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Wie ernähre ich mein Kind richtig?

Die Tage des Struwwelpeters und der darin geschilderten brachialen Erziehungsmethoden sind vorbei, aufgeklärten Eltern sei Dank. Andere Extrempositionen, die man wiederum nur als Hirngespinste abtun kann, haben deren Stelle eingenommen: Derzeit macht z.B. in Facebook unter jungen Eltern folgende Ansicht die Runde: man dürfe Kinder nicht loben, es schade ihnen, denn sie würden süchtig davon werden. Soviel als Beispiel dafür, wie man alles und jedes übertreiben kann… womit wir beim Thema wären, nämlich dem rechten Maß:

Essen ist für jeden von uns unverzichtbar zum Erhalt der bloßen Existenz. Für unsere Kinder ist es ihr ganzes Leben lang von entscheidender Bedeutung. Sie müssen vor allem lernen, einige einfache Regeln zu beachten.

Da wäre zum einen das gute Beispiel, mit dem die Eltern den Kindern vorangehen und viel Abwechslung auf den Tisch bringen sollten. Jeder weiß, daß Kinder dazu neigen, immer dasselbe zu essen. Der Grund wäre genetisch bedingt, ein Relikt aus den Höhlentagen der Menschheit, behaupten Wissenschaftler. Kinder könnten einen ihnen angenehmen Geschmack erst dann wiedererkennen, wenn sie ihn etwa 8 Mal gegessen und für gut befunden hätten. Manche verzweifelte Mutter hat schon resigniert und ihrem Kind dann mit Todesverachtung jeden Tag Schnitzel vorgesetzt, wenn es gar nichts anderes essen wollte.

Eltern sollten Kinder zwar zum Probieren animieren, aber niemals zwingen. Gar aufessen zu müssen, ist ein Relikt aus dem vor-vorigen Jahrhundert und völliger Schwachsinn, es bewirkt nur das Gegenteil. Kluge Eltern nutzen den Neidfaktor, den Kinder mit unfehlbarer Sicherheit entwickeln, wenn etwa Freunde mit um den Tisch sitzen und die Kinder dann fürchten, sie könnten zu kurz kommen. Oder man instruiert die Oma oder die Tante, sie solle dem kleinen Gast mal dieses oder jenes anbieten, denn an einem anderen Tisch als dem eigenen hat das Kind eher die Chance, alte Verhaltensmuster zu ändern und Verweigerungen zu durchbrechen. Plötzlich schmeckt der Pfirsich ja doch köstlich und der selbstgemachte Pudding von Oma ist soo viel besser als der aus dem Supermarkt. Dass die eigene Mutter vorher nicht müde geworden war, genau das zu predigen, was beweise, dass sie immer Recht habe, sollte hier möglichst nicht laut gesagt werden und wenn es der Mutter noch so weit vorne auf der Zunge läge.

Kinderernährung

Kinderernährung ©iStockphoto/gzorgz

Ein uralter Trick, Kindern Speisen nahezubringen, die sie normalerweise ablehnen, ist die gemeinsame Zubereitung. Dabei darf man halt nicht zimperlich sein, was den Zustand der Küche betrifft, denn daß dabei allerhand Zutaten auf dem Boden landen, ist unvermeidbar. Vor dem Gedanken, daß das Ganze in ein nicht mehr kontrollierbares Chaos führe, muß man nicht gleich in Panik verfallen…aber es wird unausbleiblich sein. Nun gut, es werden wohl Eierschalen im Pfannkuchenteig landen, Erbsen und Linsen werden sich in einer gemeinsamen Dose wiederfinden und der ganze schöne Möhrenvorrat wird zerschnibbelt und zerstückt herumliegen. Die Regel „mit Essen spielt man nicht“ hat ausgedient. Klar spielt man mit Essen, es muß dabei ja nicht vergeudet werden. Hat man dann mit Hilfe der Kinder das Phantasiemenu zubereitet, wird gemeinsam gegessen und zwar mit möglichst vielen „mmmmmhhhhh“ und „lecker!“.

Letzteres sollte bei jedem gemeinsamen Essen eine goldene Regel sein: Es wird in Ruhe gegessen und es darf keiner etwas anderes tun, weder telefonieren noch sms-schreiben und dergleichen. Man unterhält sich, man frägt nach ganz alltäglichen Dingen und zeigt sein Interesse am Anderen. So versucht man, den Kindern ein paar einfache Regeln der Konversation beizubringen. Das ist eine nicht minder wichtige Grundfähigkeit wie der anständige Umgang mit Messer und Gabel, was jeder Erwachsene beherrschen sollte und deshalb jedes Kind lernen muß.

Allein aus eigenem Antrieb wird sich ein Kind wohl kaum „richtig“ ernähren. Was ist aber nun „richtig“ und was „falsch“?

Fast Food ist falsch. Jedenfalls, wenn es regelmäßig auf den Tisch kommt. Wohlgemerkt, ein Kindergeburtstag im Schnellrestaurant, dagegen ist rein gar nichts einzuwenden, aber sonst ist frisch gekochtes abwechslungsreiches Essen unbedingt vorzuziehen und dabei soll Gemüse und reichlich Obst angeboten werden.

Zuviel Süßes ist falsch. Einem Kind, das von klein auf an Obst anstelle von Süßigkeiten gewöhnt ist, wird viel differenzierter die spezifischen Geschmäcker unterscheiden können. Es wird die übertriebene Süße künstlicher Produkte eher ablehnen als ein Kind, das mit zuviel Zucker aufgewachsen ist. Zucker sollte man nach Möglichkeit durch Honig bzw. braunen Rohrzucker ersetzen. Zu diesem Zweck ist es zu empfehlen, die industriell hergestellten und extra für den Kindergeschmack intensiv beworbenen Produkte wie Kinderquarks, Kinderpuddings, Kindercremes, Kindersüßigkeiten usw. mit großer Vorsicht zu genießen und sorgfältig deren kleingedruckte Liste der Inhaltsstoffe zu beachten. In aller Regel ist ein Joghurt mit frischen Früchten sehr viel besser und gesünder als das entsprechende Industrieprodukt. Kinderschutz- und Verbraucherverbände überlegen schon seit einiger Zeit eine Empfehlung, die aggressive Werbung dafür gesetzlich einzuschränken.

Falsch ist es, den Kinder gesüßte Getränke anzubieten. Kinder sind am besten mit Wasser versorgt und zwar sollten sie reichlich Wasser trinken. Eltern sollten Kinder immer wieder zwischendurch einmal zum Wassertrinken animieren, damit sie es im Eifer des Spiels nicht vergessen. Eltern sollten auf einem Spaziergang oder einem Ausflug auch immer Wasser dabei haben. Das beliebte Salamibrot kann ruhig einmal durch ein paar geschälte und in Scheiben geschnittene Gurken/Paprikaschoten oder gekochte Eier bzw. Obst in allen Variationen ersetzt werden. Schmeckt herrlich erfrischend und auch das bringt verbrauchte Energie im Nu zurück!

Richtig ist es, den Kindern etwa am Abend zum Fernsehen einen schön dekorierten Teller mit verschiedenen geschnittenen Obstsorten anstatt Knabbereien vor die Nase zu stellen. Sie werden schon hinlangen, denn es ist fast wie ein Reflex, dem sie sich kaum entziehen können.
Nicht unproblematisch ist es, wenn Kinder regelmäßig ihr Pausenbrot wieder mit nachhause bringen, sei es, nur einmal angebissen oder sogar komplett unbeachtet. Wieder mal nichts gegessen oder am Kiosk wieder mal Schrott gekauft? Was soll man da machen? Geduldige Aufklärungsarbeit leisten: Immer wieder vor Augen führen, daß gesunde Ernährung wichtig ist und ein Zuviel an Kohlehydraten und Süßigkeiten und zu wenig Eiweiß nicht groß und stark macht, sondern fett. Dazu muß man Kindern frühzeitig erklären, was diese Begriffe bedeuten, wie sie im Körper wirken und was ein wachsender Organismus alles braucht.

Dabei soll das Ganze nicht zu ernsthaft wein, denn Kinder mögen nichts lieber als lustige Geschichten. Wie wäre es mit der Geschichte der Oma, die nur Sachen aß, die sich noch daran erinnern konnten, woher sie kamen. Ein Apfel z.B. weiß genau, auf welchem Baum er hing und ob er von einer Erntemaschine oder einer Kinderhand gepflückt worden ist. Ein Lolli mit Apfelgeschmack kann das nicht (Lollis sind nicht sonderlich intelligent)…oder Kartoffeln, sie erinnern sich genau, in welchem Feld sie aufgewachsen sind, aber der Kartoffelchip weiß das halt nicht mehr. Er kann sich ja schließlich nicht so viele Dinge merken, wie er z.B. in die Chipsfabrik gekommen ist, wie heiß das Fett war in dem Kessel, in dem er frittiert worden ist und so weiter.

Kinder richtig zu ernähren, ist eine schwierige Gratwanderung. Am besten fangen wir bei uns selbst an, denn mit gutem Beispiel voranzugehen, ist noch immer die beste Erziehungsmethode.

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