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Heilfasten nach Buchinger

Aufgrund einer damals noch unheilbaren rheumatischen Erkrankung unterzog sich der Arzt Otto Buchinger (1878 – 1966) im Jahr 1919 einer Fastenkur, deren erfolgreiche Wirkung ihn zu weiteren Forschungen und 1920 zur Gründung der ersten Fastenklinik in Deutschland veranlasste.

Beim Heilfasten nach Buchinger handelt es sich nicht um ein Vollfasten, also eine sogenannte Null-Diät, sondern um eine Trinkkur, bei der die Aufnahme von ca. 250 kcal pro Tag durch Tees, Säfte und Gemüsebrühen ein wesentlicher Teil des Heilplans ist. Buchinger entdeckte, dass durch diese minimale Nahrungsaufnahme dem Körper eine ausreichende Menge an Vitaminen, Mineralstoffen und Spurenelementen zugeführt wird und damit die Belastung durch das Fasten wesentlich verringert werden kann. Heute gehört diese Fastenmethode zu den am häufigsten durchgeführten Fastenkuren in Deutschland.

Auswirkungen des Heilfastens

Während des Fastens ist der Körper nicht mit der energieaufwendigen Nahrungsverwertung beschäftigt und kann so seine Kraft darauf ausrichten, bestehende Entzündungsherde zu bekämpfen, Schadstoffe zu beseitigen und angegriffene Zellen zu regenerieren.
Da viele Schadstoffe in den Fettspeichern des Körpers abgelagert sind und diese während des Fastens zur Energiegewinnung abgebaut werden, entsteht allein dadurch schon eine reinigende Wirkung auf den Organismus. Gerade wegen dieser Schadstoffe und sogenannter Schlacken, also Stoffwechselreste, die nicht ausgeschieden werden konnten, ist es so wichtig, während der Fastenkur durch Trinken und Bewegung für Abtransport und Ausscheidung dieser Stoffe zu sorgen.

Heilfasten nach Buchinger

Heilfasten nach Buchinger ©iStockphoto/HeikeRau

Neben der reinen Gewichtsabnahme wirkt das Fasten allgemein reinigend und stärkend auf den Körper und kann auf diese Weise die Selbstheilungskräfte anregen und diverse Symptome lindern oder zum Verschwinden bringen. Übereinstimmend berichten Fastenerfahrene auch von einer seelischen Reinigung, da durch das Fasten oftmals verdrängte Geschehnisse an die Oberfläche kommen und damit die Chance besteht, diese zu verarbeiten.

Anwendungsgebiete des Heilfastens

In vielen Kulturen zählt das Fasten zu den von jeher angewandten Methoden der Gesundheitsvorsorge und Heilbehandlung. In Studien mit 1000 Teilnehmern an Fastenkuren berichteten 80 % von einer deutlichen Besserung des Allgemeinbefindens nach dem Heilfasten.

Verbesserungen des Gesundheitszustandes konnten unter anderem bei folgenden Anliegen beobachtet werden:

– rheumatische Erkrankungen und Gicht
– Diabetes Typ 2 und andere Stoffwechselerkrankungen
– Bluthochdruck, Migräne und andere Herz-Kreislauferkrankungen
– Magen-Darm-Störungen und andere Erkrankungen des Verdauungssystems
– Hauterkrankungen
– chronische Atemwegserkrankungen und Allergien
– Erschöpfungszustände und psychosomatische Störungen

Durch die Gewichtsabnahme, die Reinigung des Körpers und die Verarbeitung seelischen Ballastes kann das Heilfasten jedoch vor allem als wirkungsvolles Mitteln zur Krankheitsvermeidung eingesetzt werden. So kann das Fasten dabei unterstützen, gar nicht erst krank zu werden und insgesamt für ein besseres Lebensgefühl zu sorgen.

Vorbereitung einer Fastenkur nach Buchinger

Vor Beginn des Heilfastens sollte immer mit dem Arzt oder Heilpraktiker abgeklärt werden, ob eventuell körperliche oder seelische Gründe vorhanden sind, die gegen die Durchführung einer Fastenkur sprechen. Gerade das Heilfasten nach Buchinger wird meist stationär in Kliniken oder darauf spezialisierten Hotels durchgeführt, damit eine Begleitung und ärztliche Überwachung während des Fastens gewährleistet ist. Für Fastenunerfahrene empfiehlt es sich, zumindest ambulant einen Ansprechpartner zur Verfügung zu haben, falls sich körperliche oder seelische Probleme zeigen sollten.

Beim Fasten in Eigenregie sollte auf alle Fälle ein Zeitraum gewählt werden, der möglichst stressfrei gestaltet werden kann. Der vollständige Verzicht auf feste Nahrung und die damit verbundenen Reinigungsprozesse sind starke Belastungen für den Körper, die ein Fasten während normaler Berufs- oder Alltagstätigkeit nicht empfehlenswert machen.

Durchführung des Fastens

Grundsätzlich beginnt das Fasten mit einem sogenannten Entlastungstag, an dem der Körper auf den Nahrungsverzicht vorbereitet wird. An diesem Tag sollte nur leichte, ballaststoffreiche Kost wie Gemüse, Reis oder Kartoffeln zu sich genommen und bereits viel Flüssigkeit als Tee, Saft und Brühe getrunken werden. Auf Nikotin, Kaffee, Alkohol und Zucker sollte von diesem Tag an verzichtet werden, idealerweise auch über das eigentliche Fasten hinaus.

Am ersten Fastentag ist es wichtig, den Darm möglichst vollständig zu entleeren, damit keine Reste im Verdauungstrakt verbleiben, die dann anfangen könnten zu faulen und zu gären. Am einfachsten ist die Verwendung von Glaubersalz, das in jeder Apotheke erhältlich ist. Je nach Fastendauer wird dieser Vorgang mehrmals mit einem Tag Pause dazwischen wiederholt. Zusätzlich kann die Darmreinigung auch mit Einläufen unterstützt werden.

Während der gesamten Fastenzeit wird morgens Tee mit Honig und mittags und abends Saft ohne Zuckerzusatz oder Gemüsebrühe getrunken. Darüber hinaus sollten tagsüber so viel Wasser und Tee wie möglich getrunken werden, mindestens jedoch 3 Liter. Grundsätzlich sind alle Teesorten erlaubt, allerdings sollte eher nicht so viel Früchte- und Pfefferminz-, sondern eher Fenchel-, Brennnessel- oder Melissentee verwendet werden.

Um den Stoffwechsel in Schwung zu bringen und den gesamten Reinigungsprozess positiv zu unterstützen, sollte während des Fastens unbedingt leichte sportliche Betätigung eingeplant werden. Besonders bewährt hat sich in diesem Zusammenhang Yoga, aber auch längere Spaziergänge an der frischen Luft sind sehr hilfreich. Eine ruhige, entspannte Tagesgestaltung erleichtert den Nahrungsverzicht und trägt zu einer positiven Stimmung bei.

Das sogenannte Fastenbrechen am letzten Tag erfolgt in der Regel mit dem Essen und langsamen Kauen eines reifen Apfels. Da das Verdauungssystem sich erst wieder an feste Nahrung gewöhnen muss, wird weiterhin viel getrunken und mittags eventuell ein Naturjoghurt mit Obst und abends eine Gemüsesuppe hinzugefügt. In den folgenden Tagen kann dann nach und nach wieder normal gegessen werden, wobei hier der günstigste Zeitpunkt wäre, um eine grundsätzliche Ernährungsumstellung umzusetzen.

Richtig durchgeführt kann das Heilfasten nach Buchinger neben einem häufig gewünschten Gewichtsverlust zur Besserung gesundheitlicher Probleme, höherer Konzentrationsfähigkeit, gesteigerter körperlicher Beweglichkeit und damit zu einer Zunahme an Lebensqualität und Zufriedenheit beitragen. Viele Menschen fasten deshalb in regelmäßigen Abständen, zum Beispiel einmal jährlich, und bemühen sich auch darum, ihre Ernährung und ihre Lebensgewohnheiten den neu gewonnenen Einsichten entsprechend anzupassen.

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