Skip to main content

Fastenzeit – Möglichkeiten des bewussten Verzichts

Viele nutzen für die Fastenzeit die Phase zwischen Aschermittwoch und Ostern, wobei eine bewusste Auszeit individuell in den Alltag integriert werden kann und nicht an kirchliche Aspekte gebunden ist. Hinzu kommt das strikte Fastenkuren nicht für die typische Zeit von 40 Tagen geeignet sind. Gleiches gilt auch für die Art und Weise des Verzichts, denn es gibt zahlreiche Möglichkeiten, die Fastenzeit zu gestalten. Im Vordergrund sollte dabei die Überlegung stehen, warum die einzelne Person fasten möchte. Geht es vor allem darum, überschüssige Pfunde zu verlieren? In diesem Fall ist der Hinweis bedeutsam, dass es während des Fastens zwar sehr wahrscheinlich zu einem Gewichtsverlust kommen wird, der allerdings häufig nicht dauerhaft anhält. Denn nur, wer seine Ernährung zunächst kritisch hinterfragt und bewusst umstellt, wird einen langfristigen Erfolg verzeichnen. Personen die über Jahre zu viel bzw. ungünstige Lebensmittel gegessen haben, brauchen in vielen Fällen eine professionelle Unterstützung, um ihr Ziel zu erreichen und ihr Wunschgewicht anschließend zu halten. In diesem Fall kann Fasten allenfalls einen Anstoß für ein gesünderes Essverhalten geben. In folgender Übersicht werden Möglichkeiten des bewussten Verzichts vorgestellt, die verdeutlichen, dass Fasten nicht unbedingt nur eine Auszeit von fester Nahrung darstellt.

Der Fastenzeit Klassiker – Verzicht auf feste Nahrung

Während bei ursprünglichen, restriktiven Formen nur kalorienfreie Flüssigkeiten aufgenommen wurden, gibt es mittlerweile zahlreiche Abwandlungen, die weniger Askese bedeuten und dass Durchhalten erleichtern. Wobei bei alten Fastenkuren im Kloster den Mönchen auch Kalorien – allerdings in Form von Wein – zugesprochen wurden. Da dieser Ansatz – teilweise in Kombination mit vergleichsweise wenig alkoholfreien Getränken – aber mittlerweile aus ernährungsphysiologischer Sicht als wenig sinnvoll gilt, basieren die modernen Fasten-Varianten auf bewusst zusammen gestellten Kalorien sowie Mikronährstoffen. Neben einer selbst zubereiteten, nicht oder nur leicht gesalzenen Gemüsebrühe, gibt es beim so genannten Saftfasten frisch gepresste Gemüse- und Obstsäfte. Auch hier unterscheiden sich die einzelnen Arten voneinander, denn während einige Fastenkuren nur kleine Mengen an Saft und Brühe erlauben, dürfen die “flüssigen Vitamine“ bei weiteren Abwandlungen in größerer Zahl fließen. Darüber hinaus werden bei einigen Fastenformen kleine Mengen an Quark und Honig toleriert, um einem Muskelabbau und einem Unwohlsein durch Unterzuckerung vorzubeugen.

Gründe für die Fastenzeit – Entlastung für Körper & Seele

Im Mittelpunkt der kulinarischen Auszeit der meisten Kurangebote steht nicht der Gewichtsverlust, sondern es geht viel mehr darum, sich zu besinnen, sein Ernährungsverhalten zu hinterfragen und Weichen für ein gesünderes Leben zu stellen. Darüber hinaus kann das professionell begleitete Fasten von adipösen Personen die Motivation und das Durchhalten einer anschließenden Ernährungsumstellung erhöhen, wenn zu Beginn ein vergleichsweise hoher Gewichtsverlust eintritt. Wobei es hier aus ernährungswissenschaftlicher Sicht kontroverse Meinungen gibt, inwieweit Fasten für übergewichtige Menschen geeignet ist. Denn Personen die unter Essstörungen leiden bzw. deren ungesundes Essverhalten auf psychischen Aspekten basiert, sollen nach Meinung von Kritikern nicht fasten. Allerdings sieht die Realität anders aus, denn insbesondere Personen die unter Binge Eating (Essanfällen), Adipositas, Anorexie oder Bulimie leiden, sind besonders anfällig für restriktive Essphasen, die – je nach Krankheitsbild – von der Aufnahme extremer Mengen an Essen – unterbrochen werden. Dieses missbräuchliche Verhalten hat mit dem ursprünglichen Sinn einer Fastenkur – der Besinnung auf sich selbst und das Wesentliche – nichts gemein. Darüber hinaus wird Fasten als geeignete Therapie zahlreicher Erkrankungen wie Allergien, psychischen Störungen und Co. diskutiert, wobei es auch hier kontroverse Meinungen gibt.

Fastenzeit

Fastenzeit ©iStockphoto/AtnoYdur

Ein vorübergehender Verzicht auf Fleisch – ein möglicher Einstieg in einen vegetarischen Lebensstil

Viele guten Lebenswege beginnen mit einem ersten Schritt. Wie wäre es mal für einen selbst gesteckten Zeitraum auf Fleisch, Wurst und Fisch zu verzichten? Wie bei jeder Fastenart ist vor dem eigentlichen Fasten die Planung der Fastenphase besonders wichtig, um durchzuhalten. Auch hier steht der bewusste Umgang mit der Thematik und der Frage, ob es nicht möglich wäre, dauerhaft auf eine vegetarische Ernährung zu setzen, im Fokus. Es geht ja im Leben nicht darum, immer alles sofort zu verbessern, sondern zu schauen, inwieweit man selbst positive Impulse für Umwelt, einen bewussten Konsum und Co. setzen kann. Vor dem eigentlichen Verzicht auf Fleisch- bzw. Fischprodukte ist es sinnvoll, ausreichend alternative, pflanzliche Lebensmittel im Haus zu haben. Dies schützt davor, nicht doch mit Heißhunger die nächste Currywurst-Bude anzusteuern. Einfach mal im Supermarkt oder im Bioladen nach Fleischalternativen wie Tofuwürstchen, granuliertem Sojahack usw. Ausschau halten und testen, ob es Produkte gibt, die einen ansprechen.

Tipps für ein vegetarisches Fasten

Wem Alternativprodukte nicht zusagen, kann auch komplett auf pflanzliche Lebensmittel in purer Form setzen. Dafür eignen sich insbesondere protein- sowie ballaststoffreiche Hülsenfrüchte, die reich an essentiellen Aminosäuren sind. Als tierische Eiweißquellen eignen sich darüber hinaus fettarme Milchprodukte wie Quark, Joghurt und Co., die – in Anlehnung an den bewussten Verzicht – am besten aus ökologischer Produktion stammen sollten. Köstliche vegetarische Gerichte mit einer Extraportion Nährstoffe während der Fastenzeit ohne Fleisch, Fisch und Co. wären zum Beispiel Gemüsecreme-Suppen mit einer knusprig gerösteten Scheibe Brot, Kartoffeln (auch Rösti oder selbst gemachte Kartoffelspalten) mit einem Kräuterquark, (Vollkorn-) Pasta mit Pilzen, Tomaten und Brokkoli, eine selbst gebackene Pizza mit Mozzarella und Rucola oder ein Gemüse-Curry an Wildreis. Gerade die italienische und asiatische Küche hat ein großes Repertoire an vegetarischen Spezialitäten. Und natürlich lassen sich auch Klassiker wie Currywurst, Pasta à la Bolognese oder ein Burger mit pflanzlichen Fleischalternativen zubereiten.

„Veggie goes vegan“ – ein komplett tierfreier Speiseplan

Wer sich mit der Thematik einer vegetarischen Ernährung auseinander setzt und gut mit einem Speiseplan ohne Fleisch, Fisch und Wurst zurecht kommt, stellt sich häufig die Frage, ob eine rein pflanzliche Ernährung die noch bessere Alternative ist. Aus ernährungsphysiologischer Sicht ist eine bewusst zusammengestellte vegetarische Kost sicher eine der gesündesten Varianten überhaupt. Wenn man allerdings überlegt, dass Tiere auch in der Milchindustrie – zumindest in der Massentierhaltung – häufig leiden und die Kälber nach der Geburt unter Schreien der Mutterkuh entrissen werden, kommen moralische Zweifel, ob dies korrekt ist. Hinzukommt, dass viele Kühe angekettet im Stall stehen und permanent trächtig sein müssen, damit der Mensch Milch genießen kann, die eigentlich fürs Kalb gedacht ist. Auch aus medizinischer Sicht ist der – in der Werbung und von der Milchindustrie so angepriesene – Milchkonsum umstritten, denn Allergien und Unverträglichkeiten nehmen weiter zu. Und nimmt man das schockierende Geschäft mit den Eiern unter die Lupe wird klar, dass täglich Millionen männliche Küken nach dem Schlüpfen ihr Leben lassen müssen, weil sie nicht in der Lage sind, für den Menschen Eier zu legen. Wer sich mit solchen Fragestellungen bereits auseinandergesetzt hat, aber als Vegetarier (noch) nicht komplett auf Milch und Eier verzichten möchte, könnte die Fastenzeit dafür nutzen, vorübergehend alle tierischen Produkten vom Speiseplan zu streichen. Vermutlich werden viele feststellen, dass ein bewusster Verzicht nicht automatisch bedeutet, dass der Genuss zu kurz kommt und sich überlegen, ob diese Ernährungsform nicht auch dauerhaft die richtige Wahl sein könnte. Mittlerweile gibt es so viele pflanzliche Alternativen, die einen (vorübergehenden) Verzicht leicht gestalten.

Verzicht auf Genussmittel – die Weichen für einen bewussten Genuss stellen

In puncto Essen und Trinken gibt es weitere Möglichkeiten des bewussten Verzichts. In diesem Zusammenhang sind Genussmittel wie Alkohol oder Kaffee zu nennen. Darüber hinaus nutzen viele Personen die Fastenzeit dazu auf ihre geliebten Süßigkeiten zu verzichten. Geschieht diese Auszeit bewusst, kann dies einen zukünftig moderateren Umgang mit Genussmitteln fördern und den Genuss von Schokolade oder einem Glas Rotwein unterstützen. Ein weiterer Klassiker und vermutlich einer der schwersten ist der Verzicht auf Zigaretten. Wer diese Phase ohne den gesundheitsschädlichen Qualm übersteht, hat gute Chancen, zukünftig komplett auf dieses “Genussmittel“ zu verzichten. Insbesondere bei Süchten, die in der Fastenzeit überwunden werden möchten, sind Strategien zum Durchhalten von besonderer Bedeutung. Daher ist es sinnvoll, sich vorab Fachlektüre zu kaufen oder sich professionelle Unterstützung zu suchen, um fest sitzende Verhaltensmuster zu durchbrechen und im Falle eines drohenden Rückfalls strategische Gegenmaßnahmen parat zu haben.

Die Fastenzeit – Ein bewusster Konsum außerhalb kulinarischer Faktoren

Neben diesen klassischerweise kulinarisch geprägten Auszeiten, gibt es darüber hinaus auch andere Motivationen, für eine gewisse Zeit auf liebgewonnene Gegenstände oder Verhaltensweisen zu verzichten. In einer Zeit, in der bei vielen der Konsum im Vordergrund steht und alles im Überfluss – zumindest in der westlichen Welt – erhältlich ist, kann es auch in diesem Bereich sinnvoll sein, eine bewusste Pause einzulegen und nur Geld für Dinge auszugeben, die man wirklich benötigt. Insbesondere die digitale Welt bietet zahlreiche Ansatzpunkte für eine Fastenzeit ohne mediale Überforderung. Anstatt permanent über das Smartphone erreichbar zu sein oder stundenlang am PC zu spielen, kann ein bewusster, vorübergehender Verzicht auch hier empfehlenswert sein, um sich wieder auf das Wesentliche zu besinnen.

Top Artikel in Diät