieler unterschiedlicher gesundheitlicher Probleme eingesetzt. Noch vor wenigen Jahrzehnten wurde dem Sammeln von Kräutern aus Gärten und Wäldern und der Zubereitung alternativer Heilmittel eine große Bedeutung beigemessen. Bei vielen alltäglichen Beschwerden können aus Gartenkräutern selbst hergestellte Teemischungen oder Tinkturen den Weg in die Apotheke und die Einnahme chemischer Arzneistoffe ersparen. In einer Zeit, in der chronischer Stress, Zivilisationskrankheiten und einseitige Ernährungsgewohnheiten überhand nehmen, bietet das Wissen um Kräuter und deren Einsatzgebiete eine umfassende Möglichkeit, mithilfe der Natur ein ausgeglichenes und gesundes Leben zu führen.

Der Mensch und seine Heilkräuter

Seit Jahrtausenden wissen die Menschen um die heilende, pflegende und geschmacksverstärkende Wirkung einheimischer Kräuter und verwenden diese, um Gerichte zu aromatisieren, Teeaufgüsse zu trinken und Essenzen oder heilende Umschläge daraus herzustellen. Wissenschaftler vermuten, dass die Menschen schon vor 50 000 Jahren Blätter und Blüten verschiedener Wildpflanzen verwendeten, um den Geschmack ihrer Speisen zu verändern oder intensivieren. Im antiken Rom und Griechenland wurde den mediterranen Kräutern eine wichtige Rolle in der Medizin zugesprochen. Heil- und Gewürzpflanzen wie Thymian oder Rosmarin wurden Göttern zugesprochen und von Ärzten wie Hippokrates zur Linderung verschiedenster Beschwerden eingesetzt. Das Sprichwort „Gegen jedes Leiden ist ein Kraut gewachsen“ stammt aus dem Mittelalter, als in den europäischen Klostergärten zahllose Heilpflanzen kultiviert und das Wissen über deren Wirkungsweise aufgeschrieben und weitergegeben wurde. Die Verbreitung der Gartenkräuter ist den Mönchen zu verdanken, die diese importierten, anbauten und deren medizinische Eigenschaften genau studierten. Der Buchdruck ab dem 15. Jahrhundert brachte der Kräuterkunde einen wahren Aufschwung. Als im 19. Jahrhundert chemische Wirkstoffe und Arzneimittel wie etwa das Penicillin erfunden wurden, verloren Heilkräuter immer mehr an Bedeutung, bis sie schließlich nur mehr in der Küche zum Einsatz kamen. Seit einigen Jahren nutzen wieder mehr Menschen Gartenkräuter als Naturheilmittel in Teemischungen, Tinkturen oder Essenzen. Kräutertöpfe sind heute in vielen gut sortierten Supermärkten erhältlich und können mit sorgfältiger Pflege auch auf dem Fensterbrett oder dem Balkon problemlos gedeihen.

Die Klassiker des heimischen Kräutergartens

Petersilie und Schnittlauch gelten ohne Zweifel als die wichtigsten Gartenkräuter, die in der heimischen Küche Verwendung finden. Sie sind leicht zu kultivieren und gedeihen sowohl im Freien als auch auf dem Fensterbrett. Petersilie verfeinert unterschiedlichste Fisch- und Fleischgerichte, Saucen und Suppen und wird gerne zum Garnieren von Speisen verwendet. Durch ihren hohen Gehalt an Vitamin A, C und E, Kalzium und Eisen sollten mit Petersilie aromatisierte Gerichte regelmäßig auf dem Speiseplan stehen. Dieses beliebte Küchenkraut ist zudem für seine stark harntreibenden und verdauungsfördernden Eigenschaften bekannt und kann Mundgeruch wirksam bekämpfen.

Der Schnittlauch erinnert im Geschmack leicht an Lauch oder Zwiebeln und ist reich an Vitaminen, Mineralstoffen und ätherischen Ölen. Er wird in erster Linie zum Würzen von Hausmannkost und klaren Suppen, Salaten, Eiergerichten und Brotaufstrichen verwendet, aber auch gerne pur auf einem Butterbrot gegessen. Im Gegensatz zu anderen Zwiebelgewächsen ruft Schnittlauch keine Blähungen hervor, sondern wirkt hervorragend gegen Darmbeschwerden, Magenentzündungen, Gicht und Bluthochdruck.

Die Gartenkresse kann problemlos aus Samen auf dem Fensterbrett gezogen werden und gilt durch ihren hohen Gehalt an Nährstoffen als Vitaminkick auf Salaten, in Aufstrichen oder auf einem Butterbrot. Auch zarte Saucen, die zu leichten Fischgerichten serviert werden, profitieren geschmacklich von frisch gezupfter Kresse.

Gartenkräuter

Gartenkräuter ©iStockphoto/KayTaenzer

Kerbel erfreut sich in der heimischen Küche wachsender Beliebtheit und ähnelt im Aussehen der Petersilie. Seine zarten und unaufdringlichen Aromen kommen vor allem in Gemüse-, Huhn- und Fischgerichten, die wenig Eigengeschmack aufweisen, zur Geltung. Durch seine blutverdünnende Wirkung beugt der regelmäßige Verzehr von Kerbel Thrombosen, Krampfadern und Menstruationsbeschwerden vor.

Zarte Geschmacksnuancen ergeben sich durch das Würzen mit Estragon, der je nach Erntezeit und Herkunft unterschiedliche Aromen entwickelt. Er eignet sich besonders dazu, Fisch- und Geflügelgerichte, feine Saucen und Fleischeintöpfe zu verfeinern. Aus der Senfherstellung ist Estragon heute nicht mehr wegzudenken.

Zur Aromatisierung sommerlicher Süßspeisen sollte auch Pfefferminze in keinem Kräutergarten fehlen. Sie verfeinert nicht nur Eis und Sorbet, leichte Desserts, fruchtige Sommerbowlen und Cocktails, sondern ist dank des hohen Gehalts an ätherischen Ölen ein wirksames Naturheilmittel bei Kopfschmerzen, Krämpfen und Magen-Darm-Beschwerden.

Mediterrane Düfte im eigenen Garten

Auch wenn die hocharomatischen Kräuter aus dem Mittelmeerraum grundsätzlich in warmen Regionen gedeihen, können sie auch bei uns problemlos kultiviert werden, vorausgesetzt, sie werden sorgfältig gepflegt und stehen an einem sonnigen Ort. Als Klassiker unter den mediterranen Kräutern gilt der Basilikum, der heute zur Grundausstattung jeder guten Küche gehört.
Der aromatische Basilikum gedeiht am besten am Fensterbrett, da er zu starke Sonneneinstrahlung und Regen schlecht verträgt. Frischer Basilikum verleiht mediterranen Salaten mit Tomaten einen herb-blumigen Geschmack, wird gerne zum klassischen Pesto verarbeitet und oft zum Aromatisieren in Olivenöl eingelegt. Da dieses hochgeschätzte Kraut durch Erhitzen einen Großteil seiner Aromastoffe abgibt, sollte es immer nur frisch gepflückt und erst nach dem Kochvorgang zugefügt werden. Basilikum ist als Heilpflanze weniger bekannt, obwohl dieses Kraut stark antibakteriell, krampflösend, schmerzstillend und darmreinigend wirkt. Basilikum hilft bei Gicht, Nervenschwächen, Migräne und Frauenleiden, kann aber auch zur Wundheilung oder bei Insektenstichen direkt auf die Haut aufgetragen werden. Im Hochsommer hält ein Topf Basilikum am Tisch Wespen, Hornissen und andere lästige Insekten fern.

Ebenfalls aus der mediterrane Küche nicht wegzudenken ist Oregano, der im eigenen Garten oder auf der Terrasse an einem sonnigen Standort problemlos mehrere Jahre lang gedeiht. Er eignet sich hervorragend zum Trocknen und verleiht Eintöpfen, Pizzas, gegrilltem Fleisch und Pastagerichten einen intensiven Geschmack. Durch seine ätherischen Öle, die die Verdauung ankurbeln und Blähungen entgegenwirken, eignet sich dieses hitzestabile Kraut vor allem zur Aromatisierung von fetten und schweren Speisen.

Der Majoran gilt als eines der traditionsreichsten Kräuter in Europa heute auch in der heimischen Küche als unverzichtbar. An einem warmen und hellen Standort bildet der Majoran im Sommer die meisten ätherischen Öle, die für seinen unverwechselbaren, herben bis leicht süßlichen Geschmack sorgen. Als vielseitig verwendbares Küchenkraut kann der stark verdauungsfördernde Majoran zum Aromatisieren von Suppen und Eintöpfen jeder Art verwendet werden. Er eignet sich auch als Teeaufguss und Badezusatz bei Erkältungen, Menstruationsbeschwerden, Schlaflosigkeit und Krampfadern.

Rosmarin sollte ebenfalls in keinem Kräutergarten fehlen und weist einen hohen Anteil an Gerbstoffen und ätherischen Ölen auf, die für einen leicht herben und intensiven Geschmack sorgen. Besonders Kartoffelgerichte und Fleischspeisen erhalten durch die Zugabe von Rosmarin die typisch provenzalische Note. Der regelmäßige Genuss von Gerichten, die mit Rosmarin verfeinert werden, kann Entzündungen vorbeugen sowie Verdauungsbeschwerden, Migräne, Frauenleiden, Gicht und rheumatische Beschwerden deutlich lindern. Als Tinktur oder Tee kann Rosmarin direkt auf die Haut aufgetragen werden, heilt Ekzeme und hartnäckige Ausschläge und kann auch Hautpilz bekämpfen.

Der Salbei blickt im Mittelmeerraum auf eine lange Geschichte als wichtige Heilpflanze zurück, erfreut sich jedoch auch in der Küche hierzulande größter Beliebtheit. Durch sein intensives Aroma sollte er nur sparsam verwendet werden und eignet sich insbesondere zum Verfeinern von deftigen Gerichten mit Schweine-, Kalb- oder Lammfleisch. Medizinisch kann der Salbei für eine Vielzahl von Beschwerden genutzt werden und gilt daher als natürliches Allheilmittel. Das Kauen der Blätter löst die antibakteriellen Wirkstoffe und hilft bei Entzündungen des Mundraumes wie Parodontose oder Zahnschmerzen. Auch Halsschmerzen, Bronchitis und Verdauungsprobleme können durch Salbei gelindert werden. Durch seinen hohen Gehalt an Bitterstoffen regt er zudem die Fettverbrennung an und wirkt daher Übergewicht entgegen.

Auch der Thymian ist wegen des angenehm frischen Geschmackes seiner zarten Blättchen ein beliebtes Gartenkraut, das sich zum Würzen von Geflügel- und Fischgerichten, Pasteten und mediterranen Gemüseeintöpfen mit Kartoffeln, Tomaten, Zucchini und Auberginen eignet. Als natürliches Heilmittel wirkt der stark schleimlösende und entzündungshemmende Thymian als Teeaufguss vor allem gegen Lungenbeschwerden, Husten und Heiserkeit. Auch bei Migräne, Verspannungen und psychischen Leiden wie Schlaflosigkeit und Angstzuständen wird mit Thymian eine deutliche Linderung der Beschwerden erzielt.

Die unliebsamen Unkräuter und ihr Potential

Nicht nur die kultivierten Pflanzen auf der Terrasse oder im Kräutergarten sind für ihre umfangreichen geschmacklichen und gesundheitlichen Eigenschaften bekannt, auch einige sogenannte Unkräuter enthalten viele ätherische Öle und andere Wirkstoffe, die sich positiv auf die allgemeine Gesundheit auswirken und als Zutat für viele aromatische Gerichte verwendet werden können.
Das unbeliebteste Unkraut ist zweifelsohne die Brennessel, die in vielen Gärten überhand nimmt, wenn sie nicht regelmäßig ausgerissen wird. Die jungen Blätter dieser Störenfriede sollten jedoch nicht weggeworfen werden. Die zarten Triebe eignen sich nämlich hervorragend für die Zubereitung aromatischer Salate, Suppen und Gemüsebeilagen mit Spinat. Zu Pesto verarbeitete Brennesselblätter bieten eine schmackhafte Alternative zu Basilikum. Wer von den gesundheitsfördernden Eigenschaften dieser Gartenpflanze profitieren möchte, trinkt am besten täglich eine Tasse frisch zubereiteten Brennesseltee. Brennesseln werden für ihre hervorragenden leberreinigenden, entwässernden, schmerzlindernden und entzündungshemmenden Eigenschaften geschätzt. Durch seinen im Vergleich zu Rindfleisch bis zu viermal höheren Eisengehalt kann dieses schmackhafte Heilkraut bei regelmäßigem Genuss Erschöpfungszuständen und Frühjahrmüdigkeit wirksam vorbeugen. Die Brennessel hat sich zudem in der natürlichen Behandlung von rheumatischen Beschwerden, chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen sowie Harnwegsinfekten erfolgreich bewährt. Darüber hinaus wirkt sie stark entwässernd und entschlackend und eignet sich daher ideal, um eine Diät oder eine Fastenkur zu begleiten. Als Gesichtswasser bringt Brennesseltee auch bei entzündlichen Hauterkrankungen wie etwa Akne, Ekzemen oder Allergien eine deutliche Linderung der Beschwerden.

Auch die Melisse nimmt im Garten schnell überhand, stellt jedoch eines der vielseitigsten Naturheilmittel überhaupt dar. Sie kann auch im Topf gezogen werden und wird als Küchenkraut immer beliebter. Das leicht nach frischer Zitrone schmeckende Kraut ist vor allem als Teeaufguss und Badezusatz beliebt und lindert eine Vielzahl an körperlichen und psychischen Beschwerden. Sie wirkt schmerzstillend, beruhigend, angstlösend, schlaffördernd, antibakteriell, antiviral, schweißtreibend und krampflösend. Daher wird sie erfolgreich bei Beschwerden des Magen-Darm-Traktes, bei Grippe und Bronchitis, Geschwüren, Neuralgien, Migräne und Menstruationsbeschwerden eingesetzt. Melisse wirkt Reizbarkeit und depressiven Verstimmungen, Appetitlosigkeit und Herpes entgegen und lindert die Symptome von Gicht und Rheuma.

Ebenso vielseitig ist der als Unkraut geltende Löwenzahn, dessen Blätter sich hervorragend als Zutat für frische Salat eignen. Die Blüten werden meist zu Honig oder zu einer Tinktur verarbeitet. Löwenzahn wirkt tonisierend, harntreibend und leberstärkend. Er hat sich vor allem in der alternativen Behandlung von Nierensteinen, Arteriosklerose, Verdauungsbeschwerden, chronischen Hauterkrankungen, Warzen, Hühneraugen und Venenleiden erfolgreich bewährt.

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