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Die Megabolic-Diät – Rezension

Dr. Mark Hyman, Die Megabolic-Diät – Automatisch schlank mit dem Power-Stoffwechsel
Erschienen im Wilhelm Goldmann Verlag, München, 2008

Der Autor

Der Arzt Dr. Mark Hyman betreibt eine private Klinik in Lenox (Massachusetts), die sich auf die ganzheitliche Behandlung von Patienten unter besonderer Einbeziehung von ernährungswissenschaftlichen Fragen spezialisiert hat. Er hat bereits mehrere Bücher publiziert, die sich mit den Auswirkungen der Nahrungszusammenstellung auf den Körper auseinandersetzen.

Das Buch

Die Megabolic-Diät ist kein Büchlein für einen Nachmittag. Es gliedert sich in einen theoretischen Teil mit Ausführungen zu einzelnen Nahrungsmittelgruppen und möglichen Ursachen für Übergewicht sowie einen praktischen Abschnitt mit Rezepten und Wochenplänen.

Der theoretische Teil

Es mag sein, dass die Fülle an Informationen beim Leser durchaus ein Gefühl der Überforderung aufkeimen lässt. Es empfiehlt sich aber, die Erläuterungen des Autors zu den sieben dicksten Ernährungsirrtümern und den sieben Erfolgsschlüsseln der Megabolic-Diät zumindest in kleinen Häppchen nach und nach zu sich zu nehmen. Dr. Hyman unternimmt in seinem Buch durchaus humorvoll den Versuch, Diätwilligen anhand von praktischen Beispielen aus seiner Praxis aufzuzeigen, warum viele Diät-Empfehlungen aus seiner Sicht nicht nur wirkungslos sind, sondern sogar schaden können. Im Buch werden beliebte, aber nicht immer erfolgreiche Techniken wie FdH, Kalorienzählen oder das Auslassen von Mahlzeiten ebenso behandelt wie gängige Ansichten über Fett oder Kohlenhydrate als Ursache von Übergewicht. Der Nahrungsmittelindustrie und deren Produkten werden von Dr. Hyman unter einer besonderen Überschrift einige nicht sehr ausführliche, aber aus der Sicht der solchermaßen Verführten durchaus prägnante Absätze gewidmet.

Megabolic-Diät

Megabolic-Diät Foto: Mosaik bei Goldmann TB

Die Lösung für die Probleme, die vielen Menschen anlässlich einer Diät zu schaffen machen, sieht der Autor vorwiegend in der Zusammensetzung von Mahlzeiten, die auf die Körperchemie eines Menschen abgestimmt sind. Vor allem der übermäßige Konsum von Zucker, der unter verschiedensten Bezeichnungen in Fertigprodukten versteckt sein kann, führt nach der Ansicht des Autors zu einem chaotischen Insulinspiegel, der noch mehr Verlangen nach Zucker auslöst (Heißhunger). Die im Buch enthaltene Liste zu den vielfältigen Namen, unter denen Zucker auftritt, unterstützt den Leser bei der Vermeidung von Zuckerfallen. Die Auswirkungen von Stressfaktoren auf den Hormonhaushalt und den Stoffwechsel werden ausführlich und für den Leser nachvollziehbar dargestellt. Es mag zunächst etwas überraschen, dass der Autor unter dieser Rubrik auch Themen wie Schlafmangel oder Entzündungsherde im Körper einreiht. Die Erläuterungen zum Nachtesser-Syndrom, zum Ansteigen des Hungerhormons während einer Wachphase und die Verlangsamung des Stoffwechsels durch im Körper schwelende Entzündungsherde machen die Zusammenhänge aber auch für einen medizinischen Laien deutlich. Ein eigenes Kapitel befasst sich mit der Funktion der Leber und deren grundlegender Bedeutung für die Entgiftung des Körpers. In einer durch Giftstoffe beeinträchtigten Leber sieht der Autor eine wesentliche Ursache für eine verminderte Leistung des Stoffwechsels und eine reduzierte Fettverbrennung. Hilfreiche Tipps zu leberfreundlichen und entgiftenden Nahrungsmitteln sowie zu Heilpflanzen ergänzen die Ausführungen.

Der praktische Teil

Phase 1

Der Autor schlägt zu Beginn der Ernährungsumstellung eine dreiwöchige Entgiftungsphase vor, die durch eine Entgiftungsbrühe unterstützt werden soll. Die erste Phase soll auch dazu dienen, durch das Weglassen von Getreide oder Milchprodukten möglicherweise vorhandene Nahrungsmittelunverträglichkeiten aufzudecken. Eine Liste von Nahrungsmitteln, die in dieser Phase ausgiebig genossen werden können, findet sich im Buch ebenso wie eine Liste von Nahrungsmitteln, die vermieden werden sollten. Für die erste Woche wird ein Speiseplan mit abwechslungsreichen Rezepten für alle Mahlzeiten vorgegeben. Sollte eine Zutat dem Geschmack des Probanden nicht zusagen oder nicht erhältlich sein, kann diese durch eine Auswahl aus der Liste ausgetauscht werden. Auf viele gewohnte Dinge – wie Eier oder Milchprodukte – sollte in der ersten Phase nach der Vorstellung des Autors jedenfalls verzichtet werden. Es überrascht, dass es mitunter gar nicht so einfach ist, die vorgeschlagene Nahrungsmenge zu sich zu nehmen. Vor allem Frühstücksmuffel könnte das durchaus reichhaltige Frühstück vor Herausforderungen stellen. Die durchwegs leichten Hauptmahlzeiten und die Einstellung des Blutzuckerspiegels führen allerdings dazu, dass auch am Morgen wieder ein natürliches Hungergefühl vorhanden ist. Es empfiehlt sich, die im Buch enthaltene Einkaufsliste vor Beginn zu studieren und soweit möglich die Vorräte zu ergänzen. Die Rezepte für die Mahlzeiten sind zwar – bis auf das Schneiden von Bergen an Gemüse – nicht besonders aufwendig, die große Anzahl an Mahlzeiten kann aber vor allem für Berufstätige durchaus eine Hürde darstellen. Frühstücksvarianten, die Amarant oder Naturreis enthalten, sowie diverse Salate lassen sich auch gut auf Vorrat zubereiten. Vielleicht besteht auch die Möglichkeit, die erste Woche der Umstellung mit einer Urlaubswoche zu verbinden.

Phase 2

In der anschließenden vierwöchigen Phase wird der Speiseplan durch Milchprodukte, Eier und Getreide bereichert. Es bietet sich an, durch ein Ausschlussverfahren zu testen, ob die Wiederaufnahme dieser Nahrungsmittel mit Verdauungsproblemen verbunden ist. Für die erste Woche der Phase 2 finden sich im Buch wieder eine Einkaufsliste und ein Speiseplan mit neuen Rezepten. Eine Liste mit nun wieder erlaubten Zutaten erleichtert die Auswahl und lässt Variationen zu. Erklärtes Ziel des Autors ist es, seine Leser nicht nur während der insgesamt sieben Wochen dauernden Diät zu begleiten, sondern letztlich durch die Vorschläge eine Ernährungsumstellung zu erreichen.

Fazit

Der Autor stellt in seinem Buch lesenswerte und teilweise doch überraschende Zusammenhänge zwischen Lebensgewohnheiten und Übergewicht auch für medizinische Laien verständlich dar. Im Anhang sind alle wissenschaftlichen Studien angeführt, auf die der Autor seine Ausführungen gründet. Die Rezepte mit manchmal ungewohnten Zutaten sind vielfältig und einfach nachzukochen. Die große Anzahl an geforderten Mahlzeiten kann aber vor allem Berufstätige vor eine Herausforderung stellen. Nicht alle Rezeptvorschläge sind zudem familienfreundlich. Das Buch ist aber dennoch eine Bereicherung und eine gute Grundlage für jeden, der sich intensiver mit den Auswirkungen der Ernährungsgewohnheiten auf den Stoffwechsel auseinandersetzen will. Die praktische Umsetzung erfordert etwas Kreativität und ein nicht geringes Maß an Durchhaltevermögen.


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