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Fröhlich mit Lachyoga – Das sollten Sie wissen

Fröhlich mit Lachyoga

Warum ist es eigentlich so, dass wir einem Kind stundenlang beim Spielen zuschauen können? Natürlich sind es vor allem das niedliche Gesicht und die kleinen Patschehändchen, die man einfach gerne betrachtet. Aber besonders faszinierend ist darüber hinaus die Eigenschaft von Kindern, immer wieder in ungehemmtes Lachen auszubrechen – vor allem dann, wenn wir als Erwachsene gar keinen Grund für das heitere Gelächter ausmachen können.

„Einfach wieder Kind sein“ ist der Gedanke, der uns dann durch den Kopf schießt, wenn wir so ein vergnügtes Energiebündel betrachten und uns gerne von dieser scheinbar grundlos guten Laune und der sichtlichen Unbeschwertheit anstecken lassen möchten. Kein Schmerzen und keine Schlaflosigkeit, kein Grübeln am Tag und kein Gedankenkarussell in der Nacht. Oft wird gesagt, dass ein Kind deshalb viel zu lachen hat, weil es weder körperliche Beschwerden noch seelische Probleme hat. Der theoretische Ansatz, auf dem das immer populärer werdende Lachyoga aufbaut, erklärt den Zusammenhang zwischen Ursache und Wirkung jedoch genau andersherum: Wenn die Menschen – egal, ob Kinder oder Erwachsene – häufig und herzlich lachen können, beeinflussen sie auf diesem natürlichen Weg ganzheitlich ihr Wohlbefinden rund um Körper, Geist und Seele.

Lachyoga ist somit ein ganz einfaches und überall praktikables Mittel, unangenehmen Verspannungen, kreisenden Gedanken und schlechter Laune zu begegnen. Als Prophylaxe, als Therapie – und einfach zwischendurch, wenn es einem danach ist. Der folgende Überblick zeigt alles Wissenswerte über wohl eine der sympathischste Formen des Yoga auf, die man je erfunden hat.

Lachyoga – was ist das eigentlich genau?

Hinter Lachyoga – manchmal auch unter dem Begriff des Yogalachens zu finden – versteckt sich der Yogastil des Hasya Yoga. „Hasya“ ist ein Wort aus dem Sanskrit, das übersetzt „Lachen“ bedeutet. Gemeint ist in diesem Zusammenhang jedoch nicht das Lachen, in das wir nach einem Witz, beim Anschauen einer Filmkomödie oder als Zeuge eines lustigen Zwischenfalls ausbrechen. Es geht vielmehr um die Fähigkeit, auch ohne Grund ein Lachen erzeugen zu können, das die natürlichen Selbstheilungskräfte in uns in Gang setzen kann.

„Was hat Lachen aber denn mit Yoga zu tun?“ – lautet die Frage, die rund um den Begriff Lachyoga besonders häufig gestellt wird. Der Zusammenhang ist einfach: Um ein herzhaftes Lachen entstehen zu lassen, werden hier keine Witze gerissen. Bei dieser Yogaform geht es darum, über die Motorik, also über bestimmte Bewegungen, die man in einem Lachyoga-Kurs erlernen kann, zum Lachen zu gelangen. Auch die Interaktion mit anderen Menschen, zum Beispiel über den Augenkontakt oder durch spielerische Elemente, kann das befreiende Lachen auslösen.

Woher kommt das Yogalachen?

Die Verbindung von Yogatechniken mit gezielten Übungen für ein beschwingtes Lachen wurde Mitte der 90er Jahre von Madan Kataria erfunden. Der aus dem indischen Mumbai stammende Yogalehrer und Arzt entwickelte die heilsame Kombination auf der Grundlage eines ebenso einfachen wie einprägsamen Mottos: „Wir lachen nicht, weil wir glücklich sind. Wir sind glücklich, weil wir lachen!“, lautet die Devise, mit der Kataria zusammen mit seiner Frau Madhuri im heimischen Indien sogar einen eigenen Lachclub aus der Taufe hob. Was damals wohl eher als ungewöhnliches Experiment eines Querdenkers anmutete, sollte rasch Schule machen – und zwar rund um den Erdball: 2010, also nur 15 Jahre nach der Gründung des ersten Lachclubs, wurde schon in über 6000 auf der ganzen Welt verteilten Clubs gelacht.

Selbst einen Weltlachtag haben die gemeinsam lachenden Yogis bereits erreicht. Seit 1998 ist es jedes Jahr am ersten Sonntag im Mai wieder soweit: Die Lachyogis treffen sich rund um den Erdball in verschiedenen Städten. Beim kollektiven Gelächter am Weltlachtag geht es jedoch nicht so sehr um das eigene Wohlbefinden. Vielmehr wollen die Anhänger des liebenswerten Yogastils mit einer Art Lachgebet gemeinsam für Frieden in dieser Welt bitten.

An allen anderen 364 Tagen im Jahr wird entweder zu Hause oder eben in einem der vielen Clubs für die Gleichgesinnten gelacht. Auch öffentliche und private Einrichtungen von der Volkshochschule bis zum Kindergarten bieten Raum und Zeit, die wohltuenden Wirkungen des Lachyoga spüren zu können.

Lachyoga

Lachyoga ©iStockphoto/g_studio

Lachen ohne Grund – wie kann das funktionieren?

Der Begriff Lachyoga löst bei vielen Menschen ein ungläubiges Staunen aus. Ohne einen lustigen Aufhänger wie einen Witz, einen Comic oder einen Filmausschnitt ins Lachen geraten? Wie soll das gehen? Und was soll das bringen, wenn das Lachen doch im Grunde genommen gar kein echtes ist? – Lauter Fragen, bei denen Yogalehrer und im Lachyoga erfahrene Anhänger regelmäßig ins Schmunzeln geraten, weil sie immer wieder mit diesen Bedenken konfrontiert werden.

Tatsächlich ist es so, dass das erste Lachen, das mithilfe der motorischen Übungen entfacht wird, durchaus meist künstlicher Natur ist und erst allmählich in das charakteristische, von Herzen kommende Lachen mündet. Das macht jedoch überhaupt nichts, wie die Lachyoga-Experten versichern. Denn körperlich löst ein Lachen – sei es nun gekünstelt oder echt – zunächst einmal die gleichen Reaktionen aus. Durch die Bewegung des Zwerchfells beim Lachen wird eine Vielzahl von Stoffwechselprozessen und Funktionen im Körper tüchtig angekurbelt und selbst den Glückshormonen scheint es weitgehend egal zu sein, ob sie durch ein echtes oder unechtes Lachen in den Körper geflutet werden.

Das wahre, ausgelassene, glückliche Lachen wird sich beim regelmäßigen Lachyoga ohnehin nicht aufhalten lassen, wissen die, die die Yogaform schon länger praktizieren. Und so ist der Wahlspruch der Lachyogis wirklich passend gewählt. „Fake it, until you make it“, geben sie den Anfängern mit auf den Weg: Imitiere es (das Lachen), bis du es machst (das echte Lachen).

Was passiert in einer Lachyoga-Stunde?

Je nach Zusammensetzung und Vorerfahrungen der Gruppe sowie dem persönliches Stil des Yogalehrers gibt es eine Vielzahl von Übungen, die Anfänger oder Fortgeschrittene auf dem Weg zu einem entspannenden Lachen führen. Typische Inhalte sind unterschiedliche motorische Elemente: Klassische Yogaübungen, sanfte Dehnung, effektive Atemtechniken und rhythmisches Klatschen sind charakteristische Beispiele für das Lachyoga.

Wichtig ist die Gruppendynamik: Pantomimische Darstellungen, spielerische Übungen und ein bewusster Augenkontakt mit den anderen Lachyogis können das eigene Lacherlebnis starten und intensiver machen. Nur in der Gemeinschaft erlebt man schließlich, dass Lachen – selbst wenn es ohne jeden Grund erzeugt wurde – ansteckend wirkt und über einen gruppendynamischen Prozess für anhaltend gute Laune sorgen kann.

Wer zu ersten Mal zum Lachyoga geht, braucht aber keinesfalls Angst haben, eine ganze Stunde lachen zu müssen oder am Ende gar zu versagen, weil er es nicht auf Anhieb schafft, zusammen mit fremden Menschen in ein herzhaftes Gelächter einzustimmen. In der Vermittlung von Lachyoga erfahrene Lehrer oder Trainer schaffen ganz gezielt eine entspannte Atmosphäre und wählen individuelle Übungen aus, die die beim Anfänger normale Verkrampftheit Schritt für Schritt lösen. Denn darum geht es beim Lachyoga: die Verspieltheit, die Kindern angeboren ist, für sich zu entdecken und zu reaktivieren. Kreisende Gedanken, der Wunsch nach Kontrolle und die Tendenz, sich selbst ständig bewerten und mit anderen messen zu wollen, weichen im Lachyoga einer befreienden Unbekümmertheit, die allein schon glücklicher machen kann.

Typisch für die Lachyoga-Stunde ist – ähnlich vielen anderen Yogastilen auch – ein Wechsel zwischen aktiven und passiven, aktivierenden und entspannenden Phasen. Es geht nicht nur um die Vermittlung der Übungen aus dem Lachyoga, sondern auch um das Spüren der Wirkungen, die diese auf Körper, Geist und Seele haben.

Welche Wirkungen des Lachyoga werde ich spüren?

Natürlich hängt die Beantwortung dieser Frage eng mit den individuellen Beschwerden oder Bedürfnissen zusammen, die einen Menschen zum Lachyoga führen. Grundsätzlich werden jedoch ganzheitlich sowohl der Körper als auch die Psyche angesprochen.

Im physischen Bereich werden die Funktionen rund um Herz-Kreislauf-System und Atmung verbessert sowie eine Vielzahl von Stoffwechselprozessen in Schwung gebracht. Das Stütz- und Bewegungssystem des Körpers mit seinen Muskeln, Bändern und Sehnen wird mobilisiert, gekräftigt und gedehnt. Über die Massage der Bauchorgane profitiert auch die Verdauung. Selbst körpereigene schmerzstillende Substanzen können ausgeschüttet werden.

Über die kreative Übungsvielfalt und die verbesserte Versorgung des Gehirns mit Sauerstoff können auch Fähigkeiten wie Denkvermögen, Konzentrations- und Wahrnehmungsfähigkeit gesteigert werden. Lachyoga lässt zudem den Spiegel an Glückshormonen ansteigen und verbessert – vor allem bei regelmäßigem Training – das Wohlbefinden auf nachhaltige Weise. Am meisten profitieren wohl diejenigen, die die Unbekümmertheit von Lachyoga in das alltägliche Leben integrieren und sich auch in stressigen Zeiten ab und zu ihre Portion kindliche Ausgelassenheit gönnen.

Um mit Lachyoga beginnen zu können, braucht es keine besonderen Voraussetzungen. Einschränkungen bieten bestimmte Krankheitsbilder im Bereich von Herz, Kreislauf und Gefäßen, Verletzungen oder Schädigungen im Bereich von Zwerchfell, Wirbelsäule und Rippen sowie Inkontinenz. Schwere psychische Erkrankungen können ebenfalls eine Kontraindikation sein, die durch einen vorherigen Arztbesuch abgeklärt werden sollte. Bei akuten Erkrankungen wie einer Grippe empfiehlt sich eine Pause vom Lachyoga, bis man wieder fit ist.

Wo kann ich Lachyoga lernen und üben?

Die Bewegung des Lachyoga hat sich – nicht zuletzt wegen der spürbaren Wirkungen auf das eigene Wohlbefinden – in vielen Ländern rasant verbreitet. Lachclubs und sogar spezielle Schulen mit gut qualifizierten und erfahrenen Lehrern sind wie Pilze aus dem Boden gesprossen. Je nachdem, wie viel Zeit man investieren möchte, kann man einen kompletten Kurs oder ein kompaktes Seminar belegen – um die heilkräftigen Effekte des Lachens anschließend durch regelmäßiges Trainieren mit anderen oder auch alleine zu Hause zu intensivieren.

Als leicht zu erlernende Yogaform, die weder spezielle Voraussetzungen noch Hilfsmittel benötigt, hat das Lachyoga auch in zahlreiche öffentliche und private Einrichtungen Einzug gehalten. Vom Kindergarten über die Volkshochschule bis zur Universität erklingt das yogische Lachen in unterschiedlichsten Betreuungs- und Bildungseinrichtungen. Auch Unternehmen setzen Lachyoga zur Steigerung der Zufriedenheit ihrer Mitarbeiter ein. In vielen Yoga- oder Fitness-Studios ist der befreiende Yogastil ein willkommener Ausgleich zu leistungsorientierten Sportarten oder der Hektik des Alltags. Auch Einrichtungen für Senioren sowie Selbsthilfegruppen, Krankenkassen und Kliniken nehmen das wohltuende Lachyoga zunehmend in ihren Veranstaltungskalender auf.

Gut zu wissen: Das Belegen eines Kurses lohnt sich auch für alle, die lieber zu Hause ihr tägliches Pensum Lachyoga absolvieren möchten. Denn erst dann, wenn man die Techniken und Übungen von einem qualifizierten Yogalehrer oder Trainer gelernt hat und eventuelle Fehler korrigiert wurden, können sich die heilsamen Kräfte des Lachyoga auch uneingeschränkt entfalten.

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