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Eignen sich Abführmittel für eine Diät?

Gerade alle diejenigen, die ernsthaft abnehmen möchten, wollen am liebsten schnelle Erfolge sehen. Die sind ihnen als Motivationsschub sehr wichtig. Jedenfalls glauben die Menschen das. Dabei ist Abnehmen auf jeden Fall mit Vernunft und Geduld verbunden. Geduld gehört jedoch zu den Tugenden, die schwer zu realisieren sind. Nun ja, das Abnehmen schließlich auch. Da kann man schon einmal auf die absonderlichsten Ideen kommen. Doch gerade eine derart absonderliche Idee wie die Abführmittel-Diät sollte man genau hinterfragen.

Was bewirken Abführmittel?

Es ist richtig, dass Abführmittel für eine Beschleunigung der Entleerung des Darms sorgen. Sinnvoll ist das, wenn tatsächlich eine echte Verstopfung vorliegt. Der normal arbeitende Darm hat so eine Hilfe nicht nötig, zumal sich ein regelmäßiger Stuhlgang sogar antrainieren lässt. Wenn der Darm aber aus dem Takt kommt, kann man ihm helfen. Dafür gibt es unterschiedliche Möglichkeiten.

Das kann zum Beispiel mit natürlichen Quellstoffen geschehen. Zusammen mit viel Wasser bewirken Stoffe wie unter anderem Leinsamen oder Weizenkleie ebenso wie Flohsamen auf natürliche Weise eine Darmentleerung. Doch das geschieht nicht sofort. Diese Ballaststoffe sind pflanzlich und benötigen zwei oder drei Tage, bis das Aufquellen dieser Stoffe den Darm ausreichend aktiviert hat.

Zum besseren und leichteren Abführen können auch Gleitmittel verwendet werden, die durch das direkte Einführen den Inhalt des Darms weicher, also gleitfähiger machen. Gleitmittel können als Zäpfchen oder auch als Einlauf zum Abführen genutzt werden. Die Wirkung tritt relativ schnell ein. Ähnlich wirken osmotische Abführmittel durch ihre Wasser entziehende Wirkung. Sie benötigen das Wasser, um den Darminhalt gleitfähiger zu machen. Meist kommt Glauber- oder Bittersalz zur Anwendung. Sie halten die Elektrolyte zurück und regen damit die Darmtätigkeit an. Erhältlich sind sie in Apotheken und ihre Wirkung macht sich schon nach einigen Stunden bemerkbar.

Für einen schnelleren Stuhlgang können auch Abführmittel eingenommen werden, die – wie beispielsweise Natriumpicosulfat – dafür sorgen, dass der Inhalt des Darms in Bewegung kommt, ohne das ihm zuviel Wasser entzogen wird. Dadurch wird ein leichteres Ausscheiden bewirkt und die Verstopfung löst sich relativ schnell. Diese Mittel können schon nach einer halben Stunde das „dringende Bedürfnis“ anzeigen, vorausgesetzt, man hat sie rektal eingenommen. Bei einer oralen Einnahme zeigt das Darm anregende Abführmittel seine Wirkung nach etlichen Stunden. Bis zu zehn Stunden Geduld muss man mitunter aufbringen.
Leerer Darm – weniger Gewicht?

Das kennt wohl jeder: Wer einen Tag mit Durchfall auf der Toilette verbracht hat, fühlt sich ausgeleert und geschwächt. Kein Wunder, denn mit allem, was ohnehin aus dem Körper hinaus sollte, sind auch viel Wasser und Mineralien mit verloren gegangen. Daher das Schwächegefühl. Wer abnehmen möchte, wird das prima finden, weil sich dieses leere Gefühl im Körper wie eine Gewichtsreduzierung anfühlt. Wer also glaubt, sein Körpergewicht auf leichte Art und Weise derart reduzieren zu können, der irrt dennoch gewaltig. Sobald wieder ganz normal Nahrung aufgenommen wird, pegelt sich das Darm-Ungleichgewicht wieder ein und auch der Wasserhaushalt. Der Körper beginnt wieder mit seiner normalen, gesunden Funktionsweise. Was er aber bei Durchfall getan hat, ist nicht nur eine radikale Darmentleerung. Der Körper hat zuvor sämtliche Kalorien im Dünndarm aufgenommen. Sämtliche Abführmittel werden aber erst eine „Station“ weiter, im Dickdarm, aktiv. Da sind die Kalorien dann schon nicht mehr vorhanden. Es wird also tatsächlich nur noch abgeführt, was der Körper nicht mehr benötigt.
Wer schon einmal irgendeine andere Diät ausprobiert hat, wird bestätigen, dass in den ersten Tagen eine Reduktion spürbar wird, doch letztendlich hat der Körper erst einmal nur Flüssigkeit verloren. So ist es auch bei der kurzzeitigen Gewichtsreduzierung, die durch Abführmittel entsteht. Es ist das Vorgaukeln eines Effekts, der auf Dauer nutzlos ist und sogar gefährlich.

Gefahren durch die Einnahme von Abführmittel

Es ist kein Geheimnis, dass Menschen, die für sich den Kurzzeit-Effekt mit Abführmitteln verlängern wollen, eine Unterversorgung des Körpers riskieren. Die meisten Menschen sind sich der Gefahren nicht bewusst und richten an sich deshalb mehr Schaden als Nutzen an.

Der Wasserhaushalt gerät durch den Mangel an Kalzium und Kalium total durcheinander. Die Folge ist: Der Körper beginnt allmählich auszutrocknen. Wer Abführmittel wegen eines schlechten Stoffwechsels einnimmt, der hat normalerweise seinen Arzt um Rat gefragt. Wer damit jedoch abnehmen will, hat niemanden gefragt, höchsten die beste Freundin. Doch die Ratschläge einer besten Freundin sind nicht automatisch die besten.

Eignen sich Abführmittel für eine Diät?

Eignen sich Abführmittel für eine Diät? ©iStockphoto/katsgraphics808

Mit Abführmitteln ist für den Darm eine „Suchtgefahr“ verbunden. Er gewöhnt sich daran, dass er seine Tätigkeit nicht mehr allein ausführen muss. Die Hilfe durch Abführmittel ist für den Darm eine bequeme Sache, für den Menschen stellt sie jedoch eine echte Gefahr dar. Denn wenn der Darm unentwegt unterstützt wird, tut er nichts mehr von selbst. Das führt schließlich zu chronischer Verstopfung, die dann wiederum nur noch durch Abführmittel zu beheben ist. Im Endeffekt sind der Mensch und sein Darm abführmittelabhängig geworden, ganz abgesehen von sonstigen Funktionsstörungen, die die Darmtätigkeit beeinträchtigen können. Nebeneffekte gibt es noch mehr bei regelmäßiger Einnahme von Abführmittel. Der Gebrauch von Abführmitteln kann sehr schnell zum Missbrauch werden. Ständige Blähungen gehören noch zu den geringsten Nebenwirkungen, schlimmer sind die Bauchkrämpfe, die sich einstellen. Am schlimmsten ist aber die Folgeerscheinung, dass die Abführmittel dem Körper lebens- und überlebenswichtige Mineralien entziehen. Wie bei einer Kettenreaktion kann man dann schon auf Herz-Rhythmus-Störungen warten, die eine ernsthafte Gesundheitsbedrohung darstellen. Jeder Arzt wird von einer regelmäßigen Einnahme von Abführmitteln warnen, zumal das Zusammenwirken mit anderen Medikamenten diese in ihrer Wirkungsweise eingeschränkt. Da wird natürlich jede junge Frau sofort abwehren, da sie ja keine anderen Medikamente einnimmt. Doch auch die Antibabypille ist ein Medikament, das durch regelmäßige Nutzung von Abführmitteln unter Umständen in seiner sicheren Wirkung behindert wird. Und dann ist ein ungewolltes, neunmonatiges Zunehmen angesagt. Wer allerdings glaubt, immerhin ein paar Pfunde abgenommen zu haben durch Abführmittel, dem sei gesagt: Es ist lediglich Flüssigkeit reduziert worden, kein Körperfett!

Warum wird die Abführmittel-Diät dennoch angepriesen?

In diversen Zeitschriften und auch im Internet ist die Diät mit Abführmitteln immer wieder ein Thema. Es klingt natürlich verlockend, dass das Abnehmen schnell und natürlich geschieht. Schnell stimmt für den Moment. Aber natürlich? Das stimmt auf gar keinen Fall! Auch wenn nur Abführmittel rein pflanzlicher Art verwendet werden, beeinflussen diese dennoch den Darm, wenn auch nicht gleich am ersten und zweiten Tag. Wer Sauerkraut gern isst, wird den abführenden Effekt kennen. Warum also soll Sauerkrautsaft kein gutes Abführmittel sein? Doch, ein gutes Abführmittel ist dieser Saft, aber kein Mittel, um damit langfristig und leicht abzunehmen. Genauso ist es mit dem viel gepriesenen Pflaumentrunk oder dem Apfelessig. Bei all den medialen Ausführungen über Abführmittel sollte man genau hinschauen, ob es sich um einen seriösen Text handelt oder um eine ausführliche Anzeige, die mitunter leicht mit einem normalen Text verwechselt werden kann. Und dass jeder Drogeriemarkt und jeder Apotheker interessiert ist, seine Produkte an die Kundin zu bringen, ist normal. Doch da jeder seines Glückes Schmied ist, entscheidet der Kunde selbst, was er sich und seinem Körper antut.

Alternativen zum Abführmittel-Diät

Die Abführmittel-Diät ist keine Lösung, auch wenn sich für den Kurzzeit-Effekt eine in die Irre führende Reduktion verzeichnen lässt, weil die Verdauung angekurbelt wurde. Um Darm und Nieren nicht unnötig zu reizen und den Körper mit Mangelerscheinungen auf Sparflamme zu setzen, sollte man sich generell für die gesunde und effektive Methode des Abnehmens entscheiden. Bei der Abführmittel-Diät ist der Jo-Jo-Effekt vorprogrammiert. Gegen den Mangel an Nährstoffen setzt sich der Körper zur Wehr, indem er einen zunehmenden Hunger aufkommen lässt. Er will seine Nährstoffe unter allen Umständen zurückhaben.
Der Körper lässt sich nicht einfach überlisten. Wer ihn äußerlich verändern will, der wird schnell feststellen, dass ein gutes Maß an Bewegung und eine abwechslungsreiche Ernährung viel effektiver sind, um einige Pfunde loszuwerden. Richtig essen ist eine Grundvoraussetzung für gesundes Abnehmen. Wer dann noch die Ernährungsumstellung mit Spaziergängen oder gezieltem Training kombiniert, wer mehr Bewegung in den Alltag bringt und Treppen steigt, anstatt mit dem Fahrstuhl zu fahren, der wird bald eine Gewichtsreduzierung feststellen, die keine Risiken in sich trägt.
Abnehmen und Abführen ist eben nicht dasselbe. Außerdem ist es frevelhaft, einen gesunden Körper, also einen gesunden Darm, derart in Bedrängnis zu bringen.
Gesundheit kann man sich nicht kaufen, wohl aber ein Fitnessgerät für den häuslichen Gebrauch. Der Rest lässt sich mit Vernunft und Disziplin sich selbst gegenüber verwirklichen.


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