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Fit durch Wii und Co?

Fitness durch Bewegung

Der Begriff der Fitness wird üblicher Weise mit Gesundheit, Sportlichkeit, Leistungsfähigkeit und einem damit einhergehenden sportlich definierten Körper assoziiert. Die Fitness eines Menschen ist kein subjektiver Eindruck, den Außenstehende unterschiedlich interpretieren. Sie ist stattdessen für jedermann deutlich erkennbar. Denn, wer sich fit hält, sieht gut aus, vermittelt positive Lebensenergie und wird meist zudem als attraktiv wahrgenommen.

Gerade in Wohlstandsgesellschaften besteht eine große Gefahr, dem eigenen Köper im Alltag zu wenig Bewegung zu ermöglichen. Auch in der Freizeit neigen wir gerne zu Trägheit, Nahrungskonsum und dadurch bedingt zu Fettleibigkeit, Unsportlichkeit und Anfälligkeit für alle möglichen Erkrankungen.

Dass Wohlbefinden und Gesundheit innerhalb unserer modernen Gesellschaften ernsthaft bedroht werden, ist keine neue Erkenntnis. Bereits in den 1970er und 80er Jahren hat aus den USA kommend eine Fitnesswelle die gesamte westliche Welt überrollt, die im Prinzip bis heute fortbesteht. Verschiedene Strategien, um die negativen Auswirkungen des zu bequemen Wohlstandes zu bekämpfen, konkurrieren miteinander: Ernährungskonzepte und Diäten sollen die Fettpolster reduzieren, Spinning oder Aerobic im Fitnessstudio legen es darauf an, Ausdauer und Muskulatur zu trainieren, und die klassischen Sportarten wie Fußball oder Tennis verbinden all diese Vorzüge und ergänzen sie um die Aspekte Muskelzuwachs und Spaß.

Doch seit einigen Jahren schon bieten sich in unserem fortgeschrittenen Computerzeitalter Alternativen an, die zwar direkten Bezug zu den oben genannten Formen des klassischen Fitnesssports nehmen und doch etwas völlig Neues darstellen. Interaktive SpielKonsolen wie Playstation Move, Kinect von Microsoft oder dem Wii aus dem Hause Nintendo ermöglichen es, den Spieler mit Hilfe modernster Technologien körperlich an dem virtuellen Geschehen zu beteiligen. Ob Tennis, Fußball, Baseball , Golf oder Boxen, alle Bewegungsabläufe müssen verstanden und mit Ausdauer und unter Kraftanwendung passend zur Situation im Spiel nachempfunden werden.

Dazu ist es natürlich notwendig, dass die Konsole präzise erkennt, welche Körperhaltung die Spieler gerade einnehmen und wie sie sich dabei bewegen. Hierfür werden heutzutage verschiedene Techniken eingesetzt, um reale Aktionen erfolgreich in virtuelle umsetzen zu können. Playstation und XBox Kinect nutzen Bewegungssensoren in Verbindung mit Kameras, um den Spieler in das digitale Geschehen am Fernsehmonitor einzubeziehen. Er kann sich also freihändig bewegen und benötigt daher keinen Controller in den Händen. Wii hingegen misst nun gerade diesem besondere Bedeutung bei: Mittels Lagesensoren interpretiert der neuartige Controler seine eigene Position im Raum, eine Variante übrigens, die für Playstation-Fans eine zusätzliche Option darstellt. Denn Playstation Move funktioniert im Wesentlichen nach demselben Prinzip.

So mutet es für Betrachter mitunter geradezu bizarr an, junge und zunehmend auch ältere Menschen dabei zu beobachten, wie sie sich scheinbar ohne besonderen Grund mitten im Wohnzimmer körperlich verausgaben und dabei verrückte Verrenkungen vollziehen. Dabei ist es nur eine Frage der richtigen Perspektive, um das ungewöhnliche Treiben im Zusammenhang verstehen zu können: Benötigt wird nämlich der gleichzeitige Blick auf den Fernsehmonitor. Erst dann wird klar, warum der Sohn oder Ehepartner mit beiden Händen eine Fernbedienung umschließt, in breitbeinigem Stand den Oberkörper zur Seite dreht, mit beiden Armen ausholt und dann scheinbar zuschlägt. Er spielt Golf! Und dabei ist er keineswegs von Wahnvorstellungen getrieben, sondern blickt auf einen realistisch nachempfundenen virtuellen Golfplatz, auf dem sein digitales Alter Ego gerade seinen Ball erfolgreich eingelocht hat. Doch unser interaktiver Sportler hat eine größere Bandbreite als mancher Athlet der analogen Wirklichkeit.

Wii und Co

Wii und Co ©iStockphoto/Feverpitched

Denn Mitgliedschaften in Sportvereinen sind viel zu teuer, um es sich leisten zu können, auf allzu vielen verschiedenen Hochzeiten zu tanzen. Das ist mit Wii und Co. anders. Für etwa 15 bis 20 Euro kann man eine Sport-Simulation für die Nintendo-Konsole erwerben. Wer gerne Fußball spielt, ist mit der aktuellen FIFA-Variante für Wii gut beraten. Will man jedoch mehr Sportauswahl bei geringeren Kosten empfiehlt sich das „Wii Sports – Nintendo Selects“. Das Produkt für etwas um die 20 Euro beinhaltet gleich fünf Sportarten: Boxen, Baseball, Golf, Tennis und Bowling. So wird man als stolzer Konsole-Besitzer schnell zum Allrounder. Denn auch konkurrierende Konsolen-Hersteller berücksichtigen die Trends der Zeit. So beinhaltet auch das Game „Sports Champions“ für die Playstation Move gleich sechs Sportdisziplinen, darunter Bogenschießen und Tischtennis. Wiederum ein vielseitiges sportliches Vergnügen, das schon für die geringen einmaligen Kosten von etwa 12 Euro erhältlich ist.

Es besteht kein Zweifel, interaktiver Sport fordert den Körper der Spieler ganzheitlich und ausdauernd. Der Abwechslungsreichtum durch zahlreiche wählbare Sportarten gestaltet es auch für junge Menschen als attraktiv, sich vor dem Bildschirm körperlich zu betätigen. Wie ist es dann also um den Fitnessfaktor dieser neuen Generation an Freizeitsportlern bestellt? Eine Frage, auf die im nächsten Kapitel ausführlicher eingegangen werden soll.

Doch an dieser Stelle sei bereits so viel gesagt: Wer auf den Sportverein oder das Fitnessstudio verzichtet, und zwar zugunsten des interaktiven Sporterlebnisses vor dem Fernseher, dem fehlt eine wichtige Komponente, die besonders effizientes Training erst ermöglicht: der Trainer, der all diese Sportaktivitäten umfassend kontrolliert, Korrekturvorschläge macht und Fortschritte dokumentiert. Dieses Manko haben auch die Konsolenhersteller längst erkannt und attraktive und konsequent durchdachte Fitness-Produkte auf den Markt gebracht, ebenfalls bei eher geringen und einmaligen Anschaffungskosten. „Wii Fit“ geht für Nintendo an den Start, „Move Fitness“ für die Playstation und zum Beispiel „Your Shape Fitness Evolved“ für die XBox.

Gemeinsam ist ihnen allen, dass die jeweiligen Hersteller die Vorzüge ihrer „normalen“ Sport-Versionen genutzt haben, um ganzheitliche Fitnessprogramme zu erschaffen, mit denen der interaktive Sportler seine Leistung und Fortschritte langfristig überwachen kann. Wii Fit beispielsweise bietet über 50 Übungen an, so dass sich für jeden Geschmack etwas Passendes finden lässt. Dabei werden Body-Mass-Index und Körperbalance ermittelt und dazu genutzt, das sogenannte „Wii Fit-Alter“ zu errechnen. Dies soll dem Fitnesshungrigen als Ansporn dienen, schließlich ist es für jeden eher schmeichelhaft, durch konsequentes Training ein durch das Programm errechnetes sportliches Alter zu erreichen, das möglichst weit unter dem realen, biologischen Alter liegen sollte. Außerdem werden die Ergebnisse des Trainings zur Kontrolle grafisch in einem Kalender hervorgehoben. Fortschritte sind für den Trainierenden so gut erkennbar und können kontrolliert weiter ausgebaut werden.

Move Fitness wartet sogar gleich mit einem echten „Personal Trainer“ auf, der für den Sportler stets am Bildschirm sichtbar ist und mit allen Hilfeleistungen aufwartet, die von einem Sporttrainer erwartet werden. Auch das „…Fitness Evolved“ für die XBox-Hardware Kinect bietet effiziente Überwachungsmöglichkeiten des regelmäßigen Trainings. Es verfügt über ein sogenanntes „Your Shape Center“, das Leistungsfortschritte dokumentiert. Die Kritik und Ratschläge eines Trainers übernimmt zudem ein leistungsstarkes Feedback-System.

Die moderne Technik dieser virtuellen Sportstudios erlaubt es, auch komplexe Bewegungsabläufe wie Liegestütze oder Sit-ups detailliert individuell zu überwachen und Verbesserungsvorschläge anzubieten. Sport wird nämlich nur dann effizient getrieben, wenn konkrete Kontrollmechanismen Fehler erkennen und den Sportler so auf den richtigen Weg bringen können. Da es um Fitness geht, wurde in diesem Artikel meist der Begriff „Sportler“ für den Konsolen-Spieler verwendet. Die Hersteller von Wii und Co. hingegen sprechen meist vom „Spieler“. Dies ist im passenden Kontext durchaus sinnvoll, wenn man berücksichtigt, dass der Spiel-Charakter auch in den hier beschriebenen Fitnessprodukten voll erhalten bleibt. Dies unterstützt die Motivation der interaktiven Sportfreunde erheblich. So zeichnen sich beliebte Computerspiele zum Beispiel dadurch aus, dass mehrere Personen gegeneinander antreten können. Denn der Wettkampfcharakter steigert die Leistungsbereitschaft!

Kann interaktives Training zuhause vor dem Fernsehbildschirm tatsächlich die Fitness erhöhen?

Eines muss vorweg klar festgestellt werden. Den fitten Körper erarbeitet sich niemand im Schlaf! Ganz gleich welche Variante des Muskelaufbaus mit einhergehender Fettreduzierung gewählt wird, ob klassischer Sportverein oder praktisches Training im heimischen Wohnzimmer, Ehrgeiz, Fleiß, Motivation, Freude am Sport und Disziplin müssen in jedem Falle mitgebracht werden.

Wer glaubt, er könne unter typischen Computerspiel-Bedingungen, also sich gemütlich auf dem Sofa herum räkelnd, effizient Sport betreiben, der irrt sich. Wer antriebslos ist und zudem konsequentes Handeln nicht beherrscht, kann sich den Konsolen-Sport gleich sparen. Aber was sind denn dann sonst die Vorzüge des interaktiven Trainings in den eigenen vier Wänden, wenn nicht eine Förderung der Bequemlichkeit?

Wie schon im vorangegangenen Kapitel erläutert, motiviert der interaktive Sport dazu, mit einem Training zu beginnen und auch dabei zu bleiben. Denn der direkte Leistungsvergleich mit Familienmitgliedern oder Freunden sowie die attraktiven optischen Gestaltungsmöglichkeiten der virtuellen Umgebung am Bildschirm vermitteln alten und jungen Menschen den notwendigen Spass, weiterzumachen. Vorteile also, die herkömmliche Sport-Spiele und explizite Fitnessprodukte in dieser interaktiven Welt miteinander gemeinsam haben.

Dies sind wichtige Voraussetzungen, denn nur regelmäßiges Training kann Muskeln aufbauen und gleichzeitig unerwünschte Fettpolster reduzieren. Dennoch ist es nur in seltenen Fällen effizient, heute Fußball zu spielen, morgen zu boxen und übermorgen zu golfen, sofern es sich um voneinander unabhängige Spiele handelt. Denn neben der Regelmäßigkeit der sportlichen Betätigungen ist das Vorhandensein eines zusammenhängenden Trainingskonzeptes grundlegend wichtig, um spürbare Erfolge zu erzielen. Natürlich kann der erfahrene Sportler sich ein eigenes Konzept erarbeiten, das womöglich auch funktioniert. Jedoch kann nicht verallgemeinernd festgehalten werden, dass voneinander unabhängige Sportspiele per se die Fitness steigern. Insbesondere dann nicht, wenn gewitzte Jugendliche die Funktionsweise des Spieles nach einer Weile durchschaut haben und gemütlich auf dem Sofa sitzend nur die Handbewegungen ausführen, die unbedingt notwendig sind.

Wer ernsthaften Fitnesssport betreiben möchte, muss den gesamten Körper einsetzen. Doch dabei kann man Fehler machen. Wer nicht über einschlägige Sporterfahrung verfügt, belastet die Gelenke womöglich insgesamt falsch oder nur einseitig richtig und erlebt Schmerzen und Verspannungen als Resultat seiner gut gemeinten Aktivitäten. Daher stellen explizite Fitnessprogramme, die durch einschlägige Konsolenhersteller angeboten werden, gerade für Anfänger die bessere Wahl dar. Sie sind aufgrund der modernen Technik in der Lage, falsche Bewegungen zu erkennen und Korrekturvorschläge zu unterbreiten. Ein virtueller Trainer geht somit individuell auf die Bedürfnisse der Sportler ein, allerdings nur bedingt. Und diese gewisse Einschränkung sollte an dieser Stelle durchaus hervorgehoben werden. Denn die digitale Sportüberwachung bei Wii und Co. kann erstaunlich vieles, doch ein Sporttrainer aus Fleisch und Blut kann nach wie vor weitaus mehr: Er ist zum Beispiel dazu in der Lage, auf Rückfragen aller Art konkret zu antworten. Ganz so weit ist die Computertechnologie noch nicht fortgeschritten. Daher gilt, dass Fitnesstraining in Interaktion mit Spielkonsolen zwar auch explizit Anfänger ansprechen möchte. Doch Fortgeschrittene, die möglichst in ihrer Vergangenheit Erfahrungen in Sportvereinen gesammelt haben, trainieren vor dem Fernseher deutlich effizienter, denn sie wissen schon, was ihrem Körper zuzumuten ist und was eher nicht. Dennoch sprechen zahlreiche Vorteile für den interaktiven Sport zuhause, niedrige Kosten, Spaßfaktor, Gruppenkompatibilität und die Erstellung individueller Trainingskonzepte erwecken möglicherweise auch unter denjenigen sportlichen Ehrgeiz, die in der Sporthalle oder dem Fitnessstudio eher nicht aktiv würden.

Allgemein sei darauf hingewiesen, dass es auch wichtig ist, die richtige Auswahl an virtuellen Sportarten auszusuchen, die durch die Fitness-Produkte von Wii und Co. angeboten werden. Es ist vor allem das Ausdauertraining, das zur sichtbaren Gewichtsreduktion bei vorheriger Korpulenz führen kann. Im Gegensatz zum reinen Kraftsport, der nur kurzzeitige Muskelkontraktionen erfordert, verlangt der Ausdauersport nach langfristiger Belastung. In der Konsequenz wird wenig Muskelmasse zugelegt, dafür aber vorhandene Muskulatur ausdefiniert. Energiereserven aus Fettpolstern werden biochemisch in für die Bewegungen verfügbare Energie umgewandelt.
Fazit: Spielkonsolen der modernen Generation sind vielseitig. Längst gehen die Angebote über das einfach Spiel zum reinen Zeitvertreib weit hinaus. Die Zeiten, in den Stubenhocker, die sich vom PC oder der Konsole nicht trennen können, zwangsläufig korpulent und ungesund wirken müssen, sind Vergangenheit. Fitnesstraining in den eigenen vier Wänden als echte Alternative zu herkömmlichen Sportangeboten durch Vereine und Clubs ist beeindruckende Realität geworden. Auch wenn die individuellen Beratungsmöglichkeiten durch einen Sporttrainer aus Fleisch und Blut virtuell noch lange nicht vollwertig imitiert werden können.

Es gilt allerdings zu beachten, dass erfolgreicher Fitnesssport zuhause auch Eigenverantwortlichkeit erfordert. Der Sportler muss ein Gefühl für den eigenen Körper und seine Bedürfnisse entwickeln. Mit sportlicher Betätigung alleine ist es nämlich nicht getan. Benötigt wird stets ein umfassendes gesundes Lebenskonzept, das zum Beispiel auch bewusste und kalorienarme Ernährung beinhaltet.


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