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Smoothies – Wirklich gesund oder überflüssig?

Um gesund zu bleiben und mit allen nötigen Vitaminen und Mineralstoffen versorgt zu sein, empfehlen Ernährungsexperten den täglichen Verzehr von mindestens fünf Portionen Obst und Gemüse. Dies entspricht in den westlichen Industrienationen einer Menge von circa 650 Gramm täglich. Viele Menschen möchten diese Empfehlung durchaus berücksichtigen, vergessen jedoch im Zuge ihres hektischen Lebensalltags, zwischendurch einen Apfel zu genießen oder haben schlichtweg keine Zeit dafür, morgens ein Müsli mit frischem Obst und abends ein Gemüsegericht zuzubereiten. Die Nahrungsmittelindustrie wurde vor einigen Jahren auf dieses moderne Dilemma aufmerksam und bietet seither unterschiedliche Smoothies an, die laut Herstellern eine geballte Ladung an Obst und Gemüse enthalten. Diese bunten und wohlschmeckenden Trendgetränke werden als gesund und vitaminreich beworben und sind heute im Kühlregal jedes Supermarktes in unterschiedlichen Sorten und Farben erhältlich. Die Produzenten geben an, dass in jedem dieser Fläschchen bis zu drei Portionen Obst und Gemüse, und neuerdings auch mineralstoffreiche Pflanzenextrakte enthalten sind. Dies hört sich nach einem perfekten Ersatz für dieselbe Menge an frischem Obst und Gemüse an und scheint gerade für Menschen, die im Büro keine Zeit für bewusstes Essen haben, die ideale Lösung zu sein. Laut Ernährungsexperten sollte ein Smoothie jedoch nur gelegentlich auf dem Speiseplan stehen und ersetzt keinesfalls einen frisch zubereiteten Obstsalat oder einen Naturjoghurt mit bunten Beeren. Wer hin und wieder einen Smoothie genießt, sollte genau auf die am Etikett angegebenen Zutaten achten, denn die Qualitätsunterschiede der einzelnen Hersteller sind bei genauem Hinsehen enorm.

Wesentlich weniger Nährstoffe als im Frischobst

Die fruchtigen Smoothies, die laut Herstellerangaben mehrere Sorten Obst und Gemüse enthalten, bleiben bei intaktem Verschluss und kühler Lagerung oft bis zu vier Wochen Wochen haltbar. Frisches Obst und Gemüse verdirbt nach dem Aufschnitt relativ schnell. Deshalb ist logisch, dass bei der Herstellung von Smoothies verschiedene Verarbeitungsprozesse nötig sind, um die pflanzlichen Inhaltsstoffe zu konservieren. Smoothies werden daher pasteurisiert, also wie Milch kurz erhitzt, um bestimmte Keime wie Bakterien oder Pilzsporen abzutöten. Ein Großteil der in pflanzlichen Lebensmitteln enthaltenen Vitamine, allen voran das antioxidativ wirkende Vitamin C, aber auch die wertvolle Folsäure und andere wasserlösliche Vitamine sowie viele sekundäre Pflanzenstoffe zerfallen durch Hitzeeinwirkung. Daher enthält frisch verzehrte Rohkost ungleich mehr Nährstoffe als ein aus derselben Menge zubereiteter Smoothie aus dem Kühlregal. Zusätzlich befinden sich die relevanten Inhaltsstoffe vieler Obst- und Gemüsesorten in oder direkt unter der Schale, die bei der Herstellung von Smoothies nicht mitverarbeitet wird. Die meisten dieser Getränke bestehen nicht nur aus püriertem Fruchtfleisch, sondern auch aus Säften, um die leicht trinkbare Konsistenz zu erreichen. Diese Säfte entpuppen sich bei genauem Studium der Zutatenlisten oft als nicht direkt gepresst, sondern als Produkte aus Konzentraten, die durch die industriellen Verarbeitungsprozesse keinerlei Vitamine und Mineralstoffe mehr enthalten. Viele Hersteller setzen ihren Smoothies auch künstliche Aromen und andere Zusatzstoffe oder Zucker zu, die in solchen Getränken eigentlich nichts verloren haben. Auch künstlich hergestellte Vitamine finden sich oft auf den langen Zutatenlisten, diese werden jedoch kaum vom Organismus verwertet, wie zahlreiche Studien belegen.

Da der Begriff Smoothie nicht eindeutig definiert, dass für solche Getränke nur frische Ware verarbeitet werden darf, ist die Bandbreite an unterschiedlichen Inhaltsstoffen enorm. Es ist gesetzlich nicht geregelt, wie hoch der Fruchtanteil in einem solchen Getränk sein muss und welche Inhaltsstoffe nicht verwendet werden dürfen. Daher sind die Verbraucher den werbenden und oft unrealistischen Versprechen der Hersteller ausgeliefert. Für den gesundheitsbewussten Konsumenten bedeutet dies, die Angaben auf dem Etikett genau zu studieren und nur Produkte zu wählen, die zu einem überwiegenden Teil aus Fruchtfleisch in Form von Püree bestehen, dem ausschließlich direkt gepresste Säfte beigemengt werden.

Smoothie

Smoothie ©iStockphoto/mariemilyphotos

Der Smoothie als Kalorienfalle

Smoothies werden von den Herstellern gerne als wichtiger Beitrag zu einer gesunden und figurfreundlichen Ernährung beworben. Obst gilt trotz des hohen Gehaltes an Fruchtzucker als idealer kalorienarmer Snack für zwischendurch. Wie Gemüse enthält auch Obst einen hohen Anteil an Ballaststoffen, die im Darm aufquellen und dadurch ein Signal ans Gehirn senden, das der Mensch als Sättigungsgefühl wahrnimmt. Zudem muss Rohkost lange gekaut werden, wodurch sich ebenfalls ein schneller Sättigungseffekt ergibt. Regelmäßig in roher Form verzehrtes Obst und Gemüse beugt durch die darin enthaltenen Fasern Heißhungerattacken wirksam vor und hemmt dadurch den übermäßigen Konsum von süßen und fettigen Speisen. Die Pflanzenfasern in Smoothies sind bereits so stark zerkleinert, dass sie den Verdauungstrakt passieren, ohne zerlegt zu werden. Smoothies werden im Gegensatz zu einem Obstsalat oder einem Apfel daher vom Körper nicht als Mahlzeiten, sondern als Flüssigkeit wahrgenommen, obwohl sie einen vergleichsweise hohen Kaloriengehalt und Nährwert aufweisen. Der Organismus kann Energie in Flüssigkeit nicht so effizient verwerten wie aus festen Lebensmitteln, was ebenfalls dazu beiträgt, dass der Sättigungseffekt deutlich vermindert und verspätet wahrnehmbar ist. Um nicht in die Kalorienfalle zu tappen, ist es daher wichtig, einen Smoothie nicht als Erfrischungsgetränk für zwischendurch, sondern als eine richtige Mahlzeit zu betrachten.
Der in frischem Obst enthaltene Fruchtzucker ist grundsätzlich unproblematisch, da dem Körper gleichzeitig ausreichend Vitamine und Mineralstoffe zugeführt werden. Diese bewirken, dass der Blutzuckerspiegel reguliert wird und es zu keinen starken Schwankungen kommt, die auf lange Sicht die Entstehung von Stoffwechselerkrankungen wie Diabetes und Übergewicht begünstigen können. Da ein Großteil der in den pflanzlichen Lebensmitteln enthaltenen aktiven Nährstoffe jedoch im Zuge der industriellen Verarbeitung zerstört wird, kann der Körper den Fruchtzucker wesentlich schlechter verwerten. Hinzu kommt, dass die Hersteller für die Produktion dieser Getränke bewusst zuckerreiche Obstsorten auswählen, um den Geschmack attraktiver zu gestalten. Seit einigen Jahren investiert die Lebensmittelindustrie auf internationaler Ebene sehr viel Geld in Marketing-Kampagnen, um grüne Smoothies als Gesundheits- und Schönheitselixiere zu bewerben. Diese unterscheiden sich von herkömmlichen Fruchtsmoothies mit Gemüseanteil dadurch, dass sie auch püriertes Blattgemüse, Sellerie und andere grüne Gemüsesorten sowie Kräuter enthalten, die als sogenannte „Superfoods“ gelten. Die gesundheitsfördernde Wirkung von grünem Gemüse beruht auf den grünen Pflanzenfarbstoffen und Vitaminen, die jedoch durch die Pasteurisierung zum Großteil zerfallen. Darüber hinaus bestehen auch grüne Smoothies hauptsächlich aus süßen Obstsorten, um die teilweise bitteren oder ungewohnten Geschmacksstoffe im rohen Gemüse zu überdecken. Der hohe Gehalt an Zucker und Fruchtsäuren stellt bei regelmäßigem Konsum auch eine nicht zu unterschätzende Gefahr für die Zahngesundheit dar. Wenn Obst und Gemüse lange gekaut wird, regt dies den Speichelfluss an und die Säuren können den Zahnschmelz nicht oder nur vermindert angreifen. Durch das Trinken von Smoothies werden die Zähne jedoch von den Fruchtsäuren und dem Zucker umspült, was bei regelmäßigem Verzehr zur Entstehung von Karies und anderen Erkrankungen der Mundhöhle führen kann.

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Verlust einer bewussten Esskultur

Menschen, die von morgens bis abends im Büro sitzen, können selten die Zeit und Energie aufbringen, in der Früh frisches Obst aufzuschneiden und mit einem Vollwertmüsli bewusst zu genießen oder am Abend Gemüse zu dünsten, um ein buntes und ausgewogenes Gericht zuzubereiten. Stattdessen müssen oft morgens Sandwiches mit Schinken und am Abend Fertiggerichte genügen. In den westlichen Industrienationen nehmen die Menschen viel zu wenig frisches Obst und Gemüse zu sich, weshalb viele unter ständigem Vitaminmangel leiden. Die Angaben auf dem kleinen Smoothie-Fläschchen klingen daher sehr verlockend. In gerade einmal zweihundert Millilitern verstecken sich laut Herstellern beispielsweise drei Orangen, eine halbe Banane, vier Erdbeeren, eine viertel Mango und eine Maracuja, die fertig zubereitet sind und innerhalb weniger Minuten einfach unterwegs verzehrt werden können. Wer diese Art des Ersatzes zum Teil des Alltags macht, verliert jedoch langfristig gesehen den Bezug zu pflanzlicher Kost und die Fähigkeit, die von der Natur bereitgestellten, saisonalen Lebensmittel zuzubereiten und bewusst zu genießen. Dadurch kann es nicht nur zu generell einseitiger und vitaminarmer Ernährung kommen, sondern auch langfristig gesehen zu Übergewicht.

Wirtschaftliche und ökologische Aspekte

Wer regelmäßig Smoothies aus dem Supermarkt trinkt, sollte sich stets vor Augen halten, damit ein industriell gefertigtes Lebensmittel mit einem gewissen Anteil an Zusatzstoffen zu sich zu nehmen. Der Konsument kann nicht nachverfolgen, wie lange das dafür verwendete Obst und Gemüse transportiert und gelagert wurde und ob Konservierungsstoffe zugesetzt sind. Zudem müssen die pflanzlichen Zutaten nicht aus biologischer oder gar Fair-Trade-Landwirtschaft stammen, was bedeutet, dass die Herkunft unbekannt und der Gehalt an Pestiziden und Herbiziden für den Verbraucher nicht feststellbar sind. Auch das für die Produktion der Flaschen verwendete Plastik ist nicht unbedenklich. Viele Menschen trinken Smoothies wie andere Säfte unterwegs direkt aus der Flasche und nehmen dabei Plastikmoleküle auf, die neuesten Erkenntnissen zufolge der Gesundheit schaden können. Abfall aus Plastik verunreinigt die Umwelt und führt zur Vergiftung der Gewässer. Wer als gesundheits- und naturbewusster Mensch leben möchte, sollte daher den regelmäßigen Konsum der ökologisch äußerst bedenklichen „Vitaminbomben“ hinterfragen. Smoothies sind zudem im Vergleich zu frischem Obst und Gemüse sehr teuer. Ein kleines Fläschchen eines etablierten Markenherstellers kostet im Durchschnitt um die zwei Euro. Um dieses Geld bekommt man bereits ein Kilo Äpfel und ein Netz Orangen.

Frisch, vitaminreich und naturbelassen – Der selbstgemachte Smoothie

Fans der fruchtigen Getränke können ihre Lieblings-Smoothies auch selbst wesentlich günstiger zubereiten und dabei viele neue Geschmackskombinationen ausprobieren. Alles, was man dazu benötigt, sind ein Standmixer, eine Saftpresse und viel frisches Obst und Gemüse. Durch Zutaten wie Kokosmilch, Naturjoghurt oder Haferflocken ergibt sich eine eiweißreiche und sättigende Mahlzeit, die am Morgen für einen frischen Energiekick sorgt. Selbst zubereitete Smoothies bringen zudem den Vorteil, dass regionale und saisonale Sorten gewählt werden können, die aus biologischer Landwirtschaft stammen und durch kürzere Transportwege mehr Vitamine und Mineralstoffe enthalten. Für Menschen, die nicht gerne Gemüse in roher Form essen, kann auch ein Entsafter eine sinnvolle Investition darstellen, mit dem in wenigen Minuten ein nährstoffreicher Karotten- oder Rote-Bete-Saft hergestellt werden kann. Gemüsesäfte sind pur ein Genuss, können aber auch als Zutat für selbstgemachte Smoothies verwendet werden.

Grundsätzlich spricht nichts dagegen, hin und wieder einen hochwertigen Smoothie aus dem Kühlregal des Supermarktes zu genießen, wenn gerade kein frisches Obst oder Gemüse zur Verfügung steht. Dies sollte jedoch nicht zur Gewohnheit werden, denn nur frische pflanzliche Lebensmittel, die in einem ausgewogenen Verhältnis in den abwechslungsreichen Speiseplan integriert werden, versorgen den Organismus mit all den wichtigen Vitaminen, Spurenelementen, Mineralstoffen, sekundären Pflanzenstoffen und Ballaststoffen, die er zur Aufrechterhaltung der Gesundheit benötigt.

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