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Abnehmen mit Trennkost

Alles begann im Jahr 1907 in Amerika. Dr. Howard Hay war schwer nierenkrank und alle Ärzte hatten ihn bereits aufgegeben. Er aber wollte sich damit nicht abfinden und begann, sich intensiv mit Ernährungs- und Naturheilkunde auseinanderzusetzen. Daraufhin stellte er seine Ernährung um – und genas vollkommen. Er hatte die Trennkost, die zeitlich getrennte Aufnahme eiweißhaltiger und kohlenhydrathaltiger Nahrung, entdeckt. Er war leistungsfähiger als je zuvor und fasste seine bahnbrechenden Erkenntnisse in mehreren Büchern zusammen. Auf sein bekanntestes Werk, „A new health era“, stieß dann im Jahr 1939 zufällig ein deutscher Arzt namens Dr. Ludwig Walb, der nun die Patienten in seiner Klinik in Homberg/Ohm danach behandelte. Bei über 90 % verbesserte sich der Gesundheitszustand immens. Leider boykottierten viele Ärzte die Trennkost, da sie in ihren Augen viel zu einfach sei. In den 1970er Jahren aber erlebte die diese bewusste und vielseitige Ernährungsform eine Wiedergeburt.

Drei Nahrungsmittelgruppen, zahllose Kombinationen

Das System der Trennkost fußt auf der Unterteilung der Nahrung in drei Gruppen, die Kohlenhydratgruppe, die Eiweißgruppe und die neutrale Gruppe. Produkte aus der Kohlenhydrat- und der Eiweißgruppe sollen nicht zusammen verzehrt werden, dürfen aber mit solchen aus der neutralen Gruppe beliebig kombiniert werden. Die Faustregel ist hier, dass 4 Stunden zwischen dem Genuss von eiweißhaltigen und kohlenhydrathaltigen Lebensmitteln liegen. Da die neutrale Gruppe äußerst umfangreich ist, bürdet man sich mit der Trennkost keine strenge und einseitige Diät auf, sondern stellt sich vielmehr auf eine vielfältige und dennoch bewusste Ernährungsweise um. So bleibt das Essen nach wie vor genussvoll, denn Verzicht gibt es nicht – alleine die Kombination der Lebensmittel ist von Bedeutung.

Wer liefert was?

Bei vielen Produkten wissen wir genau, ob sie nun Eiweiß oder Kohlenhydrate enthalten. Kartoffeln beispielsweise sind ein klarer Kohlenhydratlieferant, während Fleisch viel tierisches Eiweiß enthält. Dennoch lohnt sich eine intensive Beschäftigung mit dem, was man täglich zu sich nimmt. Denn manches Nahrungsmittel kann uns bezüglich seiner Inhaltsstoffe überraschen. Folgende Auswahl gewährt uns einen ersten Einblick.

Kohlenhydrate

Neben den oben erwähnten Kartoffeln enthält auch der Grünkohl eine ganze Menge Kohlenhydrate. Zu ihm gesellen sich bestimmte Früchte wie Bananen, Datteln und Feigen. Selbstverständlich fallen auch sämtliche Getreidesorten und deren Endprodukte (unter anderem Nudeln, Brot, Bier) und Süßungsmittel wie Zucker, Honig und Ahornsirup in die Kohlenhydratgruppe.

Eiweiß

In die Kategorie „Eiweiß“ gehören natürlich alle Fleischsorten und auch Fisch und Meeresfrüchte. Auch viele andere tierische Produkte wie Eier und Milch sind Eiweißlieferanten. Soja und Sojaprodukte wie Tofu sind ebenso in dieser Gruppe zu finden wie viele Weine und Sekte. Den größten Anteil der Eiweißgruppe liefert aber die Obstabteilung. Fast alle Obstsorten, die nicht in der Kohlenhydratgruppe zu finden sind, haben ihren Platz bei den Eiweißen: Ananas, Äpfel, sämtliches Steinobst wie Mangos, Nektarinen und Pflaumen, Erdbeeren, Himbeeren und Johannisbeeren, zudem Birnen, Guaven, Kiwis, Lychees, Mandarinen, Melonen, Weintrauben und Zitrusfrüchte. Daher zählen auch die Fruchtsäfte zur Eiweißgruppe.

Trennkost

Trennkost ©iStockphoto/photosicon

Neutrale Lebensmittel

Die neutrale Gruppe gewährt uns die größten Freiheiten. Überraschenderweise finden sämtliche Wurstsorten ihren Platz nicht wie das Fleisch in der Eiweißgruppe, sondern bei den neutralen Lebensmitteln. „Roh ist neutral“ scheint die Devise zu sein, denn auch roher und geräucherter Fisch ist hier zu finden. Tierische und pflanzliche Fette wie Butter und Margarine können ebenso nach Belieben verwendet werden. Mit Pilzen, Salaten, Joghurt, Oliven, Nüssen, Kaffee, Mineralwasser, Kräutertee und vielem mehr ließe sich diese Liste noch lange weiterführen.

Wie wirkt die Trennkost auf den Körper?

Die Trennkost, die auf den ersten Blick schwer durchführbar scheint, entpuppt sich als Paradies der Kombinationen. Spannende Rezepte, ungewöhnliche Varianten, aber auch Althergebrachtes wartet darauf, (wieder)entdeckt zu werden. Dadurch, dass Kohlenhydrate und Eiweiße getrennt voneinander verzehrt werden, verdaut der Körper sie jeweils schneller und die Mahlzeiten „setzen weniger an“, wie man im Volksmund sagt. Der Fettstoffwechsel wird angekurbelt, der Körper wird entschlackt und auch Verdauungsprobleme lassen sich so beseitigen. Außerdem schwächt die Trennung in Eiweiße und Kohlenhydrate den Körper nicht, so wie es viele einseitige Ernährungsweisen tun. Im Gegenteil: Dadurch, dass weniger Nahrung in Fett und mehr Nahrung in Energie umgewandelt wird, erfahren Körper und Geist eine Leistungssteigerung und auch das Immunsystem arbeitet wieder besser. Zudem werden die Organe geschont und die Verdauungssäfte werden regelrecht gebildet. Dr. Hay ging außerdem davon aus, dass die Ursache der meisten Krankheiten in unserer Zivilisation eine Übersäuerung des Körpers sei. Daher richten sich die Mahlzeiten bei einer Ernährung nach Trennkostrichtlinien auch nach dem Säure-Basen-Haushalt des Körpers. Eine gemeinsame Aufnahme von Kohlenhydraten und Eiweißen, so Hay, würde diese Übersäuerung unterstützen beziehungsweise hervorrufen.

Die Kilos purzeln

Der größte Gewinn einer Ernährung mit Trennkost ist aber sicher für viele Menschen die Gewichtsabnahme. Wer Übergewicht hat und dieses loswerden möchte, hat mit Trennkost, wie bereits oben erwähnt, gute Karten. Psychologisch gesehen ist es wichtig, dass ein Mensch, der unter Übergewicht körperlich und seelisch leidet, sich nicht auch noch strengen, einseitigen und undurchsichtigen Diätmaßnahmen unterzieht, nach deren Beendigung der Yoyo-Effekt hinter der nächsten Ecke lauert. Wer dauerhaft Gewicht verlieren und Lebensqualität gewinnen möchte, dem bleibt nur eine Ernährungsumstellung, die auf Dauer zu keinen Mangelerscheinungen führt. Wer sich nach Trennkostrichtlinien ernährt, dessen Körper bekommt auch weiterhin alle wichtigen Nährstoffe zugeführt. Die Gewichtsabnahme erfolgt langsam, denn das ist für den Körper natürlicher als jede Blitzdiät. Wer binnen einiger Wochen 2 bis 3 Kilogramm verliert, kann sich sicher sein, dass diese auch langfristig unten bleiben.

Trennkost im Alltag

Auch im Alltag ist die Trennkost leichter umsetzbar als so manche Suppendiät. Denn in jedem Restaurant kann man darum bitten, anstatt der Kartoffeln zum Schnitzel mehr Salat zu bekommen. Zuhause führt die Trennkost vermutlich zu großer Experimentierfreude und zu immer neuen Ideen. Auch in Kantine oder Mensa dürfte es nicht allzu schwer sein, darum zu bitten, dass man die Nudeln durch Gemüse ersetze. Durchhaltevermögen und Kreativität sind gefragt!

Nachhaltig abnehmen, gesünder leben

Wer sich für die Trennkost entscheidet, hat eine gesunde, natürliche Ernährungsweise an der Hand, die nicht auf Verzicht, sondern auf gezielte Zusammenstellung der Lebensmittel baut. Diese Art der Ernährung macht Spaß, ist unkompliziert und nicht teurer als der normale Lebensmittelverbrauch, denn alle Zutaten lassen sich m gewöhnlichen Supermarkt kaufen. Mit Trennkost ist es möglich – vor allem in Kombination mit ausreichend Bewegung – nachhaltig an Gewicht zu verlieren. Der Körper stellt sich langsam auf die veränderte Art der Ernährung um, nimmt diese dann aber kompromisslos an und wird spürbar gesünder, schlanker und leistungsstärker.


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