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Was sind eigentlich Hormone?

Gemeinsam mit genetischen Vorbedingungen und Umweltfaktoren wirken sie auf das Verhalten des Menschen und prägen seine Gewohnheiten. Dabei sind Hormone mehr als mächtige Boten. Sie sorgen neben der Übermittlung von Informationen und den darauf folgenden körperlichen Reaktionen für die Steuerung vieler grundlegender Prozesse im Körper.

Begriffe

Ihren Namen verdanken sie ihrer prinzipiellen Wirkung. Sie erregen und treiben an oder überbringen Organen und Organgruppen Botschaften. Produziert werden sie in endokrinen Drüsen. Das sind spezielle Organe wie Thymusdrüse, Schilddrüse, Nebennierenrinde und Bauchspeicheldrüse, die ihre Sekrete in das Innere des Körpers abgeben.
Endokrinologen befassen sich mit der Wirkung der Sekretionen und mit den damit im Zusammenhang stehenden Erkrankungen. Ihr Wissenschaftsgebiet ist die Endokrinologie.

Wirkungsmechanismen von Hormonen

Die transportierten Informationen müssen beim Empfänger verarbeitet und umgesetzt werden. Dazu dockt das Hormon an Rezeptoren an, die für die Auswertung und Weiterleitung sorgen. Unterschieden wird zwischen wasserlöslichen und fettlöslichen Botenstoffen. Die wasserlöslichen Arten sind nicht in der Lage, Zellmembranen zu passieren. Sie docken außerhalb an einen Rezeptor an und ihre Informationen gelangen über eine Umwandlungsstufe ins Zellinnere. Dort wirken sie wie ein Enzym. Fettlösliche Sekrete hingegen koppeln direkt im Inneren der Zelle an intrazelluläre Rezeptoren an. Ein wichtiger Vertreter dieser Gruppe sind die Steroidhormone.

Die Botenstoffe gewährleisten die Versorgung der Zellen mit Energie und sind verantwortlich für den Rhythmus von Wachen und Ruhen, nach dem sich unser Schlafbedürfnis richtet. Über sie wird ebenso reguliert, an welche Menschen wir uns stärker gebunden fühlen oder zu welchen Zeitgenossen wir eher berührungslosen Kontakt pflegen. Sie bestimmen die Entwicklung des Menschen bereits vor der Geburt und steuern Reifung ebenso wie das Altern.

Hormone

Hormone ©iStockphoto/Jill Chen

Schmetterlinge im Bauch als Beispiel für die Wirkung von Hormonen

Jeder, der schon einmal verliebt war, kennt ihre Macht. Nicht nur, dass unablässig die sprichwörtlichen Schmetterlinge im Bauch flattern, auch das Denken fokussiert sich auf das eine Objekt von Zuneigung, Sehnsucht und Begehren.

Verantwortlich für diese körperlichen Symptome und das daraus resultierende Verhalten ist ein Cocktail, wie ihn nur die Natur ersinnen und zusammenstellen kann. Verliebte sind ständig auf Droge, der Adrenalinspiegel steigt, lässt das Herz klopfen beim Anblick des geliebten Menschen und verleiht dem Verliebten eine scheinbar unendliche Kraft. Gleichzeitig sorgt ein bedrohlich sinkender Serotonin-Anteil im Körper für einen Tunnelblick, der es ausgeschlossen macht, nicht den ganzen Tag an das Objekt des Verlangens zu denken.

Die Wirkung in den Lebensphasen

Bereits bei der Ausbildung des männlichen oder weiblichen Geschlechts im Mutterleib haben sie einen großen Anteil.
In der nächsten Phase lösen sie den Reifungsprozess zu Mann und Frau aus. Während der Pubertät bringen sie sämtliche bisher ausgebildeten Strukturen eines Kindes zunächst durcheinander, um im Verlauf des Erwachsenwerdens für eine Neustrukturierung zu sorgen. Am Ende der fruchtbaren Jahre eines Menschen nehmen Hormone Einfluss auf den Verlauf der Wechseljahre. Unter den klassischen Symptomen wie Hitzewallungen, Schwindel und Depressionen haben Frauen stärker zu leiden als Männer.

Ausgewählte Stoffe und ihre Wirkungsweise

Insulin

Das in der Bauchspeicheldrüse produzierte Sekret wird nach jeder Nahrungsaufnahme benötigt, um die in Kohlenhydraten gespeicherte Energie für die Zellen verfügbar zu machen. Seine Wirkung senkt den Blutzuckerspiegel durch Verwertung der Zuckermoleküle. Ein Mehrbedarf an Energie bei zu niedrigem Blutzuckerspiegel ruft den Gegenspieler Glukagon auf den Plan.

Glukagon

Steigert den Anteil der im Blut verfügbaren Kohlenhydrate und wirkt somit dem Insulin entgegen. Es kommt zum Einsatz, wenn der Körper Energie benötigt, die im aktuellen Moment nicht durch Nahrungsaufnahme zur Verfügung steht.

Cortisol

Hat ebenfalls Einfluss auf den Blutzuckerspiegel. Bei erhöhtem Energiebedarf steigert es den Blutzuckeranteil für mehr Energie. Oft wird es als Stresshormon bezeichnet und hat bei dauerhaft erhöhtem Vorkommen im Blut negative Wirkungen auf das Immunsystem. Der Mensch verliert an Widerstandskraft. Mit dem als Medikament verwendeten Kortison darf es nicht verwechselt werden.

Adrenalin

Das Sekret aus der Nebennierenrinde sorgt für Fokussierung auf das Wesentliche. Droht Gefahr, wird es vermehrt ausgeschüttet, steigert die Herzfrequenz, fördert die Durchblutung und bereitet den Körper so auf zwei mögliche Szenarien vor: Kampf oder Flucht. Für unsere Urahnen war es überlebenswichtig. Heute spielt es vorrangig in Stresssituationen eine Rolle und versetzt den Menschen in die Lage sich zu konzentrieren. Auch dadurch, dass Unwichtiges wie Verdauung oder Hungergefühle vernachlässigt werden.

Östrogen

Es ist das »Hormon der Weiblichkeit«. Östrogen sorgt für die Ausbildung der typisch weiblichen Geschlechtsmerkmale und ist während der Geschlechtsreife der Frau verantwortlich für die Steuerung des Zyklus.

Testosteron

Der männliche Gegenpart des Östrogens. Hergestellt wird es in den Testikeln, den Hoden. Testosteron wirkt sich entscheidend auf die Ausprägung typisch männlicher Merkmale aus wie Längenwachstum, Körperbehaarung und männlichen Sexualtrieb.

Bedeutung in der Medizin

Endokrinologie ist nicht allein die Lehre von den Hormonen, sondern zugleich ein Anwendungsgebiet der inneren Medizin. Als solches befasst sie sich mit Krankheiten und gesundheitlichen Störungen, die im Zusammenhang mit dem Hormonhaushalt stehen. Als bekannteste Krankheit zählt dazu Diabetes mellitus, die Zuckerkrankheit, die durch fehlendes Insulin verursacht wird. Des Weiteren sind zu nennen das Conn-Syndrom, bei dem zu viel Aldosteron produziert wird; Morbus Addison, hervorgerufen durch einen Mangel an Nebennierenrindenhormonen und das Cushing-Syndrom, das mit der Überproduktion von Cortisol einhergeht. Aufgrund von Forschungen der modernen Medizin ist die Liste inzwischen relativ lang geworden. Mit wachsenden Erkenntnissen über die Krankheiten, ihre Ursachen und den Verlauf gelingt es aber auch zunehmend, lindernde oder heilende Behandlungen und Therapien zu entwickeln und einzusetzen.

Medizinische Anwendungen

Verschiedene Hormone bzw. auf Hormonen basierende Präparate werden zu medizinischen Zwecken verabreicht. Das Wissen um die Wirkung von Insulin führte dazu, dass Diabetes mellitus keine tödliche Krankheit mehr ist. Die Patienten müssen Einschränkungen hinnehmen, ihnen bleibt aber das Leben und zu großen Teilen auch die Lebensqualität erhalten.

Von Bedeutung für die Notfallmedizin ist Adrenalin. Es wird zur Wiederbelebung bei Herzstillstand verabreicht. Ebenso kommt es zum Einsatz bei Erkrankungen der Atemwege und zum Stillen von Blutungen. Die künstlich erzeugte Variante des Cortisols, das Kortison, galt lange Zeit als Entzündungsemmer. Tatsächlich beruht seine Wirkung auf einer Suppression des Immunsystems, was nicht in jedem Fall wünschenswert ist. Viele Patienten haben unter den Nebenwirkungen zu leiden wie Gewichtszunahme und die Ausbildung eines sogenannten »Stiernackens«.

Ein Hormoncocktail, der dem weiblichen Körper eine permanente Schwangerschaft vortäuscht, ist die Antibabypille. Sie verhindert eine Schwangerschaft, sollte aber verantwortungsbewusst verwendet werden. Hormonersatztherapien finden immer öfter Verwendung zur Behandlung von Symptomen in den Wechseljahren. Auch hier ist Vorsicht geboten. Einige Studien zeigen eine erhöhte Häufigkeit von Brustkrebserkrankungen bei entsprechend behandelten Frauen. Ob das auf den Einsatz von Derivaten zurückzuführen ist und es bei Verwendung natürlicher Stoffe nicht zu den Erkrankungen gekommen wäre, ist ungeklärt.

Weitere Verwendungen von Hormonen

Für die Unterstützung von Diäten und Zielen bei sportlicher Betätigungen wie Krafttraining zum Muskelaufbau kann das Wissen um die Wirkungsweise der jeweiligen Sekrete hilfreich sein. Es ermöglicht eine entsprechende Zusammenstellung der Nahrung, gibt Auskunft über die besten Zeiten zum Essen und/oder wirkt durch spezielle Präparate wie Steroide direkt oder indirekt auf die Ausschüttung des benötigten Hormons. In jedem Fall sollte der Rat eines Fachmanns gesucht werden.


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