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Der Granatapfel

Die Geschichte der Granatäpfel

Die meisten Menschen haben Granatäpfel, die sich durch ihre leuchtend rote Schale auszeichnen, schon einmal gesehen, doch nur die wenigsten wissen, wie lange die Geschichte dieser faszinierenden Frucht wirklich zurückreicht: Man geht davon aus, dass die Menschen sie schon vor mehr als 5.000 Jahren als Speise schätzten, allerdings lässt sich das genaue Jahrhundert natürlich nicht exakt bestimmen. Bekannt ist dennoch, dass die Heimat der Frucht sich irgendwo zwischen Mittel- und Westasien befinden muss. Fakt ist ebenso, dass Granatäpfel bereits in der Bibel erwähnt wurden. Demnach soll die Frucht genau 613 Kerne enthalten – dies entspricht der genauen Anzahl der im Alten Testament eingeschriebenen Gesetze. Auch im Mittelalter des Christentums und in der griechischen Mythologie spielte der Granatapfel eine entscheidende Rolle, vor allem als „Frucht der Götter“ oder als ein Symbol für Herrschaft und Macht auf Gemälden und Wappen. Der Baum, an dem die Frucht gedeiht, steht für Fruchtbarkeit, Schönheit, Liebe und Jugend. Angebaut werden Granatäpfel heute vorwiegend im Mittelmeerraum sowie im nahen Osten. Im Zeitalter der Kolonialisierung gelangten sie nach und nach über die Karibik nach Südamerika, wo sie heute ebenfalls eine beliebte Speise sind.

Inhaltsstoffe

Forscher fanden heraus, dass dem Fruchtfleisch mit gutem Grund bereits vor vielen Jahrtausenden eine heilende Wirkung nachgesagt wurde. Die Samen sind mit einer hohen Menge an Polyphenolen, wie Tanninen und Flavonoiden, bestückt. Diese bioaktiven Stoffe gelten wiederum als sogenannte Antioxidantien, welche dem Körper besonders gut tun, da sie freie Radikale einfangen. Konkret heißt das: Sie bewahren die Zellen des Körpers vor Entzündungen, halten schädliche Einflüsse von außen ab und können den gesamten Alterungsprozess verlangsamen. Der pure Saft soll sogar noch mehr Antioxidantien enthalten als der Saft von Blaubeeren oder Rotwein. Weiterhin soll der Granatapfel vielen Erkrankungen entgegenwirken, jedoch gibt es dafür bisher keine eindeutigen wissenschaftlichen Beweise.

Fest steht dennoch, dass die Frucht sehr gesund ist. Da sie reich an Kalium ist, wirkt sie sich positiv auf die Muskulatur, die Nerven und das Herz aus. Auch Eisen und Kalzium sowie Vitamin B sind in hoher Konzentration enthalten. Der Gehalt an Vitamin C ist allerdings gar nicht so hoch, wie einige vielleicht annehmen: Durchschnittlich sollte ein Erwachsener pro Tag rund 100 Milligramm Vitamin C zu sich nehmen. Diesen Bedarf deckt zwar ein großes Glas frischer Orangensaft gut ab, Granatapfelsaft jedoch nicht. Im Vergleich: Während 100 Gramm Orangensaft rund 45 Milligramm Vitamin C enthalten, stecken im Saft des süßen Granatapfels nur etwa acht Milligramm.

Granatapfel

Granatapfel ©iStockphoto/ValentynVolkov

Die moderne Medizin nimmt an, dass sich die Früchte schützend auf das Herz-Kreislauf-System auswirken – belegt ist diese Vermutung allerdings wie gesagt noch nicht. Dennoch bringt man den antiarteriosklerotischen Effekt inzwischen mit der stark antioxidativen Wirkung der Frucht in Verbindung. Sehr interessant ist dabei, dass im Rahmen verschiedener Studien der Konsum von nur 50 Milliliter Granatapfelsaft am Tag bereits nach 14 Tagen bei hypertensiven Patienten eine ACE-Absenkung von 36% zur Folge hatte, weiterhin reduzierte sich der systolische Blutdruck im Schnitt um 5%.
Für Diabetiker ist der Konsum übrigens ebenfalls zu empfehlen: Man sagt Granatapfelzubereitungen die Fähigkeit nach, die Aufnahme von Zucker im Darm zu reduzieren und die Überzuckerung nach der Nahrungsaufnahme zu optimieren.

Der Aufbau der Frucht

Der Granatapfelbaum gehört zur Gattung der sogenannten Weiderichgewächse (punica granatum) und erreicht eine durchschnittliche Höhe von zwischen fünf und acht Metern. Ein solcher Baum kann ein Alter von 200 Jahren oder mehr erreichen. Er zeichnet sich durch lanzettförmige immergrüne Blätter aus, weiterhin bildet er im Frühjahr und im Sommer leuchtend orangerote Blüten aus.

Die Frucht des Baumes weist ausgereift etwa die Größe eines großen Apfels auf. Ihre Schale färbt sich, abhängig von der Herkunft, gelblich bis dunkelrot. Im entferntesten Sinne lässt sich der Granatapfel sogar zu der Familie der Beeren zählen, weil sein Fruchtfleisch weder holzig noch fleischig ist. Im Inneren befinden sich mehrere Kammern, die auch als Fruchthöhlen bezeichnet werden und durch feste weiße Wände voneinander getrennt sind. In diesen Kammern reihen sich die ovalen, leuchtend roten Samen aneinander. Pro Frucht sind rund 400 Samen enthalten. Sobald die Götterfrucht ihre volle Reife erreicht, umgeben sich die Kerne der Samen von einer fleischigen Schicht – dieser Teil wird verzehrt.
Der Geschmack ist einzigartig und mit keiner anderen Frucht zu vergleichen: Seine Kerne sind saftig, süß und angenehm bitter.

Hierzulande erleben die Leckerbissen ihre Hauptsaison von September bis etwa Januar, dann sind sie in den meisten Supermärkten zu finden. Die Schale sollte beim Kauf noch möglichst hart sein. In denselben Monaten werden sie noch in ihren Anbauländern gepflückt und dann direkt exportiert. Weil die Pflanze unbedingt tropisches oder zumindest subtropisches Klima für ein optimales Gedeihen benötigt, kann sie hierzulande nicht kultiviert werden.

Die richtige Zubereitung und Lagerung

Sind Granatäpfel einmal geerntet, so reifen sie nicht mehr nach. Allerdings lassen sie sich problemlos über mehrere Wochen hinweg lagern, sofern ihre Schale unversehrt und geschützt bleibt. Die lederartige Haut des Granatapfels ist besonders widerstandsfähig und deutlich robuster als die Schale vieler anderer Früchte – selbst, wenn sie einmal auf den Boden fallen sollte, wird die Haut nicht gleich zerplatzen.

Hat man sich zum ersten Mal die leckeren Früchte gekauft, so fragt man sich unter Umständen, wie man sie richtig öffnet und verspeist. Grundsätzlich gibt es dafür mehrere Möglichkeiten.

Die erste Option ist, die Frucht mit einem scharfen Messer zu halbieren und die Samen mit einem Teelöffel herauszulösen. Oder aber man legt sie auf ein Küchenbrett und klopft die Samen kopfüber in eine Schale. Eine andere Variante ist das Aufbrechen des Granatapfels in einer mit Wasser gefüllten Schüssel. Darin setzen sich die Samen am Boden ab, während die weißen, ungenießbaren Kammerwände nach oben treiben.
Benötigt man ausschließlich den Saft, so kann man die halbierte Frucht ganz einfach mit einer normalen Zitruspresse auspressen – oder man sticht mit einem Messer ein Loch hinein und quetscht den Saft heraus, allerdings bleiben hier oft wertvolle Reste in der Frucht übrig.

Granatäpfel und ihre Verwendung in Speisen und Drinks

Natürlich sind die dunkelrot glänzenden Kerne von Granatäpfeln nicht nur lecker, sondern auch ein Blickfang, weshalb die Samen inzwischen längst ihren Weg in die Gourmetküchen der Welt gefunden haben. Ihre einzigartige Geschmackskombination aus feiner Süße und zarter Säure passt zum Beispiel sehr gut zu würzigen orientalischen Speisen wie marokkanischem Spinatsalat oder türkischen Lammgerichten. Hierzulande werden die Kerne gerne als Beilage zu Wildschwein-Medaillons, als süßes Extra in Salaten oder auch in Kombination mit Käse verwendet. Puren Saft gibt es auch fertig zu kaufen, wobei der frisch gepresste deutlich aromatischer ist. Für Cocktails ist Granatapfelsirup, das besser als Grenadine bekannt ist, mit seinem intensiven, süßen Geschmack eine sehr beliebte Zutat. Übrigens: Wem der reine Saft zu süß ist, kann leichte Schorlen in Verbindung mit Mineralwasser mischen. Vor allem im Sommer sind diese eine nicht zu geschmacksintensive und noch dazu sehr gesunde Erfrischung.

Selbstverständlich veredeln Granatapfelkerne auch zahlreiche Dessers wie Kuchen, Obstsalate oder Cremespeisen. Weiterhin lassen sich aus dem Saft köstliche Marmeladen oder vitaminreiche Smoothies mixen.

Vorsichtig sollte man lediglich beim Öffnen der Frucht sein, da ihr Inneres viel Flüssigkeit besitzt und diese schnell tropft oder herausspritzt. Da das Fruchtfleisch Gerbsäure enthält, sollte es in keinem Fall auf die Kleidung gelangen, denn dadurch entstandene Flecken lassen sich kaum noch in der Waschmaschine auswaschen – hier hilft meist nur noch ein Besuch in der Reinigung.

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