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Was ist eigentlich Glucosamin?

Als medizinischer Laie möchte man sich nicht mit chemischen Formeln und Fachwissen herumschlagen. Wenn man sich für einen Stoff wie Glucosamin interessiert, möchte man dessen praktischen Nutzen oder dessen Aufgaben bei bestimmten Verwendungen kennen. Dass es sich dabei um eine Alltagsbezeichnung für „2-Amino-2-desoxy-α/β-D-glucopyranose“ handelt, ist für die meisten Menschen nicht von Interesse. Immerhin erkennt auch ein medizinischer Laie, dass in dem Begriff, den wir für diesen Stoff im Allgemeinen verwenden, der Begriff „Glucose“ enthalten ist. Dabei handelt es sich bekanntlich um Traubenzucker. Davon gibt es verschiedene Arten.

Und was hat das nun mit uns zu tun?

Glucosamin kommt von Natur aus in unserem Körper vor. Es handelt sich dabei um einen sogenannten „Aminozucker“. Wir finden ihn im Bindegewebe und in den Knorpeln. Außerdem liegt er in der Gelenkflüssigkeit vor. Die Präparate im Handel, die diesen Stoff enthalten, sollen logischerweise das Bindegewebe, die Knorpel und die Gelenkflüssigkeit positiv beeinflussen. Das macht beispielsweise Sinn, wenn man Kniegelenks-Arthrose hat. Man versucht dann, den angenommenen Mangel an diesem Stoff durch Glucosamin-Präparate auszugleichen. In Kombination mit Chondroitin, das im Organismus ebenfalls zu Glucosamin umgebaut wird, soll es gegen Knorpelschäden, Gelenkprobleme und Entzündungen wirken. So jedenfalls werden diese Produkte im Handel beworben. Glucosamin-Präparate sollen gegen Gelenkarthrose bzw. degenerative Gelenkerkrankungen, Funktionsstörungen und Schmerzen in Gelenken oder als Aufbaustoff bei Knorpelschäden helfen. Der Knorpelschutzeffekt konnte mittlerweile in Studien nachgewiesen werden. Auch die abschwellende Wirkung von Nahrungsergänzungspräparaten mit Glucosamin/Chondroitin wurde bestätigt. Die Linderung von degenerationsbedingten Gelenkschmerzen darf man aber anscheinend nicht bei jeder Art von Schmerz erwarten. Spürbare Wirkungen wurden nur bei mittelstarken bis starken Schmerzen festgestellt. Und auch hier blieben Zweifel, ob das mit der oralen Gabe solcher Präparate zu tun hatte oder nur gefühlt der Fall war. Andere Studien legten nämlich den Schluss nahe, dass solche Wirkungen nicht nachweisbar sind. Interessant ist jedoch, dass eine aktuelle klinische Untersuchung der Universität Sydney aus dem Jahre 2013 einen signifikanten Rückgang von Gelenkschmerzen beobachten konnte. Hier wurde ein Kombipräparat aus Glucosaminsulfat und Chondroitinsulfat verabreicht. Was nie offen gesagt wird, ist: Wer die jeweilige Studie in Auftrag gegeben hat. Insofern kann man auch nicht bewerten, welche Interessen dahinter stehen und mit welcher Fragestellungen und Zielsetzung eine Glucosamin-Studie durchgeführt wurde. Wie man weiß, sind die Auftraggeber oft Pharmariesen, deren Zielsetzung klar ihren eigenen Interessen dient. Unabhängige Studien sind rar, weil sie teuer sind.

Glucosamin

Glucosamin ©iStockphoto/monkeybusinessimages

Vom Naturstoff zum Nahrungsergänzungsmittel

Die Herstellung eines Glucosaminpräparats kann aus den Bestandteilen Fructose-6-phosphat und Glutamin gelingen. Man benutzt zur Herstellung heute den Grundstoff Chitin, der beispielsweise in den harten Schalen von Käfern oder in Fischereiabfällen von Krabben oder Garnelen vorliegt. Chitin ist Ihnen vielleicht bereits aus der Malaria-Therapie bekannt. Auch bestimmte Pilze enthalten Chitin. Daraus isoliert man nun das gewünschte Glucosamin. Das wird aber nicht durch die Pharmaindustrie vertrieben, sondern unterliegt als natürliches Nahrungsergänzungsmittel der Lebensmittelindustrie. Damit ist es frei verkäuflich. Die damit hergestellten Präparate sind generell gut verträglich. Gewarnt werden müssen aber diejenigen, die allergisch auf Krebs- und Schalentiere reagieren. Da die meisten Glucosaminpräparate aus diesen hergestellt werden, sollten sie vorsichtshalber gemieden werden. Die gewöhnlich verabreichte Dosierung von 1250 Milligramm täglich ist normalerweise unproblematisch. Nennenswerte Nebenwirkungen sind bisher nicht festgestellt worden. Ob man Glucosamin-Präparate an schwangere oder stillende Frauen, Kinder oder Jugendliche mit Gelenkproblemen verteilen sollte, ist bisher nicht untersucht worden. Vorsicht ist auch bei Patienten geboten, die Blutgerinnungshemmer einnehmen. Hier sind es vor allem die Cumarin-Antikoagulantien, die durch das eingenommene Glucosaminpräparat eine gesteigerte Wirkung erfahren können. Die Folge könnten Blutungen sein. Wie immer, wenn es um Nahrungsergänzung geht, gibt es starke Gegenstimmen gegen deren Verwendung. Im „Deutschen Ärzteblatt“ findet man beispielsweise Artikel, die die Wirkung solcher Präparate bestreiten. Damit kommen wir zu den positiven und negativen Studien zurück, die bereits erwähnt wurden. Wo immer es um Nahrungsergänzung geht, sind Interessengruppen und Lobbyisten daran interessiert, Einfluss auf unsere Meinung zu nehmen – im Positiven wie im Negativen. Nach Ansicht der Pharmaindustrie und der Schulmedizin schaden Glucosamin/Chondroitin-Präparate zwar nicht, nützen aber auch nichts.

Ein Blick über den Tellerrand

Während sich in Europa verschiedene Interessengruppen in die Haare bekommen, sobald es um Nahrungsergänzung jeglicher Art geht, wird in Amerika damit erfolgreich therapiert. Auch in klinischen Behandlungsplänen spielen Nahrungsergänzungen eine große Rolle. Man setzt sie zum Teil hoch dosiert bei schweren Erkrankungen ein und erzielt damit Heilerfolge. Hypoallergene Nahrungsergänzung wird in Labors hergestellt. Doch auf dem europäischen Markt erhält man viele davon nicht bzw. sie werden nur noch an Heilpraktiker und Ärzte abgegeben. Seit Langem gibt es in Europa Bestrebungen, jegliche Nahrungsergänzung als unwirksam oder schädlich aus dem Verkehr zu ziehen. Als Patient und mündiger Bürger ist man schockiert, weil das auch Vitamine, Diät- und Mineralpräparate betreffen würde. Interessant ist nun, dass die meisten Studien, die die Wirkung von Glucosaminpräparaten bestätigen, aus Kanada oder den USA kommen. Bei uns setzt man in den letzten Jahren auffallend viele neue Gelenkprothesen ein. Der Ansatz, die geschädigten Gelenke durch Nahrungsergänzung und Physiotherapie möglichst lange beweglich zu halten, ist anscheinend wenig lukrativ.

Unter anderem liegt es daran, dass hilfreiche Nahrungsergänzungsmittel wie Glucosaminpräparate nicht der Kontrolle der Pharma-Industrie unterliegen. Sie werden auch nicht von ihr hergestellt. Ergo ist das Interesse, sie als nützlich zu bewerten und als therapeutische Indikation zu empfehlen, marginal. Nicht nur die Arthrose-Patienten, sie sich gerne über natürliche Präparate helfen würden, werden zum Spielball einer Industrie. Statt die sogenannten „Chondro-Protektiva“ einzunehmen, wird man systematisch verunsichert. Das hat aber nicht so viele Effekte, wie die Industrie sich wünschen mag. Glucosaminpräparate sind überaus beliebt und scheinen also nicht nutzlos zu sein. Kein Patient wirft sein sauer verdientes Geld für wirkungslose Präparate zum Fenster hinaus.

Was hat Arthrose mit Übergewicht zu tun?

Jeder Mensch kann Knie- und Gelenkarthrose bekommen. Es handelt sich um Abnutzungserscheinungen, die normalerweise mit fortschreitendem Alter oder unter bestimmten Belastungen auftreten. Bei übergewichtigen Menschen sind die Gelenke besonders belastet. Die Frage danach, was zuerst da war – Übergewicht oder Verschleiß – ist schwer zu beantworten. Bei manchen Menschen führt frühzeitiger Verschleiß zu Bewegungsmangel und Gewichtszunahme. Bei anderen führt hohes Körpergewicht zu überdurchschnittlichem Gelenkverschleiß. Glucosaminpräparate sind so oder so einsetzbar, um frühzeitig einen Behandlungsansatz zu finden. Außerdem sollte man die überlasteten Gelenke durch Gewichtsreduktion entlasten. Gut ist bei Arthrose auch moderate Bewegung, etwa durch schonende Sportarten wie Walking, Wandern oder Schwimmen. Die Ernährungslage sollte so vielseitig, vitalstoffhaltig und gesund sein, dass man sicher sein kann: Das Glucosamin wird tatsächlich in den betroffenen Gelenken eingebaut. Bewegung unterstützt den Einbau von Mineral- und Vitalstoffen. Also unterstützt sie auch den Einbau von Glucosaminpräparaten. Wichtig ist auch, genug Trinkwasser zu sich zu nehmen. Denn damit transportiert der Organismus alle Stoffe dahin, wo sie gebraucht werden.

Viele Menschen trinken zwar ausreichende Mengen Kaffee, Tee, Cola oder Bier – aber sie trinken viel zu wenig reines Wasser. Das aber benötigt unser Organismus am dringendsten. Alles, was im Körper passiert, steht in größeren Zusammenhängen. Wir können also immer mehr tun als nur ein Nahrungsergänzungspräparat zu uns zu nehmen. Glucosamin sollte uns auch daran erinnern, uns mehr zu bewegen, gesünder zu essen und mehr Trinkwasser zu uns zu nehmen. Als Ergebnis werden wir sehr wahrscheinlich eine signifikante Verbesserung an den betroffenen Gelenken erleben. Letzten Endes geht es allen Betroffenen genau darum – unabhängig von allem, was irgendwelche Studien, Ärztezeitungen oder EU-Lobbyisten uns glauben lassen wollen. Wer heilt, hat noch immer recht.