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Diät bei Diabetes

Die Zahl der an Übergewicht leidenden Menschen ist in den letzten Jahren weiterhin kontinuierlich gestiegen. So sind in Deutschland etwa drei Viertel aller erwachsenen Männer und sogar die Hälfte aller Frauen übergewichtig. Dabei stellt Übergewicht ein hohes Risiko für chronische Krankheiten dar. Nebenbei ist es die Hauptursache für Diabetes Typ-2. Laut der WHO (World Health Organization) leiden in diesem Zusammenhang weltweit rund 347 Millionen Menschen an Diabetes – Tendenz steigend.

Was ist Diabetes?

Bei Diabetes mellitus, umgangssprachlich auch Zuckerkrankheit genannt, handelt es sich um eine Erkrankung bei welcher der Pankreas nicht genug bzw. gar kein Insulin produziert oder der Körper das erzeugte Insulin nicht verwerten kann (Insulinresistenz). Insulin ist ein spezifisches Hormon, das in der Bauchspeicheldrüse, medizinisch Pankreas genannt, synthetisiert wird. Genauer gesagt wird es dort in den Beta-Zellen der Langerhans-Inseln gebildet. Hier befindet sich zudem ein gewisses Insulindepot. Nehmen wir Nahrung zu uns, wird durch die erhöhte Konzentration von Zucker im Blut der Bauchspeicheldrüse signalisiert, zusätzliches Insulin auszuschütten. Kohlenhydrathaltige Nahrung wird durch das Insulin in Einfachzucker, s.g. Glukose, umgewandelt. Diese wird über die Blutbahnen zu den Körperzellen transportiert, wo sie wichtige Energie liefert. Dem Insulin kommt hierbei eine Schlüsselfunktion zu. Um eine Aufnahme der Glukose zu gewährleisten, öffnet es, indem es an bestimmte Rezeptoren andockt, gewissermaßen die „Tür“ zur Zelle. In dieser Folge sinkt der Blutzuckerspiegel ab. Bei Zuckerkranken ist dieser Insulinstoffwechsel gestört. Hierbei existieren vorwiegend zwei Formen der Erkrankung.

Bei Typ-1 besteht ein Insulinmangel. Infolgedessen kann die „Tür“ zur Zelle nicht geöffnet werden. Der Schlüssel hierfür fehlt. Patienten sind daher auf die Gabe von Insulin angewiesen. Dieses kann im Übrigen nicht oral verabreicht werden, da der Magen es sonst zersetzen würde. Meist entwickelt sich Typ-1 vor dem 40. Lebensjahr. In diesem Kontext verweist eine solche Zuckerkrankheit oftmals auf eine Autoimmunerkrankung, welche einer Fehlsteuerung des Immunsystems zugrunde liegt. Der Körper greift somit die insulinproduzierenden Zellen (Langerhansschen Inseln) an und zerstört diese.

Diabetes

Diabetes ©iStockphoto/firebrandphotography

Typ-2 hingegen tritt zumeist bei älteren Menschen auf. Zunehmend erkranken jedoch auch Jugendliche und Kinder. Etwa 90% aller an dieser Stoffwechselkrankheit Leidenden weisen diesen Typ auf. Die Ursache ist mitunter genetisch bedingt. Übergewicht und Bewegungsmangel begünstigen jedoch die Entstehung erheblich. Die meisten dieser Typ-2 Diabetiker haben dementsprechend starkes Übergewicht. Der Körper produziert noch Insulin, die Rezeptorzellen sprechen jedoch immer weniger darauf an. Über einen gewissen Zeitraum kann der Körper dem mit einer vermehrten Insulinausschüttung begegnen. Sind die insulinproduzierenden Beta-Zellen nicht mehr in der Lage genügend Insulin zu synthetisieren, entwickelt sich die Zuckerkrankheit. Der Blutzuckerspiegel steigt. Eine demgemäße Überzuckerung des Blutes wird auch als Hyperglykämie bezeichnet. Es ist dahingehend eine Gewichtsreduktion mit entsprechender Ernährungsumstellung angezeigt.

Wie hängen Diabetes Typ-2 und Übergewicht zusammen?

Neben der erblichen Veranlagung bildet Übergewicht signifikant die Basis einer Typ-2 Erkrankung. Fettgewebe kann bestimmte Hormone ausschütten, welche die Insulinempfindlichkeit der Rezeptorzellen deutlich beeinflusst. Besonders Bauchfett bildet diesbezüglich ein entscheidendes Risiko für eine Insulinresistenz. Wie bereits beschrieben versucht der Körper durch vermehrte Ausschüttung von Insulin den Kohlenhydratstoffwechsel im Gleichgewicht zu halten. Insulin dient jedoch u.a. auch der Verwertung anderer Nährstoffe wie z.B. Fett. Es öffnet sozusagen dem Fett die Türe zur Fettzelle und fördert dadurch dessen Aufbau. Einer Insulinresistenz kann daher u.a. durch eine Reduktion des Gewichts begegnet werden. Oftmals reicht bei Diagnosestellung eine Gewichtsabnahme von 5kg bis 10kg aus, sodass hierdurch normale Blutzuckerwerte erreicht werden können.

Wie sollte eine geeignete Diät aussehen?

Eine Gewichtsabnahme sollte niemals radikal erfolgen. Dies kann ernsthafte Nebenwirkungen nach sich ziehen. Zudem steuern Radikaldiäten selten zu einer langfristigen Verbesserung bei. Im Gegenteil erhöht sich das Gewicht nach Beendigung der Diät nicht selten auf ein höheres Niveau als zuvor. Eine langsame, aber stetige Reduktion des Gewichts ist hingegen zu empfehlen. Maßgeblich zum Erfolg trägt aber auch die Motivation des Erkrankten bei.

Die Gewichtsreduktion sollte bei Zuckerkrankheit durch ballaststoffreiche, fettarme, vollwertige Mischkost und ausreichende körperliche Aktivität erfolgen. Eine dem folgende Ernährung entspricht der von der DGE (Deutsche Gesellschaft für Ernährung) ohnehin angeratenen Ernährung für Erwachsene. Auch Typ-1 Diabetiker sollten somit nicht auf speziell deklarierte Lebensmittel zurückgreifen, um eine seit langem proklamierte ‚Diabetesdiät‘ einzuhalten. Auch das damit verbundene generelle Zuckerverbot sowie das akribisch genaue Abzählen der Broteinheiten (BE) entfällt. Eine solche Diät ist nicht notwendig. Für Diabetiker angepasste Produkte bringen demnach keine Vorteile.

Zu beachten ist, dass täglich Obst, Salate und Gemüse als auch Vollkornprodukte und Hülsenfrüchte zu sich genommen werden. Diese Lebensmittel sind reich an Ballaststoffen und Vitaminen. Pro Woche sollte außerdem zwei bis dreimal Fisch auf dem Speiseplan stehen.
Empfehlenswert ist jedoch die Erstellung individueller Ernährungspläne, die Rücksicht auf die zu verabreichende Medikation nehmen. Da es aber oftmals weitere Regeln hinsichtlich einer Ernährungs- und Lebensumstellung zu beachten gibt, empfiehlt sich die Teilnahme an speziellen Diabetiker-Schulungen.

Aufnahme von Zucker

Die Zufuhr der Kohlenhydrate sollte zwischen 45 und 60 Prozent der Gesamtenergie liegen. Auch die Art der Kohlenhydrate ist entscheidend. Es wird zwischen solchen unterschieden, die schnell ins Blut aufgenommen werden und solchen, die langsam ins Blut gehen. Ballaststoffreiche Lebensmittel beinhalten so i.d.R. Kohlenhydrate, welche langsam absorbiert werden. Sie wirken sich daher günstig auf die Insulinresistenz aus. Die Aufnahme von reinem Zucker ist lediglich zu begrenzen (50g pro Tag), aber nicht vollständig zu verbieten.

Aufnahme von Eiweiß und Fett

Die Aufnahme von Fett sollte bei maximal 35% der Gesamtenergie liegen. Fettreiche Lebensmittel wie beispielsweise Schokolade, Kuchen etc. sind dabei zu vermeiden. Zum Kochen empfiehlt sich die Verwendung von Ölen, die reich an einfach ungesättigten Fettsäuren sind. Hier ist besonders Olivenöl zu erwähnen. Gesättigte (z.B. in Butter und Sahne) oder trans-ungesättigte Fettsäuren (z.B. in Milch oder Margarine enthalten) sollten zusammen weniger als 10% der Energieaufnahme ausmachen. Gleiches gilt für die Aufnahme mehrfach ungesättigter Fettsäuren (z.B. in bestimmten Pflanzenölen).

Des Weiteren sollte die Zufuhr von Eiweißen bei 10 bis 20 Prozent der gesamten Nahrungsaufnahme liegen. Bei bestehenden Erkrankungen der Nieren ist die Aufnahme anzupassen.

Genuss von Alkohol

Bei der Aufnahme von Alkohol ist zu beachten, dass eine Reihe von Likören oder anderen alkoholischen Getränken viel Zucker enthalten können. Die Höchstgrenze für den Genuss von Alkohol liegt für Männer bei 20g pro Tag und bei Frauen bei 10g pro Tag. Nach körperlicher Aktivität oder Sport besteht zudem das Risiko für eine Hypoglykämie (zu niedriger Blutzuckerspiegel).

Weniger Insulin zur Gewichtsreduktion?

Das Spritzen von weniger Insulin als die verordnete Dosis führt dazu, dass über den Urin Kalorien ausgeschwemmt werden. Gerade junge Frauen des Typ-1, die unter Essstörungen leiden, greifen zunehmend auf diese gefährliche Abnehmpraxis zurück. Der durch das s.g. „Insulin-Purging“ verursachte chronisch erhöhte Blutzuckerspiegel ist jedoch ursächlich für verfrühte Organ- Gefäß-, oder Nierenschäden. Ein solcher Missbrauch führte bei einer Studie aus den USA zu einem dreifach erhöhten Sterberisiko.

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