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Warum es nicht nur schnelles Essen, sondern auch schnelles essen zu vermeiden gilt

Nach der Arbeit oder der Schule macht sich häufig der Hunger eindrucksvoll bemerkbar. Schon auf dem Weg nach Hause rumpelt und pumpelt es im Magen. In vielen Haushalten bleibt dann, erst einmal Zuhause angekommen, keine Zeit, um großartig zu kochen. Wasser auf dem Herd erhitzen, Fertigpulver einrühren und dann runter damit – und das möglichst schnell.

Wer an dieser Schilderung einer typischen Alltagssituationen nicht nur einen, sondern zwei Fehler gefunden hat, ahnt vermutlich schon, um was es im Folgenden gehen soll.

Schnelles Essen und schnelles essen

Dass schnelles Essen, besser bekannt als „Fast Food“, für den Körper alles andere als gesund ist, ist längst klar und jedem bewusst, wenngleich die Verkaufszahlen großer Fast Food-Ketten eine andere Geschichte erzählen möchten. Ein anderes, mindestens genauso großes Problem ist jedoch die Art und Weise wie wir essen.

Das Problem

Die meisten Menschen führen einen hektischen Alltag oder vielmehr führt der Alltag sie. Fast Food-Produkte, Tütensuppen und andere Fertiggerichte sind die Antwort auf unser stetiges Verlangen, etwas, das (vermeintlich) schmeckt, möglichst schnell auf den Teller zu bringen, ohne dabei vorher viel schnippeln zu müssen und zu viel Zeit zu „verschwenden“. Genauso schnell wie das Essen auf dem Teller ist, haben wir es auch schon wieder in uns hinein geschaufelt, denn schließlich steht ja auch schon der nächste Punkt auf dem Tagesplan, da bleibt einfach keine Zeit.

Slow Food

Slow Food ©iStockphoto/utkamandarinka

Die Folgen des Problems

Auch wenn alle Menschen über ein äußerst erstaunlich arbeitendes Gehirn verfügen, braucht es auch seine Zeit, um zu erkennen, wann Schluss ist. Dabei ist mit „Schluss“ nicht so viel gemeint wie Schluss, aus, tot, sondern das Sättigungsgefühl beim Essen. Je schneller wir essen, desto weniger Zeit geben wir dem Gehirn zu erkennen, dass wir im wahrsten Sinne des Wortes voll sind und nichts mehr hinein möchte. Isst man schnell, ist die Konsequenz daraus also zum einen ein unausstehliches Völlegefühl, quasi ein „übervoll“ sein. Das ist jedoch nur die geringste Konsequenz vom schnellen essen.

Eine zweite Konsequenz, häufig einfach unter „Magenbeschwerden“ gefasst, besteht in der Problematik mit der Verdauung. Wer schnell isst, muss zwangsläufig auch weniger kauen, denn schnell essen und genauso schnell kauen wie jemand, der in einem angemessenen Tempo isst, schließt sich gegenseitig aus. Es gibt nur zwei Optionen: Entweder langsam essen und viel kauen oder schnell essen und wenig kauen. Das Problem im letzteren besteht darin: Insbesondere Lebensmittel wie Brot, Kartoffeln, Nudeln und Reis, also Lebensmittel die viele Kohlenhydrate enthalten, erfordern ein vielfaches Kauen. Wer im Biologie-Unterricht gut aufgepasst hat weiß schließlich, dass die Verdauung bereits im Mundraum beginnt. Hier werden die Kohlenhydrate beim Kauen mittels des Speichels in Disaccharide (Doppelzucker) aufgespalten. (Wer es testen möchte: Brot, das sehr lange gekaut wird, schmeckt irgendwann süß.) Warum das die Verdauung unterstützt? Weil der „Rest“ des Verdauungstraktes automatisch weniger zu tun hat und seine Arbeit adäquat erledigen kann.

Eine dritte Konsequenz ist die mangelnde Zufuhr von wichtigen Nahrungsbestandteilen und das bezieht sich nicht nur auf Fertigprodukte, die ohnehin arm an Vitalstoffen sind, sondern auch auf gesunde Lebensmittel. Manche für den Körper essentiellen Nahrungsbestandteile werden nur durch sorgfältiges kauen aufgespalten und freigesetzt. Wer nicht ausreichend kaut, verwehrt seinem Körper diese Stoffe. Das wiederum hat zur Folge, dass der Körper dem Gehirn schneller wieder signalisiert: „Ich habe Hunger!“. Leicht verständlich, denn die Energielieferanten der Nahrung hat er nicht bekommen.

Diese Konsequenzen-Liste ließe sich noch ewig weiterführen, denn es gibt zahlreiche Konsequenzen, die ungenügendes Kauen mit sich bringt. Diejenige, die jedoch die meisten Menschen interessiert ist die Gewichtszunahme. Wer zu schnell isst und zu wenig kaut, wird dick. Kein Wunder, denn denkt man allein an den Spruch: „Was du heute kannst besorgen, das verschiebe nicht auf morgen“ und ihn weiterdichtet mit der Begründung: „denn dann hast du mehr zu tun und kannst deine Arbeit nicht gewissenhaft, sondern nur noch oberflächlich erledigen“, erschließt sich die Logik des Körpers: Das Gehirn bemerkt nicht rechtzeitig, wann es genug ist. Es bekommt viel zu viel Nahrung mit der nicht nur es selbst, sondern der ganze Stoffwechsel nicht umgehen kann. Wichtige Nährstoffe werden dem Körper vorenthalten; er hat schneller wieder Hunger und die Nahrung wird nicht richtig verdaut, die Folge – wir werden dick. Doch wie dagegen angehen und woher weiß man überhaupt, ob man schnell isst oder nicht?

Esse ich zu schnell?

Um herauszufinden, ob man selbst zu schnell isst, gibt es eine ganz einfache Lösung: Sich einfach zusammen mit anderen Menschen zur Mittagszeit an einen Tisch setzen und beobachten, ob man selbst schneller mit dem Essen fertig ist als die anderen. Natürlich birgt das die Gefahr, dass alle versammelten Personen Schnell-Esser sind, deshalb sollte dieser Ort auch nicht unbedingt der Aufenthaltsraum bei der Arbeit oder die Uni-Mensa sein. Auf ein Restaurant zu setzen ist da schon empfehlenswerter.

Nicht direkt über das Essen hermachen

Der Hunger nach einem anstrengenden Tag ist groß und der Wille, ihn möglichst schnell zu beseitigen ebenso. Hier muss sich ein jeder Schnell-Esser in Selbstdisziplin üben. Vorher selbst kochen kann eine gute Möglichkeit sein, sich vorab auf die Mahlzeit vorzubereiten und sich dann, wenn der Teller erst einmal auf dem Tisch steht, nicht sofort darüber herzumachen.

Bewusstes Wahrnehmen von Essen

In vielen Ratgebern zum Thema Abnehmen ist die Rede von einer „bewussten Ernährung“. Mindestens genauso wichtig ist das bewusste Ernähren. Sich während des Kochens vor Augen zu führen, was man gerade kocht, zu riechen, zu sehen und schlussendlich auch beim ausreichenden Kauen bewusst zu schmecken ist für eine gesunde Ernährung unerlässlich.

Sich Raum für Ruhe schaffen

Zum bewussten Essen zählt aber auch, dass man nicht zwischen Tür und Angel essen sollte und schon gar nicht nebenbei, während man irgendetwas anderes tut. Der Körper wird der Nahrungsaufnahme so nämlich nicht vollständig gewahr und signalisiert schnell wieder, dass er Nahrung möchte. Insbesondere zu den drei Hauptmalzeiten gilt es, sich einen Platz zu suchen, an dem Ruhe herrscht. D. h. der Fernseher läuft nicht, der Computer ist ausgeschaltet und auch das Smartphone rückt in weite Ferne.

Richtig kauen, wenn es angebracht ist

Eine Hühnersuppe muss selbsterklärend nicht gekaut werden, es spricht jedoch auch nichts dagegen, sie nicht in einem Zug zu trinken. Anders sieht es mit den bereits genannten kohlenhydrathaltigen Lebensmitteln aus. Jeder Bissen sollte mindestens zwanzig Mal gekaut werden. Dabei kann es hilfreich sein, die Bissen mitzuzählen, um tatsächlich ein Gefühl für die richtige Taktik des Kauens zu bekommen.

Wenn es doch allzu schwer fällt

Schnell-Esser verfallen auch schnell wieder in alte Muster. Die ersten Bissen werden noch mit langen Kauvorgängen bedacht und die letzten wiederum nicht. Wer merkt, dass er Schwierigkeiten mit dem langsamen Essen hat, kann sich ganz einfach selbst disziplinieren: Dazu einfach nach jedem Bissen das Besteck neben den Teller legen, zwanzig Mal kauen und erst dann wieder zum Besteck greifen und weiteressen.

Rückschläge akzeptieren und daraus lernen

Es fällt schwer, Eigenarten, die man sich von klein auf angeeignet hat, einmal abzulegen. Schnelles Essen und wenig kauen ist eine Eigenart, die nur schwer abzulegen ist. Gelingt es mal nicht, hat das jedoch nicht gleich fatale Auswirkungen. Wer während des Essens merkt, dass er schon wieder mehr schlingt als isst, hat bereits einen guten Schritt vorwärts gemacht und kann sich ab diesem Punkt wieder selbst disziplinieren. Hat es dann jedoch erst einmal geklappt, stellen sich auch die ersten Erfolge ein.

Krankheiten werden automatisch vorgebeugt

In Industrieländern ist Diabetes inzwischen zur Volkskrankheit geworden; mehr als vier Millionen Menschen allein in Deutschland leiden unter den Erscheinungen von Diabetes und die Dunkelziffer ist noch um einiges höher. Diabetes Typ 2, die sogenannte Altersdiabetes, kann durch das richtige Essen vorgebeugt werden, also auch durch das richtige Kauen. Gleiches gilt für Bluthochdruck aufgrund von Störungen im Fettstoffwechsel und für Fettleibigkeit.

Das Immunsystem stärkend

Dass viel Kauen diesen oben genannten Krankheiten vorbeugt hat einen Grund und diesen erschloss Wilfried Bieger, Stoffwechselforscher in München. Er erklärt, dass die Ursache in der Freisetzung von Speichel liegt. Wer mehr kaut, produziert auch mehr Speichel und der wiederum enthält Lymphflüssigkeit. Lymphflüssigkeit ist dafür zuständig, im Magen-Darm-Kanal die Abwehrzellen zu aktivieren und die sorgen ihrerseits dafür, den Körper vor typischen Krankheiten von Fettleibigen zu bewahren.

Bildung von Bauchfett vermeidend

Der selbe Stoffwechselforscher fand außerdem heraus, dass bei häufigem Kauen der Insulinanstieg im Körper wesentlich geringer ist als bei Vergleichspersonen, die ihre Mahlzeiten weniger oft gekaut haben. Der nur minimale Blutzuckeranstieg bei häufigem Kauen kann dafür sorgen, dass der Bildung von Bauchfett entgegengewirkt wird.

Weniger Bauchfett = weniger andere Krankheiten

Die Spirale dreht sich jedoch noch weiter! Bauchfett ist der Auslöser für viele weitere Volkskrankheiten. Wer der Bildung von Bauchfett vorsorgt, beugt damit auch gleichzeitig Krebs, Arteriosklerose und Herz-Kreislauferkrankungen vor.

Fazit

Dass die richtige Art zu essen sich in allerhand Bereichen des Lebens auswirkt, ist bereits wissenschaftlich belegt worden. Dabei ist noch nicht einmal die strenge Einhaltung eines Ernährungsplans vonnöten, der nur fettarme Lebensmittel vorschreibt. Mit ein bisschen Selbstdisziplin und viel kauen kann jeder sein Wunschgewicht erreichen, Krankheiten vorbeugen und gesünder leben.