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Problemzonentraining

Vom Mythos der Bauch-Beine-Po-Kurse

Wer abnehmen will, hat meist ein Traumbild des eigenen Körpers vor Augen. Doch die Realität im Spiegel sieht ganz anders aus: Problemzonen, wohin man schaut. Bei den Damen gibt es sie gleich dreifach: Bauch, Beine und Po. Da hilft weder wenden noch drehen vor dem Spiegel: Die Reiterhose lässt sich nicht weg blinzeln, die Bauchwölbung verschwindet auch nicht mit Einziehen und Atem anhalten. Männer schauen oft in der Frontalansicht genauer auf ihre – zugegeben meist einzige Problemzone: den Bierbauch. Doch auch ein paar Muskeln mehr in Oberarmen und Oberbeinen könnten schon sein, oder? Also stürmen viele in die Fitnessstudios. Der Kurs „Bauch Beine Po“ platzt aus alle Nähten und ist also genau das Richtige. Der knackige Trainer zeigt, wie wirksam die Quälerei ist. Auch die schlanken und fitten Damen im Trainingsvideo lassen den einen oder anderen noch einmal zehn schmerzende Sit-Ups mehr machen. Problemzonentraining sei das Zauberwort.

Doch nun kommt die tragische Nachricht: All diese Bemühungen sind umsonst! Der Mythos, man könne gezielt mit speziellen Übungen lokal Fett verbrennen, hält sich immer noch hartnäckig. Aber die Verlockungen der Fitnessstudios und -kurse halten nicht, was sie versprechen. Lokale Fettverbrennung gibt es nicht – Problemzonentraining bringt in den meisten Fällen weder Waschbrettbauch noch den straffen, knackigen Po, wie ihn die Nachbarin hat.

Die schlechte Nachricht: Nicht Training, sondern Gene entscheiden, wo das Fett schmilzt!

Bauch, Beine, Po – das ist eine reine Werbestrategie. Weder die Übungen noch die Härte des Trainings entscheidet, wo unsere Fettpolster schmelzen. Das machen allein die Gene. Weder kalorienarme Ernährung, noch gezieltes Training lässt uns ausgerechnet einen tollen Bauch, schlanke Beine oder den straffen Po bekommen.

Problemzonentraining

Problemzonentraining ©iStockphoto/dashek

Wie unser Körper proportioniert ist, ist erblich festgelegt. Der Körper fungiert noch im Neandertaler-Modus: Er speichert die Fettreserven für schlechte Zeiten, um sich vor Hungersnöten zu schützen. Und was einmal angesetzt ist, lässt er nicht so schnell wieder los. Die Speicherung erfolgt zum Leidwesen des heute gültigen Schönheitsideals allerdings nicht gleichmäßig verteilt. Der Körper hat Favoriten – meist sind es gerade die Problemzonen, die der Körper gern mit den Pölsterchen auffüllt. Frauen neigen dazu, Fett an Bauch, in den Beinen und rund um die Hüfte anzusetzen, bei Männern ist der Lieblingsablagerungsplatz der Bauch. Und damit ist das Dilemma perfekt – die Problemzonen sind geboren.

Die Betreiber der Fitnessstudios machen sich das nun zunutze und locken mit dem speziellen Problemzonentraining. Je nach Verzweiflungsgrad folgen die Waschbrettbauchjünger in Scharen und schinden sich stundenlang bis zur völligen Erschöpfung. Erst nach einiger Zeit wird dann sichtbar, dass der erhoffte Erfolg meist ausbleibt. Oft waren die Erwartungen völlig überzogen: Der Waschbrettbauch zeigt sich nicht nach drei Wochen. Zwar ist der Bereich um den Nabel vielleicht ein wenig flacher, aber längst nicht so flach, wie er sein sollte. Eine hartnäckige Fettschicht hält sich, die Muskeln sind kaum zu sehen. Dafür wirkt das Gesicht nun hager und dünn, das Dekolleté ist knochig. Das Training hat zwar dazu beigetragen, ein wenig schlanker zu werden und Fett zu verlieren – aber eben an ganz anderen Stellen und nicht an den so unbeliebten Problemzonen. Um diese Fettpolster kämpft der Körper hartnäckig. Eine lokale Fettverbrennung ist einfach unmöglich, wie Wissenschaftler mehrfach bewiesen haben. Das Einzige, was wirklich gezielt verloren werden kann ist der Spaß. Wo das erhoffte Ergebnis ausbleibt, geht die Motivation verloren. Wenn durch die Schinderei keine Traumfigur zu bekommen ist, dann kann man doch gleich wieder auf der Couch faulenzen. Nein: denn Sport und Muskeltraining ist nicht ganz umsonst!

Die gute Nachricht: Muskelaufbau verbessert die Energiebalance

Die gezielten Übungen von speziellen Muskelgruppen ist nicht ganz umsonst. Es fördert in erster Linie den Muskelaufbau. Je mehr Muskeln der Körper hat, desto mehr Energie verbrennt er – sogar im Schlaf. Auch fördern die Übungen die Straffheit des Gewebes: Ein schlankerer oder meist athletischer Anblick ist das Ergebnis, das sich dann doch sehen lassen kann. Wer sich also vom Traumbild eines Körpers verabschiedet, das nie zu erreichen ist, kann sich mit realistischen Zielen Erfolgserlebnisse schenken: festeres Gewebe, straffere Proportionen und mehr Muskeln. Ein verbessertes körperliches Wohlbefinden, mehr Fitness und Ausdauer sind weitere positive Nebenerscheinungen. Neueste Studien des Berliner Wissenschaftlers Prof. Markus Schülke-Gerstenfeld haben gezeigt, dass der Aufbau von Muskeln das Fett darüber zumindest verdünnen kann. Schuld daran sei das Hormon „Interleukin-15“, das durch Muskelbildung ausgeschüttet wird, Fettsäure rekrutiert und somit das Fett abbaut – lokal, also in der unmittelbaren Umgebung. Wie das jedoch genau funktioniert, muss noch weiter erforscht werden. Die Studien sind kein Beweis für eine lokale Fettverbrennung, aber dennoch zeigen sie eindeutig, dass längst noch nicht alles über unseren Körper bekannt ist.

Das Training von speziellen Muskeln muss also nicht vollständig ad acta gelegt werden. Experten raten jedoch, nicht nur die Bauchmuskeln zu schinden – das kann die Rückenmuskeln wiederum schaden. Wer sind dauerhaft nur einem Muskelbereich widmet, kann viel Schlechtes anrichten. Ein muskuläres Ungleichgewicht droht, auf Dauer können sogar gravierende Haltungsschäden auftreten. Viel mehr kommt es auf Ausgewogenheit an.

Muskelaufbau und Fettverbrennung: Die Mischung ist das Erfolgsrezept

Reine Muskeltraining bringt also nichts – Problemzonentraining ist ein Mythos. Spezialisten raten, das Sportprogramm aus Krafttraining und Ausdauersport zu kombinieren. So kann der Körper Muskeln aufbauen, was den Energieumsatz steigert. Die Schinderei bei Joggen, Fahrradfahren und Co hilft bei der Fettreduktion. Eine kalorienarme Kost rundet das Konzept vollständig ab. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung empfiehlt zum Abnehmen ein Energiedefizit von etwa 500 Kalorien am Tag. Männer haben einen Grundumsatz von 2000 bis 2500, Frauen von 1600 bis 2000 Kalorien. Durch Sport sollten weitere 2500 bis 3000 Kalorien pro Woche verbraucht werden. Das können vier bis acht Stunden Ausdauertraining (je nach Fortgeschrittenengrad) oder sechs Stunden Krafttraining, aber optimal eine Mischung aus beidem sein: zwei Stunden Krafttraining sowie 3 bis 6 Stunden Ausdauertraining! Wichtig ist auch, dass das Krafttraining sich nicht nur mit speziellen Bereichen beschäftigt. Vergessen Sie die Arme und den Rücken nicht! Nur wenn der gesamte Körper einbezogen wird, bleibt er gesund und sieht letztendlich toll aus. Ein neues Selbstbewusstsein und ein Lächeln auf der Seele inklusive.

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