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Macht Zucker glücklich?

Die meisten Menschen mögen Zucker. Das ist auch kein Wunder. Denn schon die Muttermilch ist stark laktosehaltig – und Laktose ist eine Zuckerart. So werden wir von Anfang an auf Süßes geeicht. Um 1850 herum war das noch kein Problem. Auf dem Lande lebte man weitgehend von dem, was man auf dem Feld anbaute. Es gab viele Beeren, Wurzelgemüse, frische Blattsalate und Getreideprodukte. Eine Zuckerstange vom Rummel bedeutete oft einen Jahresvorrat an Zucker, so selten bekam man eine. Doch dann kam das Weißmehl zu den reichen Leuten, die sich das leisten konnten. Es galt als edler. Der weiße Zucker galt ebenfalls als edler als die dunkle Melasse oder der Honig. Vor allem war er süßer und leichter zu verarbeiten. Über kurz oder lang ging es denen, die sich das „veredelte“ Nahrungsmittel nicht leisten konnten, so wie den Indianern mit dem Alkohol: Sie wollten auch teilhaben an den angeblich edleren Dingen des Lebens. Dafür gab man sogar die gesunden Dinge auf. Der Industriezucker hielt Einzug in unser Leben. Mit verheerenden Folgen.

Die glücksverheißende Droge Zucker

Kohlenhydrate sind für unser Leben so wichtig wie Proteine. Aber: Beides muss im richtigen Maß aufgenommen werden. Nicht nur das. Es sollte auch in der richtigen Form aufgenommen werden. Verzehrt man beispielsweise Haferflocken, schmecken diese süßlich. Im Getreidekorn ist Stärke gespeichert. Stärke wird zu Zucker, wenn man sie verdaut. Man merkt es, wenn man Getreide länger kaut. Der Geschmack wird süßlich. Aus dem Getreidebrei muss der Organismus aber erst die enthaltenen Stoffe herausarbeiten. Das dauert. Daher werden die Zuckermoleküle aus dem vollen Korn langsam freigesetzt und belasten den Körper nicht. Anders ist es aber, wenn wir Kuchen aus Weißmehl verzehren. Nicht nur ist das Weißmehl selbst kohlenhydrathaltig. Wir setzen vielen Weißmehlprodukten auch noch Unmengen Industriezucker zu. Der aber wird vom Organismus schnell aufgenommen. Die große Menge Zuckermoleküle überschwemmt den Körper förmlich und will irgend wie verarbeitet werden. Denn viele Zuckermoleküle im Blut sind gefährlich. In seiner Not speichert der Organismus den überflüssigen Zucker in Fettzellen ab. Zucker ist nämlich ein wunderbarer Energielieferant. Energiepolster speichert der Organismus für Notzeiten. An sich eine kluge Sache. Leider werden die gespeicherten Energievorräte als Fettpolster an unserem Körper sichtbar. Die Krux am Zucker ist, dass er in so vielen Formen in unser Leben kommt und wir so sehr darauf geeicht sind. Verzehren wir Süßes, sind wir glücklich. Über das Ergebnis – Karies, Fettpolster und langfristig Diabetes mitsamt aller Folgeerscheinungen – sind wir alles andere als glücklich. Zu diesem Zeitpunkt sind wir oft schon zuckersüchtig. Sucht macht bekanntermaßen blind. Insbesondere für das Suchtmittel selbst. Der Verzicht auf Schokolade wird durch andere süße Leckereien zunichtegemacht. Am Ende des Tages kommt man immer auf seine Ration. Oder sollten wir sagen: Dosis?!

Zucker

Zucker ©iStockphoto/Krasyuk

Die Zuckerindustrie manipuliert

Versuchen Sie einmal, eine Woche komplett ohne Zucker auszukommen. Sie erfahren schnell, dass das quasi unmöglich ist. Nicht nur müssen Sie stundenlang Inhaltsangaben von industriell hergestellten Lebensmitteln lesen, um den Zuckergehalt zu ermitteln. Sie müssen auch feststellen, dass Zucker in diverse Zuckerarten aufgesplittet wird, um den Gesamtzuckergehalt zu verschleiern. Da ist die Rede von Maltit, Laktose, Honig, Rohrohrzucker, Melasse, Ahornsirup, Apfeldicksaft und Saccharose. In neuerer Zeit sind noch Süßstoffe und Stevia dazu gekommen. Wo man hinschaut, wird gesüßt. Das erzieht unsere ohnehin schon auf Süßes geeichten Geschmacksnerven noch weiter zu Süßem. Bei manchem Zahnarzt findet sich eine Vitrine, in der sich neben Ketchup, Zahnpasta oder Coladosen die enthaltene Menge Zucker zu sehen ist. Energydrinks gegen Energie über Zuckerstoffe an uns ab. Selbst aromatisiertes Mineralwasser wird gesüßt. Die Zuckerindustrie findet immer neue Wege, uns mit Zuckersüßem zu versorgen. Deswegen haben Gesundheitspriester wie der Arzt Dr. Karl Otto Bruker sie angeklagt und verflucht. Damit hatten sie auch vollkommen recht – aber genutzt hat es dennoch nichts. Ob eines Tages ein Warnhinweis auf allen gesüßten Produkten stehen muss, darf man bezweifeln. Wahrscheinlicher ist, dass der Gesamtzuckergehalt an einem Nahrungsmittel deutlicher sichtbar ausgewiesen werden muss. Heute gilt bereits, dass der Zucker voll deklariert werden muss. Alle Zutaten müssen in einer Reihenfolge gelistet werden, aus der der Kunde die Menge ersehen kann. Auf der einen Seite müsste Zucker also ganz vorne stehen, wenn er zu 30% die Zutaten ausmacht. Zum anderen muss der Kohlenhydratgehalt deklariert werden und der Zuckergehalt dabei gesondert ausgewiesen werden. Aber erstens kam man auf mehrere Zuckerarten ausweichen und den Zucker so von der ersten Stelle verdrängen. Außerdem kann man die Inhaltsdeklaration so winzig schreiben, dass niemand sie entziffern kann. Noch toller ist aber, dass man ein Produkt als zuckerfrei bewerben darf, nur weil kein industriell hergestellter Weißzucker enthalten ist. Es dürfen aber Honig und Melasse oder Ahornsirup entghlten sein. Wir erinnern uns: Auch dies sind Zuckerarten. Auch jede Art von Süßstoff darf verwendet werden, um uns zuckersüchtig zu halten. Die Zuckerindustrie ist so erfindungsreich und macht so geniale Umsätze wie sonst nur noch die Chemieindustrie. Daher sind die Lobbyisten beider Industrien überaus effektiv, wenn es darum geht, Gesetzesänderungen zu verhindern. Kann uns das glücklich machen? Sind wir uns bewusst, dass man uns absichtsvoll und systematisch zu Diabetikern macht? Man prognostiziert bereits eine Diabetes-Epidemie in den nächsten 50 Jahren. Der berühmte Altersdiabetes taucht immer öfter schon bei Jugendlichen auf. Die ernähren sich weitgehend von Colagetränken und Fast Food. Ein Narr, wer da von Zufall sprechen möchte. Aus der Generation „Null Bock“ wird bald die Generation der Insulinjunkies.

Glücklichmacher in unserem Alltagsleben

Es ist auch kein Zufall, dass wir unsere Liebste „Sugar“ , „Süße“, „Honey“ oder „Sweetheart“ nennen. In den USA kennt man „Sugar“ sogar als weiblichen Vornamen. Süßes macht uns also durchaus glücklich. Fatal ist nur, dass sich eine skrupellose Industrie des Zuckers bemächtigt hat und mit Mafiamethoden dafür sorgt, dass wir „auf Droge“ bleiben. Das kann einen schon wütend machen. Aber wie gesagt: Es ist fast unmöglich, dem Zuckerboom auszuweichen. Man müsste ausschließlich frisches Obst, frisches Gemüse, Hülsenfrüchte und Vollkorngetreide verzehren. Hier sind zwar auch Kohlenhydrate enthalten, aber in kleiner Dosis und in gebundener Form. Allerdings: Süße Gemüse wie Pastinaken, Möhren oder Hokkaidokürbis weisen auch schon eine veritable Zuckermenge auf. Ähnliches gilt für das Obst. Daher könnte man auch zu viel Zucker zu sich nehmen, wenn man sich ausschließlich von süßen Beeren und süß schmeckenden Gemüsen ernährt. Gesund ist das nicht. Es ist nur gesünder. Aber es wäre auch schnell langweilig. Um gesund und glücklich zu sein, ist eine abwechslungsreiche Vollwertkost am geeignetsten. Sie sättigt und verhindert diesen fatalen Heißhunger, der uns beim Anblick einer Schale mit Gummiteddys überfällt. In einer deutschen Klinik wird Patienten mit Verdacht auf eine Allergie eine Riesenschüssel mit Gummiteddys und anderen Naschereien vorgesetzt. Sie sind allesamt durch einen immensen Zuckergehalt und Farb- sowie Aromastoffe gekennzeichnet. So stellt man Allergien auf Farbstoffe fest, aber auch Prä-Diabetes. Und der ist alles andere als ein Glücklichmacher. Diabetes ist im Gegenteil ein heimlicher Killer. Bei jedem Stück Kucken, bei jedem Keks, jedem Vanillepudding und jeder gegessenen Tafel Schokolade sollte man sich dies vor Augen führen. Es ist kein Zufall, dass die Länge der Süßigkeitenregale inklusive der Kuchen-und Keksabteilung die Gesamtlänge der Gemüseregale häufig übertrifft. Im Supermarkt stehen die Süßigkeiten und die alkoholischen Getränke gerne in Kassennähe. Beide sind in vieler Hinsicht unsere liebsten Drogen. So werden wir durch den schnellen Griff zu etwas Süßem korrumpiert, bevor wir es uns versehen. Echtes Glück sieht anders aus.


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