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Versteckte Fette in Lebensmitteln

Die meisten Menschen nehmen nicht nur an Gewicht zu, weil sie zu viel essen. Wir essen vielmehr oft das Falsche, nämlich hochkalorische Nahrung. Zugleich pflegen wir zunehmend chronische Bewegungsarmut und verbrauchen die aufgenommenen Kalorien nicht wieder. Die Nahrungsmittelindustrie verhilft uns mit angeblich „veredelten“ Nahrungsmitteln dazu, täglich viel zu viel Salz, Zucker und Fett aufzunehmen. Damit wir nicht merken, was mit uns geschieht, irritiert man uns mit aufgesplitteten, winzig klein gedruckten oder lateinischen Inhaltsangaben. Auch die Werbeindustrie arbeitet kräftig mit, damit wir bestimmte Produkte kaufen. Grundsätzlich hilfreich ist es, zwei Arten von Nahrungsmitteln zu unterscheiden:

Auf der einen Seite stehen die unverfälschten Lebensmittel, die durch landwirtschaftliche Anbau- und Zuchtmaßnahmen und geringe Verarbeitung hergestellt werden. Sie sichern durch ihren Vitalstoffgehalt und ihren natürlichen Fettgehalt unser Überleben. Hier sind die Ballaststoffe, Mineralstoffe, Geschmacksstoffe und Vitamine natürlicherweise enthalten. Der Organismus ist darauf geeicht, diese in gebundener Form aufzunehmen und zu verarbeiten. Als Zweites sind die Nahrungsmittel zu nennen. Sie können ziemlich gut schmecken, aber inhaltlich vollkommen wertlos sein. Solche Nahrungsmittel sind erkennbar an

– starker industrieller Verarbeitung
– allerlei Füllstoffen wie Bindemitteln und Emulgatoren
– Geschmacksverstärkern
– zugesetzten Farbstoffen
– versteckten Fetten
– mehreren getrennt deklarierten Zuckerarten
– Konservierungsmitteln
– oder synthetischen Aromen.

Wir begegnen solchen Nahrungsmittel als Sättigungsbeilage, Müsli, Fertiggericht, Fast Food, Imbissgericht, Kuchen oder Süßigkeit.

Gute Fette, schlechte Fette

In natürlichen Lebensmittel sind selbstverständlich auch gelegentlich Fette enthalten. Sie präsentieren sich naturgemäß nicht auf einem Hinweisschild, sondern verstecken sich inmitten der natürlich im Lebensmittel vorkommenden Vitamine, Geschmacks- und Ballaststoffe. Eine Avocado oder Nüsse enthalten zum Beispiel viel Fett. Die fettreichste Nuss ist die Macadamianuss. Es ist aber eine natürliche Fettart, die der Körper gut verwerten kann. Also ein gutes Fett. Diese Lebensmittel sind zwar sehr energiereich und man sollte sie deswegen nicht in Überdosis verzehren. Sie schaden den Organismus jedoch nicht. Ein Reformhaus-Nussmus als Brotaufstrich ist also gesund, wenn auch von Natur aus fetthaltig. Nun werden aber im Supermarkt auch Nussmuse verkauft, denen Zucker oder Honig beigefügt werden. Diese Nussmuse sind alles andere als gesund – allerdings nicht wegen ihres hohen Fettgehalts, sondern wegen des Zuckergehalts, der im Körper zu Fettzellen verwandelt wird. Von versteckten Fetten sprechen wir meistens dann, wenn es um gehärtete Industriefette in industriell verarbeiteten Nahrungsmitteln geht. Dieser Fettgehalt ist meistens hoch, denn Fette gelten als Geschmacksträger. Von Zucker sagt man Ähnliches. Wo Fette und Zuckerarten absichtsvoll verdeckt werden, kann man von hochgradigen Kalorienbomben ausgehen. Warum die Industrie trotz einer Pflicht zur Volldeklaration Zucker und Fettarten aufsplitten und so ihren wahren Gehalt verdecken darf, müsste uns der Gesetzgeber eigentlich genauer erklären. Doch dieser ist heutzutage nichts weiter als ein Handlanger der Industrie-Interessen und eine beliebte Zielperson von Lobbyisten, die ihn manipulieren. In der Folge werden wir ebenfalls manipuliert. Erst gaukelt man uns vor, versteckte Fette seien für unsere Figurprobleme verantwortlich. Dann sind es plötzlich die Kohlenhydrate. In Wahrheit sind es beide.

Fett in Lebensmitteln

Fett in Lebensmitteln ©iStockphoto/targovcom

Die Fettfalle lauert überall

Butter ist ein natürliches Fett, Margarine ein Kunstprodukt. Dass beide Fette darstellen, die man besser nur in geringen Dosen zu sich nehmen sollte, ist jedem klar. Wie viel Fett aber in einem Fertigkuchen, in Keksen, einer Tafel Schokolade, Paprika-Chips oder einem Käsecroissant enthalten sind, wird oft verschleiert. Das Croissant hat auch ohne Käse schon 20 Kalorien. In Speiseeis sind neben Unmengen Zucker auch Fette enthalten – aber wer redet schon davon, wenn es heiß ist? Wer vorzugsweise verarbeitete und industriell hergestellte Nahrungsmittel verzehrt und gesunde Lebensmittel links liegen lässt, tappt unweigerlich in die Fettfalle. Im Supermarkt müsste man eigentlich täglich die Zutatenlisten studieren, um den Fettgehalt eines Nahrungsmittels festzustellen. Oft werden die Zutatenlisten aber so klein gedruckt, dass man eine starke Lupe benötigen würde, um sie zu entziffern. Als unterlässt man es. Die Grundregel lautet: Je weiter vorne in der Zutatenliste eine Zutat steht, desto höher ist ihr Anteil am Gesamtprodukt. Daher splitten die Hersteller besonders gerne Zuckerarten und Fette auf. Versteckte Fette sind nicht nur unsichtbar, sondern werden auch absichtsvoll unsichtbar gemacht. Den Fettrand am Kochschinken kann man sehen und entfernen. Den Fettgehalt einer Salamischeibe ahnt man nur. Versteckte Fette können in

– Wursterzeugnissen
– Käse und Fertigprodukten mit Käse
– Milcherzeugnissen
– Kuchen, Kleingebäck und salzigen Snacks
– Süßigkeiten
– Fertiggerichten
– oder panierten und frittierten Gerichten

enthalten sein. Auch ein Hinweis auf ein „kalorienarmes“ Produkt muss nicht notwendigerweise einen geringen Fettgehalt bedeuten. Fettarme Gummibärchen bestehen trotzdem weitgehend aus ungesundem Zucker und synthetischen Aromen.

Heimliche Dickmacher aus der Fettfraktion

Bei Schokolade verzehrt man jede Menge Zucker. Man ist sich dessen aufgrund des verführerisch süßen Geschmacks auch bewusst. Der Fettgehalt einer laktosefreien Tafel Schokolade ist aber mit 36 von 100 Gramm ebenfalls beachtlich! Zudem werden die Fettarten auch hier aufgesplittet, um zur Verbrauchertäuschung beizutragen. Gelistet werden nacheinander Kakaobutter, pflanzliches Fett (gehärtet), Butterreinfett und pflanzliches Öl. Kein Wunder, dass das süße Produkt nach mehr schmeckt. Nun ist Schokolade aber als Dickmacher bekannt. Viel undurchsichtiger ist der Fettgehalt bei einem Stück Kuchen vom Bäcker, bei einer Laugenbrezel auf dem Jahrmarkt, einer deftigen Leberwurstschnitte oder einer Pizza vom Italiener. Hier gibt es nämlich keine Inhaltsdeklaration. Gefüttert werden wir hier vorwiegend mit ungesättigten Fettsäuren. Diese verhalten sich im Organismus ungünstig. Gesättigte und mehrfach gesättigte Fettsäuren sind zu bevorzugen. Diese sind vorzugsweise in kalt gepressten Speiseölen enthalten. Sie sind empfindlicher, werden schneller ranzig und sind nicht immer koch- und bratfest. Daher wählt die Industrie gerne minderwertige Speiseöle und gehärtete Fette, die für die industrielle Verarbeitung günstigere Eigenschaften haben. Wie viel Fett sie einem verarbeiteten Lebensmittel unterjubeln, zeigt unsere Waage nach dem Verzehr von Nahrungsmitteln mit versteckten Fetten an. Die Nahrungsmittelindustrie hat es geschafft, unsere Geschmacksnerven auf Zucker und Fetthaltiges zu eichen, damit wir nur solche Dinge zu uns nehmen. Folglich liegt die Obst- und Gemüseabteilung immer am Eingang des Supermarktes. Sie macht maximal 10 Prozent des gesamten Warenbestandes aus. Die Zahl der Kühltruhen, Fleisch- und Bäckerei-Tresen, der Süßigkeiten, Milchprodukte, Zuckergetränke und Fertiggerichte übertrifft den Frischebestand um ein Vielfaches. Die Kalorienmenge leider auch.

Warum versteckt man die Fette?

Die in natürlichen und weitgehend unverarbeiteten Lebensmittel versteckten Fette finden sich in Avocados und Nüssen, aber auch in fetthaltigen Getreidesorten wie Hafer. Haferflocken sind von Natur aus fetthaltig. Dieses Fett ist gesund. Haferkekse und Haferkuchen schwimmen förmlich in Fett. Sie sind zudem mit einer Zuckerladung befrachtet, die den Zahnärzten viel zusätzliche Arbeit verschafft. An diesem einfachen Beispiel sehen Sie, wie die zunehmende Verarbeitung den Fettgehalt eines natürlichen Lebensmittels steigern kann. Es wird durch die Verarbeitung oftmals zum wertlosen Nahrungsmittel. Versteckte Fette dienen aber nicht nur der Geschmacksanreicherung, sondern vereinfachen häufig auch die Verarbeitung. Die meisten versteckten Fette sind daher eher in industriell verarbeiteten Nahrungsmitten zu finden. Sie erinnern sich: Lebensmittel sind aufgrund ihres Vitalstoffgehalts unverzichtbare und natürlich vorkommende Nahrung. Davon unterscheiden wir die stark verarbeiteten Nahrungsmittel. Sie bestehen typischerweise aus diversen Komponenten. Frisch gemahlener Hafer ist demnach ein Lebensmittel mit natürlichem Fettgehalt. Haferkekse stellen ein industriell hergestelltes Produkt mit hohem und ungesundem Fettgehalt dar. Das zugesetzte Fett verhilft den Herstellern dazu, den bröseligen Hafer zusammen mit viel Zucker zu Keksen zu formen. Ohne den hohen Zucker- und Fettgehalt würden die Haferkekse allzu bröselig werden. Dröge Kekse würde aber niemand essen. Der hohe Fettgehalt unserer modernen Nahrung sorgt für den leckeren Geschmack. Weil das so ist, essen wir zunehmend stark verarbeitete Produkte statt der wertvollen Lebensmittel aus der Obst- und Gemüseabteilung. Die Fette werden versteckt, damit wir ungeniert weiter schlemmen.

Fazit

Man fragt sich als Ernährungsexperte unweigerlich, ob die jungen Menschen in 50 Jahren noch Kohlrabi oder Möhreneintopf kochen oder sich nur noch von Cola, Pizza, Hamburgerbrötchen und Döner ernähren. Für die Food-Designer geht es darum, durch ein optimales „Mouth Feeling“, prägnante Aromen, viel Zucker und einen idealen Geschmacksträger wie Fett mehr Geld aus den Naturprodukten zu schinden, als es beim Verkauf der natürlichen Grundstoffe möglich wäre. Da kommt es der Nahrungsmittelindustrie doch gerade recht, dass die Herstellung und der Vertrieb von Nahrungsergänzung und Diätpülverchen ebenfalls dieser Industrie obliegen. Kurz gesagt: Erst machen sie uns durch zu viel Fett und Zucker dick und entziehen uns durch starke industrielle Verarbeitung alle wichtigen Nährstoffe. Dann verkaufen sie uns vitaminhaltige Nahrungsergänzung, gezuckerte Power-Smoothies auf Fruchtbasis und eiweißhaltige Diät-Shakes, um das Gegenteil der drohenden Adipositas zu erzeugen. Das Manöver ist aber nur möglich, weil wir es mitmachen. Das Thema „Versteckte Fette in Lebensmitteln“ bietet eine Menge Diskussionsstoff und legt Zusammenhänge offen, die wir öfter hinterfragen sollten.


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