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Was sind Kalorien?

Was sind Kalorien? Kalorien sind das Böse schlechthin…? Models jedenfalls fürchten sie wie der Teufel das Weihwasser. Deshalb, so hört man, essen sie mitunter lieber Watte, um nicht versehentlich auch nur ein winzig kleines Kaloriechen zu sich zu nehmen. Sie machen dick, wenn nicht gar fett. Wer auf seine Figur achtet, sollte tunlichst im Supermarkt nur kalorienreduzierte Nahrungsmittel in den Einkaufswagen legen.

Was sind Kalorien?

Das Wort kommt aus dem Lateinischen (calor = Wärme) und ist schlicht die Bezeichnung der Maßeinheit für Energie, wobei das Wort „Kalorie“ gleichzeitig 1 cal oder auch 1 Kcal, also den tausendfachen Wert bedeuten kann. Mittlerweile wurde dieser Ausdruck durch das international verwendete Joule ersetzt. Im täglichen Leben können sich Manche aber nicht recht an die neue Einheit gewöhnen, denn die Zahl ist, absolut betrachtet, um ungefähr ein Vierfaches größer. Das ist an sich kein Problem, denn in unserem quasi rundum regulierten Europa werden Lebensmittel seit der Kennzeichnungspflicht mit beiden Angaben gekennzeichnet. Das ist, bezogen auf den, der sie akribisch zählt, reine Augenwischerei, aber seien wir doch ehrlich: Was ist in dem komplizierten Vorgang, der sich „Ernährung“ nennt, schon logisch für den, der es falsch macht?
Aber was ist falsch? Falsch ist in diesem wie in vielen anderen Fällen ein Zuviel. Um das rechte Maß zu finden, sollte man einfach auf seinen Körper hören, der eigentlich ganz von selbst stopp sagt, wenn er genug hat…sagen sollte, wäre da nicht die Lust und der Genuss und nicht der Gedanke an die Kalorie.

Kalorien

Kalorien ©iStockphoto/firebrandphotography

Es ist augenfällig, dass ganze Industriezweige vom Genuss leben. Illustrierte sonder Zahl präsentieren die exklusiven Angebote hochpreisigster Restaurants, stellen die exquisitesten Angebote der erlesensten Genüsse vor und bei der Erwähnung irrsinnig alter, irrsinnig teurer Weine mit unaussprechlichen französischen Namen verdrehen Rotweinfreaks verzückt die Augen. Wer dabei jeden bissen zählt, sei es nun aus Notwendigkeit wegen Übergewichts oder weil er seinen Körper schlank erhalten will, dem dreht sich quasi schon bei der Erwähnung all der hochkalorigen Genüsse der Magen um. Sowohl Alkohol als auch Gänsestoffleber, ein unter Tierschützern indiskutabler, unter Gourmets aber hochbeliebter Genuss, sind sehr nährstoffreich. Das sonst so begehrte Adjektiv „reich“ ist hier ausnahmsweise einmal negativ besetzt. Einem gängigen ironischen Verdikt zufolge ist eben all das, was Spaß macht, unmoralisch oder macht dick.

Hier soll aber ausdrücklich und als Ausnahme die unschuldige Trüffel erwähnt sein, sie ist nämlich überaus köstlich und hat sehr wenig Nährwert…aaaber der Preis dieses zu den Pilzen zählenden Genusses ist umgekehrt proportional zu ihrem Nährwert: 100 Gramm kosten einige tausend Euro. Als Diätprogramm also ungeeignet, es sei denn für den Geldbeutel, falls dieser zu dick wäre.

Andererseits springt einem bei dieser Thematik geradezu der krasseste Zynismus ins Auge: Während die einen sich zum Skelett hungern, um einem falsch verstanden und völlig übertriebenen Schönheitsideal zu genügen, der nimmersatte verwöhnte Gaumen Hunderte von Flugkilometern in Kauf nimmt, um das nächste Genussziel zu finden, wären wieder andere gottfroh, wenn sie nicht quälenden Hunger leiden müssten und ihren Kindern schlicht Nahrung geben könnten. Sie dürfte ruhig „reich“ an Nährstoffen sein, um ihnen eine gesunde und somit auch fröhliche Kindheit bieten zu können. Welche Diskrepanz, denn von diesen Ärmsten gibt es leider viel zu viele auf dieser schönsten und verrücktesten aller Welten!
Aber was helfen diese Erwägungen derjenigen, die sich im Bikini nicht wohlfühlt und dem, der sich mit der Speckrolle am Hosenbund nicht abfinden will? Beide tun gut daran, diesen Zustand der Unzufriedenheit mit sich selbst zu ändern. Es gibt viele Wege dorthin.

Gewicht wird nun einmal nur dann reduziert, wenn dem Körper beim Stoffwechsel weniger Energie zugeführt wird als er verbraucht.
Dabei ist natürlich Kalorie nicht gleich Kalorie. In der deutschen Lebensmittelnährwertdatenbank (was für ein übergewichtiges Wort!) findet der Interessierte alle Kalorienangaben, die er benötigt, sei es für frische Lebensmittel, für Zubereitungen oder Fertiggerichte.

Als nächster Schritt gilt es herauszufinden, wie viele Kalorien er braucht, um sich am Leben zu erhalten. Man nennt diesen Wert „Grundumsatz“. Er ist von verschiedenen Faktoren abhängig. Alter, Geschlecht und die Tätigkeit spielen eine entscheidende Rolle. Ein Hochleistungssportler beispielsweise benötigt das Doppelte des errechneten täglichen Durchschnittkalorienverbrauchs von etwa 2000 Kcal und als Schwerstarbeit gilt, wenn bei einer Tätigkeit in achtstündiger Arbeit mindestens 2.000 Kilokalorien (Männer) und mindestens 1.400 Kilokalorien (Frauen) verbraucht werden.

Beginnt man nun, sich mit dem Thema Abnehmen zu befassen, gibt es viele Möglichkeiten, zu dem ersehnten Ziel zu gelangen. Die erste und wirkungsvollste ist diejenige, die so einfach zu sein scheint: die Ernährung mittels Diät zu reduzieren. Logischerweise sollte man zeitgleich auch den Umsatz erhöhen, indem man durch sportliche Betätigung den Muskelaufbau fördert, denn mehr Muskelmasse bedeutet schnellere Verbrennung von Kalorien.

Der Lohn, der dem winkt, der breit ist, vorübergehend auf liebgewordene Gewohnheiten zu verzichten, ist zum einen eine höhere Lebenserwartung aufgrund seiner besseren Gesundheit, mehr Fitness und damit gesteigerte Lebensfreude durch mehr Energie und Selbstbewusstsein.
Was also darf man essen, um abzunehmen, was muss man wenigstens zu sich nehmen, um sich gesund zu erhalten? Es ist eine gewisse Gratwanderung, denn Übertreibung beim Abnehmen kommt immer wieder vor, sodass schon mancher in die lebensgefährliche Magersucht (Anorexia Nervosa) abgeglitten ist. Vor allem bei jungen Mädchen müssen verantwortungsvolle Eltern genau aufpassen und das rechte bzw. gesunde Maß anmahnen und sorgfältig kontrollieren. Bei dieser nur sehr schwer therapierbarem psychischen Störung geraten alle natürlichen Lebensäußerungen eines gesunden Körpers, speziell die eines normalen Hungergefühls, außer Funktion.

Amerikanische Versuchsreihen beweisen, dass eine eiweißreiche Ernährungsweise eher satt macht als die früher beachtete und empfohlene Staffelung von 30% Proteinen, 50% Kohlehydraten und 20% Fett. Neueste Studien berücksichtigen auch die Ernährungspsychologie, d.h., daß wie bei allen anderen Verhaltensmustern der Menschen auch bei der Ernährung die Psyche eine wichtige Rolle spielt. Noch umstritten ist die Frage, ob Low-Carb-Diäten, das heißt, Ernährung mit sehr geringem bzw. mit komplett fehlendem Kohlehydratanteil, gesundheitliche Risiken birgt.

Hauptbestandteile der Nahrung sind Kohlenhydrate, Fette und Eiweiße. Unzählige Getreidesorten, Kartoffeln, Hülsenfrüchte usw. werden zu den unterschiedlichsten Nahrungsmitteln verarbeitet und sind durchweg stärkehaltig und damit auch reich an Kalorien. Eier, Fisch, mageres Fleisch haben sehr wenig Kalorien, Gemüse und Obst sind nicht immer sehr kalorienarm, insbesondere letzteres wegen seines oft hohen Zuckeranteils, aber die bei beiden Nahrungsmitteln enthaltenen Ballaststoffe und andere wertvolle Inhaltsstoffe machen sie trotzdem zu wertvollen Begleitern auch bei kalorienreduzierter Kost.

Eine kohlenhydratarme Diät ist schon lange als ideale Therapie zur Gewichtsreduktion bekannt, da Ernährungswissenschaftler überzeugt sind, es sei die Stärke in kohlehydratreichen Lebensmitteln, die die ungeliebten Fettpölsterchen verursache. Es gibt eine ganze Reihe von Literatur, die zur Low-Carb-Ernährung anleiten. Um hier nur eine zu nennen: die Atkins-Diät basiert auf den in den 1970er Jahren veröffentlichten Publikationen des amerikanischen Arztes Robert Atkins. Basierend darauf beziehen ähnliche Low-Carb-Diäten auch den sogenannten Glykämischen Index mit ein, das ist das Maß zur Bestimmung der Wirkung kohlehydratartiger Lebensmittel auf den Blutzuckerspiegel.

Nach diesem Ausflug in verschiedene Geheimnisse der Ernährung nun zurück zur Kalorie:

Ist es doch der Teufel schlechthin, denkt man, wenn man hört, daß 30 bis 50 Prozent weniger davon zu sich zu nehmen nicht nur eine langsamere Alterung und bessere Gesundheit, sondern sogar eine höhere Lebenserwartung mit sich bringt. Bei einigen Tierorganismen, allerdings nicht beim Menschen selbst, konnte dieser Effekt definitiv nachgewiesen werden. Das Zusammenspiel verschiedener Faktoren ergibt erst den Gesamteffekt, insbesondere muss dabei eine ausreichende Versorgung mit Vitaminen, Mineral- und anderen Vitalstoffen gewährlistet sein.

Dabei ist ein wichtiger Faktor, bei welchem Lebensalter der Versuchstiere mit der kalorienreduzierten Kost begonnen wird. Geschieht das erst im letzten Lebensabschnitt, kehrt sich der Effekt um und die Lebenserwartung verkürzt sich wieder.

Der Nachweis der Lebensverlängerung bei Low-Carb-Ernährung ist für den Menschen zwar nicht erbracht, aber mit Fug und Recht kann behauptet werden, daß starkes Übergewicht (der medizinische Fachbegriff heißt: Adipositas) zu einer Verkürzung der Lebenszeit führt. Kalorienreduktion führt zu hormonellen und metabolischen (Stoffwechsel-) Effekten wie geringere Körpertemperatur und allgemein geringerem oxidativem Stress. Mit diesem Ausdruck bezeichnet man das Ungleichgewicht in den hochkomplizierten Reparatur- und Entgiftungsfunktionen einer Zelle. Überernährung überbeansprucht sie dergestalt, daß die für das zelluläre Gleichgewicht erforderlichen Funktionen ihre Aufgaben nicht erfüllen können, um hier einen hochkomplizierten chemischen Vorgang auf einfache Weise zu erklären.

Fest steht allerdings, daß eine konsequente Kalorienreduzierung sehr hilfreich ist bzw. vorbeugt vor Diabetes mellitus (Typ II), bei Bluthochdruck und Arteriosklerose. Diese sogenannten Zivilisationserkrankungen sind die Hauptursachen der Sterblichkeit sowie eines frühzeitigen Alterungsprozesses von Zellen und Organen beim Menschen.

Neueste Theorien besagen, daß sogar ein von Jugend auf „überfütterter“ Organismus durch Kalorienreduktion gewissermaßen „umprogrammiert“ werden kann und so die Chance auf ein Umdenken und eine Umkehr von einem falschen auf den richtigen Weg einer konsequenten Kalorienkontrolle auch in fortgeschrittenem Alter noch möglich, hilfreich und – sinnvoll ist.

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