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Dick und fit. Geht das?

Haben Sie Einsteins Relativitätstheorie verstanden? Für die meisten Menschen gilt, dass das nicht der Fall ist. Trotzdem müssen wir angesichts des Themas „Dick und fit“ eine andere Relativität klarstellen: Dick und fit geht nicht. Jedenfalls nicht dauerhaft.

Dicke sind gemütlich

Viele übergewichtige Menschen bewegen sich zu wenig. Wenn sie eine gewisse „Tonnage“ auf die Waage bringen, wird das Bewegen noch mühsamer. Man keucht bei jeder Treppe und entwickelt ein Vermeidungsverhalten. Man sieht auffallend wenig Übergewichtige beim Joggen, eher schon beim Walken, Fahrrad fahren oder in der Schwimmhalle. Trotzdem ist zu vermerken, dass es übergewichtige Menschen gibt, die sportlich sind. Jene, die nur 10 oder 15 Kilo mit sich herumtragen, können in jungen Jahren erstaunlich fit sein. Außerdem können wir auf schwergewichtige Olympioniken wie Gewichtheber Matthias Steiner verweisen. Auch die japanischen Sumo-Ringer bieten ein Beispiel, das man zu seinen Gunsten anführen könnte. Manche Sportarten erfordern geradezu mehr Gewicht. Dabei handelt es sich allerdings um Muskelmasse. Bei den meisten Übergewichtigen ist die Muskelmasse längst durch Fettpolster ersetzt worden. Man kann diese durch sportliche Betätigung wieder zurückverwandeln. Daher ist Sport für Übergewichtige sinnvoll. Dummerweise machen sportliche Betätigungen aber Hunger. Außerdem strengen sie an und belasten die Gelenke, wenn man Übergewicht mit sich herumschleppt. Ab einem gewissen Gewicht setzen sich Fettzellen an allen Organen ab und hüllen diese in eine Fettschicht ein. Die Organe werden zunehmend in ihrer Arbeit behindert. Das Herz wird stärker belastet und muss mehr pumpen. Deshalb wird angeraten, dass man bei starkem Übergewicht nicht ohne eine ärztliche Untersuchung bzw. nicht ohne ärztliche Überwachung mit dem Training beginnen sollte.

Bauchfett ist unser Todfeind

Dicke Menschen mögen gutmütig und gemütlich sein, sportlich sind sie nur selten. Ist das Fett am Körper gut verteilt, kann man als molliger Mensch sehr gut aussehen. Manche übergewichtigen Frauen sehen sogar sexy aus. Doch wir müssen für die Bewertung der langfristigen Fitness unterscheiden, ob es um Bauchfett geht oder um das Körperfett an Oberschenkeln und Po. Aus irgendeinem Grunde ist Bauchfett ungesund. Es signalisiert uns nicht nur Bewegungsmangel, sondern gravierende Ernährungsfehler. Ein US-Mediziner hat dem Bauchfett sogar ein ganzes Buch gewidmet. Aus seiner Sicht schleppen wir eine „Weizenwampe“ vor uns her. Mit Weizen, den die Amerikaner bevorzugt als „Wattebrötchen“ mit Hamburger, Hot Dog-Brötchen, Pancakes oder gezuckerte Zerealien verzehren, meint er allerdings ALLE glutenhaltigen Getreide. Wie kennen den Bierbauch, der sicher nicht zufällig durch die Beteiligung von Gerste entsteht. Kohlenhydrate im Getreide begünstigen die Fettansammlungen im Bauchraum. Sie werden zu Zuckermolekülen umgewandelt. Wenn davon zu viele im Blutstrom schwimmen, werden sie als Notpolster gespeichert und zu Fettzellen verwandelt. Bauchfett sondert erwiesenermaßen Stoffe ab, die uns schaden. Für Fett in anderen Körperregionen trifft das nicht zu. Bauchfettansammlungen bedeuten auch Fettansammlungen an den Organen. Selbst wenn man mit einem Bauch ausgestattet Sport betreibt, kann man langfristig nicht gesund bleiben. Das Bauchfett sorgt dafür, dass wir Diabetiker werden, ein erhöhtes Krebsrisiko haben, an Arteriosklerose und Leberverfettung leiden. Fatalerweise sorgen viele ernährungsbedingte Missstände im Körper erst dreißig Jahre später für Konsequenzen. Wir können also jahrelang trotz Übergewicht sportliche Naturen sein. Am Ende landen wir aber wegen übermäßigem Gelenkverschleiß, Herzbeschwerden oder Diabetes beim Facharzt. Dick und fit geht am Ende also nicht zusammen. Genauso kann man 30 Jahre lang rauchen und behaupten, man sei vollkommen fit und gesund. Am Ende holen einen die Raucherlunge oder der Lungenkrebs aber doch ein. Auch sportliche Leistungen sind für starke Raucher nur bedingt möglich.

Dick und fit

Dick und fit ©iStockphoto/nyul

Kann man dauerhaft dick und fit sein?

Haben Sie jemals einen Leistungssportler gesehen, der dick gewesen wäre? Gewichtheber und Sumo-Ringer wollen wir jetzt einmal links liegen lassen. Sport und Übergewicht stehen nur insofern in Relation, als wir unsere Fitness durch Sport optimieren können. Muskelmasse wird aufgebaut, Fettmasse abgebaut, lautet der Slogan. Doch dieser gilt nur, wenn man auch seine Ernährungsweise ändert, Kalorien einspart und in den Fettverbrennungsmodus kommt. Keine Diät kommt ohne vermehrte sportliche Anstrengungen aus. Dick und fit kann man nur in jungen Jahren sein, wenn alle Organe bestens funktionieren, alle Gelenke noch jugendfrisch sind und man keinen Bürojob hat. Wir müssen korrekterweise sagen, dass nicht alle Menschen mit Übergewicht Bewegungsmuffel sind. Wichtig ist aber, wie viel Fettmasse und wie viel Muskelmasse der Körper hat. Ein höheres Körpergewicht und eine stämmige Figur führte man früher gerne auf schwere Knochen zurück. Doch auch ein muskelbepackter Bodybuilder hat automatisch mehr Gewicht. Wir sprechen hier aber nicht von schwergewichtigen Menschen, sondern von dicken. Als dick bezeichnen wir einen Bodybuilder niemals. Der Begriff „dick“ suggeriert bereits, dass zu viel Fettmasse vorhanden ist. Diese geht zulasten der Muskelmasse. Das Verhältnis beider ist längst nicht mehr stimmig. Das hat Folgen für viele Körpersysteme und das Skelett. Nun finden sich in Frauenzeitschriften zahlreiche Artikel, dass Übergewicht und Fitness sich nicht notwendigerweise ausschließen müssen. Das ist richtig. In den meisten Fällen ist es aber trotzdem so. Fakt ist: Im Alter sinkt der kalorische Gesamtumsatz und wir setzen automatisch mehr Fett an. Mit dem Rauchen aufzuhören, in die Wechseljahre zu kommen oder die Galle entfernt zu bekommen, bedeutet fast immer eine Gewichtszunahme. Die Fitness der jungen Jahre können wir jetzt nur noch aufrecht erhalten, in dem wir mehrfach in der Woche hart an uns arbeiten. Trotzdem ist auch wahr, dass man als sportlicher Mensch mit Übergewicht länger lebt, als wenn man ein schlanker Mensch, aber vollkommen unsportlich ist. Das Thema „Dick und fit“ ist also von mehreren Perspektiven zu beleuchten und muss immer wieder relativiert und zurechtgerückt werden. Man kann nicht pauschal sagen, Dicke sind bewegungsfaul, Dünne sind fit. Man kann aber ebenso wenig sagen, Dicke sind genauso fit wie Dünne. Im Grunde muss man jeden Einzelfall betrachten. Manchen Menschen mit einem BMI über 30 sind fitter als andere und manche mit einem BMI von 25 und darüber sind notorische „Couch Potatos“.

Andere Parameter addieren sich dazu

Außerdem addieren sich zum Körpergewicht noch andere Fitness-Parameter hinzu. Nehmen wir beispielsweise einen übergewichtigen Menschen mit Arthrose, Diabetes, Wirbelerkrankungen oder Venenschwäche. Zweifellos ist dieser weniger fit als gesunde Menschen mit Übergewicht. Raucher mit Übergewicht sind auf Dauer ebenso wenig fit wie Menschen, die sich einen Bierbauch angetrunken haben und von Fast Food ernähren. Die Fitness schwindet nicht nur mit zunehmendem Alter, sondern auch mit zunehmenden Zivilisations- und Degenerationserkrankungen. Was uns in der Jugend leicht fällt, wenn wir Übergewicht haben, fällt uns mit dreißig und vierzig Jahren schon deutlich schwerer. Mit fünfzig oder sechzig Jahren aber kann es bereits unmöglich sein. Im Grunde muss man seine Fitness über die Jahre bewachen, um nicht zu irgendeinem Zeitpunkt zu entdecken, dass man erheblichen Nachholbedarf hat. Fakt ist, dass man mit dreißig Jahren den Zenit der Jugend überschritten hat. Gefühlt ist das zwar nicht so, aber von der Regenerationsfähigkeit her wohl. Ab 30 altert der Körper. Die Zellerneuerung geht langsamer vonstatten, der Fettabbau wird auch schwerer. Die Kilos scheinen an uns zu kleben und weigern sich hartnäckig, zu schwinden. Fitnesswahn und Jojo-Effekt wechseln sich zunehmend ab. Im Frühling erarbeiten wir uns mühsam eine bikinitaugliche Figur. Im Sommer genießen wir sie, im Herbst und im Winter korrumpieren wir sie bereits. Mit den Jahren kommen wir ganz vom Bikini ab, wenn wir zu Übergewicht neigen. Mittlerweile korrumpiert unser Organismus unsere Diätanstrengungen. Er hält trotz Sport im Fettverbrennungsmodus seine Notpolster fest, auch wenn sie längst zehnmal größer sind als er je brauchen kann.


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