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Light-Produkte

Welch ein verlockender Gedanke: Schlank werden, ohne dabei auf köstliche Schlemmereien verzichten zu müssen! Ein Traum moderner Menschen scheint wahr geworden zu sein – Light-Produkte sollen es ermöglichen, Genuss und Diät miteinander zu vereinbaren. Helfen fettreduzierter Käse und Diätjoghurt tatsächlich beim Abnehmen? Oder sind Light-Produkte nichts weiter als eine Marketinglüge?

Was bedeutet eigentlich „light“?

Anders als viele Konsumenten glauben, ist „light“ keineswegs mit „kalorienreduziert“ gleichzusetzen. Ganz im Gegenteil: Da der Begriff nicht durch ein Gesetz definiert wird, können Lebensmittelhersteller Produkte aus den unterschiedlichsten Gründen als „light“ kennzeichnen. So können Joghurt, Wurst oder Käse etwa weniger Fett, aber nicht weniger Zucker enthalten. Chips und anderes Knabberzeug dagegen werden oft schon als „light“ bezeichnet, wenn sie weniger Salz als vergleichbare Produkte enthalten – die enthaltene Kalorienmenge bleibt allerdings gleich. Bis vor Kurzem konnten sogar Tabakwaren mit einem verringerten Nikotingehalt mit dem Zusatz „light“ versehen werden. Diese Praxis wurde jedoch durch eine entsprechende EU-Regelung verboten – sehr zum Nutzen des Verbrauchers.

Kurz zusammengefasst: Light-Produkte sind Produkte jeglicher Art – darunter fallen nicht nur Lebensmittel oder Getränke! – die im Vergleich zu den herkömmlichen Produktvarianten irgendeinen Inhaltsstoff in wenig bis stark verringerter Menge oder sogar überhaupt nicht mehr beinhalten. Bei Lebensmitteln und Getränken werden meist Bestandteile wie Zucker und Fett, aber auch Kohlensäure, Koffein oder Ethanol (= Alkohol) reduziert bzw. gänzlich aus dem Produkt entfernt. Ergo kann „light“ viele Bedeutungen haben, etwa „kalorienreduziert“, „fettarm“, „zuckerfrei“ etc.

Light-Produkte

Light-Produkte ©iStockphoto/06photo

Künstliche Inhaltsstoffe gaukeln Geschmack vor

Nun können Sie als Verbraucher natürlich die Meinung vertreten, dass es ja grundsätzlich zu befürworten wäre, wenn ungesunde Nahrungsbestandteile einfach herausgefiltert würden. Nur: Können Sie sich vorstellen, wie ein gänzlich fettfreier Joghurt schmeckt? Zuckerfreie, also ganz und gar ungesüßte Limonade? Kalorienreduzierter Camembert? Die Vorstellung lässt Ihnen als Leser nicht unbedingt das Wasser im Munde zusammenlaufen? Das ist auch nicht besonders verwunderlich, denn ein fettfreier Joghurt besteht vor allem aus Wasser, Käse ohne Fett ist trocken und Limonade ganz ohne Zucker dürfte ziemlich sauer schmecken. Dass all diese Produkte nicht sonderlich appetitanregend sind, weiß auch die Lebensmittelindustrie. Sie steuert dagegen, indem sie Light-Produkte mit Füllstoffen versieht, die den reduzierten Erzeugnissen Geschmack und Konsistenz verleihen. Statt Fett kommen so Fettersatzstoffe, statt Zucker Zuckeraustausch- und andere künstliche Süßungsmittel in die Verpackung. Für die gewohnte Konsistenz sorgen Füllstoffe wie beispielsweise Zitronenfasern, Maismehl und anderes. Sehr häufig kommen zudem künstliche wie auch „natürliche“ Aromen zum Einsatz, die für den originalen Geschmack des Erzeugnisses sorgen. Denn der Geschmacksträger Fett sowie der für die Süße sorgende Zucker dürfen nicht verwendet werden – für den richtigen Geschmack ist dann das chemische Labor zuständig. Light-Produkte schmecken nur deshalb, weil sie das, was fehlt, anderweitig ersetzen müssen – und dieser Ersatz kommt immer aus dem Chemielabor. Für die Hersteller sind Light-Erzeugnisse günstig in der Herstellung, meist sogar günstiger als die herkömmliche Variante, können aber für deutlich höhere Preise verkauft werden.

Light-Produkte können Pfunde nicht schmelzen lassen

Manch verzweifelter Mensch greift trotzdem, dass es sich um reine Chemie handelt, zu Light-Erzeugnissen, in der Hoffnung, mit deren Hilfe den Extra-Pfunden endlich zu Leibe zu rücken. Leider handelt es sich auch hierbei um eine Fehlannahme, denn: Mit Light-Produkten kann man nicht abnehmen. Dafür gibt es mehrere Gründe:

1. Fettreduziert ist nicht gleichzeitig kalorienreduziert.

Eines der häufigsten Irrtümer bezüglich Light-Produkten besteht in der Annahme, diese seien automatisch zugleich kalorienreduziert. Doch leider hat ein fettreduzierter Joghurt meist genau so viele Kalorien wie ein normaler – die Hersteller fügen dem vermeintlichen Diätprodukt einfach mehr Zucker zu, damit der Geschmack stimmt. Für jede Zutat, die einem Produkt fehlt, muss ein anderes hinzugefügt werden und zudem noch für den Geschmack sorgen. Die meisten Ersatzstoffe haben in der Regel nicht weniger Kalorien als die Stoffe, die ersetzt werden sollen – ein Teufelskreis. Kalorienreduziert sind dagegen tatsächlich nur Produkte, wo dies genauso auf der Verpackung vermerkt ist. Im Gegensatz zu „light“ ist der Begriff „kalorienreduziert“ gesetzlich definiert. Lebensmittel dürfen höchstens 50 Kilokalorien pro 100 Gramm beinhalten, Suppen und Getränke sogar nur maximal 20 Kilokalorien. Dagegen bezeichnen Begriffe wie „fettreduziert“ oder „zuckerfrei“ nur Produkte, die tatsächlich weniger Fett oder keinen Zucker enthalten – von weniger Kalorien ist dabei aber nicht die Rede.

2. Der Körper reagiert mit Heißhunger auf Süßstoffe.

Diesen Effekt kennen Schweinemastbetriebe schon länger und nutzen ihn für sich aus. Das Futter der Mastschweine enthält Süßstoffe, die dafür sorgen, dass die Tiere deutlich mehr fressen und so schneller ihr Schlachtgewicht erreichen. Süßes schmeckt eben deutlich besser – und daher langen auch Tiere bei süßem Futter einfach mehr zu. Für den Menschen gilt das natürlich auch: Was gut schmeckt, davon wird mehr gegessen – und oftmals mehr, als uns gut tut. Das innerliche evolutionäre Programm kommt dabei ins Spiel und lässt uns Reserven für den Notfall anfuttern. Süßes macht Appetit auf mehr – und wenn dann etwas süß schmeckt, aber der erwartete Zucker ausbleibt, reagiert der Körper mit Heißhungerattacken. Der süße Geschmack veranlasst die Bauchspeicheldrüse, vermehrt Insulin auszuschütten, wodurch der Blutzuckerspiegel unter das normale Niveau sinkt. Um dieses wieder auf ein normales Level zu heben, braucht der unterzuckerte Mensch etwas zu essen – et voila, zum mit Süßstoff gesüßten Kaffee wird schnell noch ein Schokoriegel gegen das aufkommende Hüngerchen verspeist.

3. Die Psyche trickst den Verstand aus.

Viele Menschen glauben, von Light-Produkten könnten sie mehr essen als von der herkömmlichen Variante, schließlich enthalten diese weniger Kalorien. Nun, Light-Produkte enthalten nicht zwangsläufig weniger Kalorien. Und wenn die Psyche dem Abnehmwilligen nun mit gutem Gewissen zulangen lässt, dann sind schnell eben mal zwei Portionen – und damit auch die doppelte Anzahl an Kalorien – verspeist.

4. Die Lebensmittelindustrie trickst den Konsumenten aus.

Kluges Marketing ist in der industriellen Lebensmittelherstellung alles. Packungsaufschriften beispielsweise sollten nicht ohne eine genaue Prüfung für bare Münze genommen werden. So werben viele Hersteller etwa mit Slogans wie „40 Prozent weniger Fett!“ oder „60 Prozent weniger Kalorien!“. Zwar wird suggeriert, dass sich die Angaben auf das Produkt beziehen, nicht aber, in welcher Hinsicht oder mit welchem Vergleichsmaß. So braucht sich die Angabe „60 Prozent weniger Kalorien!“ etwa nicht auf dieses spezielle Produkt beziehen, sondern stattdessen nur auf ein ähnliches. Ein Käse, dessen Fettgehalt mit lediglich 15 Prozent angegeben wird, verschweigt, dass ein Vergleich mit dem im Regal daneben liegenden Gouda (40 Prozent Fett) genau genommen nicht möglich ist. Denn der fettreduzierte Käse gibt den Fettanteil im Originalprodukt an – und der Gouda im Trockenzustand, wobei dann der Anteil des Fettes naturgemäß deutlich höher ist. So wie er ist, weist der Gouda auch nur etwa 20 Prozent Fett auf – denn wer isst schon getrockneten Gouda? Derlei Tricksereien sind sicherlich nicht leicht zu durchschauen, daher lohnt sich oftmals ein genauer Blick in die Zutatenliste bzw. ins Kleingedruckte.

Light ist ungesund

Light-Produkte bestehen vor allem aus Stoffen aus dem Chemielabor, helfen aus verschiedenen Gründen nicht beim Abnehmen und sind deshalb schlicht ungesund. Viele der zugesetzten Ersatzstoffe wie beispielsweise Aspartam und andere künstliche Süßstoffe stehen zudem im Verdacht, bestimmte Erkrankungen zu begünstigen – darunter auch bestimmte Krebsarten. Wer gesund abnehmen möchte, sollte Light-Produkte lieber im Regal stehen lassen und zu natürlichen „Light-Produkten“ greifen. Dazu zählen beispielsweise Obst und Gemüse, magere Wurstsorten wie Kochschinken und Lachsschinken, von Natur aus fettarme Fleischsorten wie z. B. Putenfleisch oder Hähnchen. Sogar natürlich fettarmer Käse ist erhältlich, der (berüchtigte) Harzer Käse. Mit diesen natürlichen fett- und kalorienarmen Produkten können Sie nichts falsch machen – sondern stattdessen gesund und genussvoll schlemmen.


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