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Neue Diät-Pille täuscht vollen Magen vor

Übergewicht und seine Begleiterscheinungen wie Diabetes, Bluthochdruck und Schlaganfall haben sich in den Industrieländern zu einem ernst zu nehmenden, weitverbreiteten Gesundheitsrisiko entwickelt. Im gleichen Maße sind viele Menschen bestrebt, wieder Herr über ihr Gewicht zu werden und oder es zu bleiben. Als Alternative zu einer ausgewogenen Ernährung und Sport – die auch aus anderen gesundheitlichen Gründen erste Wahl bleiben sollte – greifen nicht wenige zur Diät-Pille. Dabei sind die gesundheitlichen Folgen durch Nebenwirkungen bei Diät-Präparaten nicht minder problematisch und ein garantierter Erfolg stellt sich ebenfalls nicht ein.

Neue Pille, neues Glück?

Im medizinischen Fachmagazin „Nature Medicine“ stellen Forscher vom renommierten Salk-Institute for Biological Studies im kalifornische La Jolla ihre bisherigen Forschungsergebnisse zu einer neuen Diät-Pille vor. Ein neuer Wirkstoff (Fexaramin) gaukelt dem Körper die Nahrungsaufnahme vor, ohne dass tatsächlich etwas gegessen wurde. Durch das „imaginäre Essen“ werden aber alle weiteren Mechanismen des Körpers für die Nahrungsverarbeitung aktiviert. So läuft die Fettverbrennung an und man beginnt mit dem Abnehmen. Die neue Pille hat dabei im Unterschied zu bisherigen Mitteln kaum oder keine Nebenwirkungen.

Wie das neue Präparat funktioniert

Zu Beginn jeder Mahlzeit bereitet der Körper bereits die Verwertung der Nahrung vor – jeder kennt sicher das Gefühl, wie der Speichel im Mund zusammenläuft. In den körpereigenen Vorratsspeichern wird entsprechend Platz geschaffen und das Aufspalten der Nahrung in seine Bestandteile wird vorbereitet. Auch die Verwertung läuft bereits an. Dazu wird unter anderem das Protein Farnesoid X Rezeptor (kurz FXR) aktiviert. Es ist beteiligt an der Freisetzung von Gallensäure in der Leber, Verdauung und Speicherung von Fett und Zucker. Einmal aktiv läuft so die Fettverbrennung an.

Dieser Zusammenhang ist als erwünschte Möglichkeit der Gewichtsreduzierung hinlänglich bekannt und wird von vielen bisherigen Diät-Pillen genutzt. Die Aktivierung des FXR-Proteins fand bislang allerdings im ganzen Körper statt und nicht nur im Verdauungstrakt. Das führt zu gefährlichen Nebenwirkungen, indem wichtige Prozesse in anderen inneren Organen gestört werden. Hier setzt der neue Wirkstoff Fexaramin an.

Das Grundgerüst des neuen Medikaments ist dabei identisch mit den bisher verwendeten Präparaten. Mit Fexaramin gelingt es allerdings, das FXR-Protein ausschließlich im Darm zu aktivieren. Bei einer oralen Verabreichung verbleibt es im Verdauungssystem und verteilt sich nicht weiter über den Blutkreislauf im Körper. Die bislang problematischen Nebenwirkungen können so nicht auftreten.

Fexaramin gaukelt so dem Körper eine Mahlzeit vor, die er in Wahrheit nicht eingenommen hat. Das Präparat selbst hat keine Kalorien, sodass bei regelmäßiger Einnahme ein Abnahmeeffekt eintritt. Das Appetitverhalten selbst wird dabei nicht beeinflusst. Im Gegensatz zu bisherigen Medikamenten, die das FRX-Protein aktivieren, wird bei Fexaramin die natürliche Reihenfolge bei der Verdauung und Verwertung der Nahrungsstoffe eingehalten.

Diät Pille

Diät Pille ©iStockphoto/kzenon

Bisherige Ergebnisse

Bisher wurde Fexaramin nur an Mäusen getestet. In einer Versuchsreihe erhielten fettleibige Mäuse über fünf Wochen eine Pille mit dem neuen Wirkstoff Fexaramin. Die Tiere verloren Fett und nahmen nicht weiter zu, der Blutzucker- und Cholesterinspiegel senkte sich. Zudem wurde bei den Mäusen eine erhöhte Körpertemperatur festgestellt, die die Forscher auf einen beschleunigten Stoffwechsel und erhöhte Fettverbrennung zurückführten.

Fexaramin aktivierte das Protein FXR nur im Darmtrakt. Die Ergebnisse aus der Versuchsreihe mit den Mäusen deuten stark darauf hin, dass Fexaramin tatsächlich schonender ist als bisherige Präparate. Nebenwirkungen traten nicht auf.

Ausblick

Doch bis Fexaramin erhältlich sein wird, sind noch einige Hürden zu meistern. Nach dem erfolgreichen Versuch an Mäusen wird nun die erste klinische Studie am Menschen vorbereitet. Ausführlich soll Fexaramin auf seine Wirksamkeit gegen Übergewicht und Stoffwechselkrankheiten getestet werden.

Am Ende soll idealerweise stehen, dass Fexaramin unter ärztlicher Aufsicht als Medikament eingesetzt werden kann. In Kombination mit einer konventionellen Diät und einer Anpassung im Lebensstil soll dann Fexaramin eine erfolgreiche nachhaltige Gewichtsreduktion ermöglichen. Bis dahin werden aber noch mindestens zwei, drei Jahre vergehen.


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