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Lecithin

Lecithine – ein Wundermittel?

Lebensmittelindustrie, Kosmetik, Bekleidungsherstellung und vieles mehr: Lecithine scheinen wahre Allrounder zu sein. Ihre Anwendungsgebiete sind vielfältig. In letzter Zeit wurden die auch für den Körper essenziellen chemischen Verbindungen für die Aspekte Diät und Ernährung entdeckt. Sie sollen den Fettabbau beschleunigen, den Appetit dämpfen und grundsätzlich gesund sein – echte Wundermittel eben. Doch sind diese Erwartungen gerechtfertigt? Oder birgt zum Beispiel eine gezielte Einnahme von entsprechenden Nahrungsergänzungsmitteln, um einen Gewichtsverlust zu erreichen, womöglich auch Gefahren? Handelt es sich tatsächlich um eine brandheiße Entdeckung oder doch nur um einen neuen Hype rund um das Thema Diät?

Eine kurze theoretische Einführung

Zunächst stellt sich die Frage: Warum sind Lecithine eigentlich für den Körper so wichtig? Was bewirken sie? Die Antwort ist komplex: Es handelt sich dabei um sog. Phospholipide, die sich aus Glycerin, Phosphorsäure, ungesättigten Fettsäuren und Cholin zusammensetzen. Der Organismus benötigt sie für den Zellaufbau, für den Stoffwechsel im Gehirn, für Gedächtnis und Konzentration, für die Regulation des Cholesterins im Blut – und für einen funktionierenden Fetttransport. Denn wasserunlösliche Fetttröpfchen müssen erst zerlegt werden, damit die Verdauung beginnen kann. Außerdem kann das darin enthaltene Cholin überschüssiges Fett in der Leber abbauen. Letztere Eigenschaften dieser chemischen Verbindungen werden daher inzwischen von einigen Ernährungscoaches und einschlägigen Anbietern als DER Schlüssel für ein einfaches, gesundes und dauerhaftes Abnehmen gehandelt.

Hilft Lecithin tatsächlich beim Abnehmen?

Phospholipide sind notwendig für einen funktionierenden Fetthaushalt – darin sind sich alle Wissenschaftler einig. Obwohl viele Experten jedoch davon ausgehen, dass dem Körper durch eine ausgewogene Ernährung genügend zugeführt wird, schwören andere auf Nahrungsergänzungsmittel. Auch Mini-Spritzen mit Lecithinen sollen das Fett schmelzen lassen. Was ist nun davon zu halten?

Lecithin

Lecithin ©iStockphoto/pzed

Nahrungsergänzungsmittel

Warum sollen Nahrungsergänzungsmittel mit entsprechenden Inhaltsstoffen den Gewichtsverlust unterstützen? Dies ist eine berechtigte Frage. Die Begründung der Verfechter dieser Theorie: Die unentbehrlichen Phospholipide, die für den Fettstoffwechsel essenziell sind, würden schließlich hauptsächlich durch Fette aufgenommen werden; dadurch komme es insbesondere im Rahmen einer fettarmen Diät zum Mangel. Die Schlussfolgerung lautet daher, dass eine gezielte Nahrungsergänzung beim Abnehmen notwendig ist. Interessanterweise sind es gerade im Internet aber überwiegend die Anbieter entsprechender Mittel, die diesen Aspekt betonen und mit der Aussicht locken, auf scheinbar einfache und gesunde Art und Weise überflüssiges Fett loszuwerden. So sollen zahlreiche Kapseln, Pulver und Granulate den Fettabbau beschleunigen und werden als ultimative Schlankmacher angepriesen. Der wissenschaftliche Beweis für diese Behauptungen steht jedoch aus. So zieht etwa die Verbraucherzentrale Hamburg bezüglich dieser Produkte das Fazit: „Belege für eine gewichtsreduzierende Wirkung gibt es nicht. Bewertung: nicht empfehlenswert.“ Denn obwohl viele der Hersteller, die diese Nahrungsergänzungsmittel anbieten, unterstreichen, es gäbe keine Nebenwirkungen durch die Einnahme, so berichten einige Konsumenten, dass eine erhöhte Zufuhr bei ihnen zu Durchfall und anderen Magen-Darm-Problemen geführt habe.

Wiederum andere Verbraucher haben entsprechende Pulver und Granulate jedoch entdeckt, um dem Appetit ein Schnippchen zu schlagen und um gleichzeitig bessere Konzentrationsleistungen zu erbringen. So soll insbesondere in Phasen starker geistiger Beanspruchung (etwa bei anstehenden Prüfungen) Lecithin dabei helfen, den Hunger auf Süßwaren und andere Knabbereien, die als „Nervennahrung“ gelten und kalorienreich sind, zu dämpfen. Ob dies tatsächlich funktioniert oder nicht, darüber gibt es keine Studien. Manche betonen sogar, das sog. Wundermittel würde den Appetit steigern und wäre somit für eine Diät kontraproduktiv. Angesichts der möglichen Nebenwirkungen bei Überdosierung sollte man daher auf jeden Fall vorsichtig sein bei Experimenten mit Nahrungsergänzungsmitteln.

Die „Fettwegspritze“

Rund 2.000 Menschen haben sich in Deutschland schon mit der sog. „Fettwegspritze“ behandeln lassen. Dabei werden Phospholipide in Form einer Minispritze in Problemzonen eingeführt. Eine Methode, die fast zu schön klingt, um wahr zu sein: Demnach soll es möglich sein, Fettpölsterchen am Kinn, im Nasen-Lippen-Bereich, an der männlichen Brust, an Knien, Unterschenkeln, Oberschenkeln, Fesseln und im Brust-Bach-Hüft-Bereich zuleibe zu rücken, da Phospholipide Fett zersetzen, das dann wiederum über die Lymphe abtransportiert wird. Auch Tränensäcken, Cellulitis und anderen Problemzonen soll man damit den Garaus machen können. Der Vorteil: Die „Fettwegspritze“ funktioniert tatsächlich. Allerdings kann man damit nur kleinere Fettpölsterchen zum Verschwinden bringen. Echtes Übergewicht ist damit nicht behandelbar. Betroffene müssen hier nach wie vor auf die relativ grobe Methode des Fettabsaugens ausweichen. Zudem schlagen die Kosten zu Buche, die der Patient selbst tragen muss: Zwischen 350 und 900 Euro kostet eine Behandlung. Offiziell zugelassen für kosmetische Anwendungen ist die „Fettwegspritze“ noch nicht, es handelt sich vielmehr um einen sog. „off-label-use“. Gleiches gilt aber zum Beispiel auch für Botox, obwohl dieses massenhaft zur Faltenunterspritzung genutzt wird.

Fazit: Ein Wundermittel im Kampf gegen Pfunde?

Ernährungswissenschaftler gehen davon aus, dass täglich 3 bis 4 Gramm des natürlichen Wunderstoffs notwendig sind, damit entsprechende Körperfunktionen reibungslos verlaufen. Manche sprechen auch von 5 Gramm. Männer benötigen dabei mehr als Frauen, ebenso haben Schwangere einen erhöhten Bedarf. Wie deckt man diesen nun am besten, ohne auf Nahrungsergänzungsmittel zurückzugreifen?

Hauptlieferanten für Lecithine sind Sojabohnen, Eidotter, tierische Organe, Hülsenfrüchte, Fisch und Bohnen. Zu einem Teil kann der Körper die Phospholipide auch selbst herstellen. Insbesondere im Rahmen einer ausgewogenen Ernährung zur Reduktion von Gewicht sollte man also darauf achten, dass entsprechende Lebensmittel auf dem Speiseplan stehen.

Wissenschaftliche Beweise dafür, dass mit einer erhöhten Zufuhr Pfunde besser bekämpft werden können, gibt es hingegen nicht. Die einfache Formel für ein dauerhaftes Abnehmen lautet daher immer noch: Ernährung (in Form einer gesunden Mischkost) und Bewegung. Wer kleinere Fettpölsterchen bekämpfen will, kann zwar durchaus auf die „Fettwegspritze“ zurückgreifen – aber auch hier gilt die Devise, dass unliebsame Fettansammlungen bald zurückkommen, wenn es keine grundlegende Umstellung in den Bereichen Ernährung und Bewegung gibt. Auch Lecithine sind trotz ihrer unbestritten wichtigen Funktion daher kein Wundermittel im Kampf gegen Pfunde.


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