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Grüner Kaffee als Diätwunder?

Abnehmen liegt im Trend und ist in der heutigen Gesellschaft eine ganze Branche. Die neue Wunderpille hier, das aktuellste Abnehmkonzept dort: Versprechungen, Geheimtipps, enthüllte Mysterien – wer soll da denn noch durchsehen und die Spreu vom Weizen trennen? Die Werbeindustrie verspricht immer leichtere Wege, seine überflüssigen Pfunde zu verlieren. Kapselns aus grünem Kaffee sind seit einiger Zeit im Gespräch und werden immer wieder als die neue Entdeckung bezeichnet. Der Trend kommt aus den USA und eine Studie der Universität von Scranton in Pennsylvania beweise, dass man ohne weitere Umstellung mit grünen Kaffeebohnen abnehmen könne. Ist dahinter Substanz oder versteckt sich auch hinter diesem Werbeversprechen nur heiße Luft? Hier wird das Geheimnis gelüftet:

Was steckt hinter dem neuen Trend: grün gleich gesund?

Die meisten Menschen lieben Kaffee, weltweit werden 2,5 Milliarden Tassen täglich getrunken, ein Deutscher genießt durchschnittlich 150 Liter pro Jahr. Ob „Arabica“, „Robusta“ oder „Liberica“ – wir sind ein Volk der Kaffeetrinker geworden. Doch die meisten kennen Kaffee nur als braune Bohnen oder Pulver. Aber grüne Bohnen? Dahinter verbirgt sich keine neue Sorte, sondern nur ein fehlender Schritt in der Verarbeitung. Die Kaffeebohnen werden wie gewohnt geerntet. Handelsübliche Sorten werden jedoch danach geröstet, um das Aroma der Kaffeebohnen zu entlocken. Bei der grünen Sorte wird darauf verzichtet. Das macht diesen Kaffee zwar länger haltbar, aber auch weniger geschmackvoll – im Gegenteil: der säuerliche, bittere Geschmack und Geruch hält eher davon ab. Es ist nicht weit verbreitet, dass ungerösteter Kaffee getrunken wird, auch wenn man ihn genauso brühen kann, wie sein gerösteter Verwandter. Im Gegensatz zu grünem Tee ist er kein eigenständiges Getränk, jedoch wird manchen Kaffeemischungen ein gewisser Anteil ungerösteter Bohnen beigemischt. Die grüne Bohnen sind daher häufiger als Extrakt erhältlich – in Form von Kapseln werden sie als Nahrungsergänzungsmittel verkauft.

Grüner Kaffee

Grüner Kaffee ©iStockphoto/EdgarNormal

Die grünen Bohnen: was steckt in ihnen?

In grünem Kaffee stecken die gleichen Substanzen, wie in der gerösteten Kaffeebohne auch, bevor sie vor dem Rösten teilweise zerstört werden. So findet sich hier ebenfalls Koffein, Trigonellin, Proteine (wie Aminosäuren) und etwa die Hälfte sind Kohlenhydrate, die meisten von ihnen Polysacharide. Grüne Kaffeebohnen enthalten wenig Vitamine, aber immerhin noch mehr, als die gerösteten Verwandten, denn durch das Rösten werden Vitamin B1 und Vitamin C zerstört. Auch Lipide sind vorhanden, die jedoch durch das Filtern des Kaffees entzogen werden. Grüne Kaffeebohnen haben einen hohen Anteil an Chlorogensäure – es ist das Lebensmittel mit dem meisten Aneil (durchschnittlich sieben Prozent). Auch dieser Bestandteil wird beim Rösten um einiges vermindert. Die Chlorogensäure ist ein Antioxidans, dem zahlreiche Wirkungen zugeschrieben werden. Im Extrakt aus grünen Kaffeebohnen liegt der Anteil zwischen 45 und 70 Prozent.

Die Wirkung von grünem Kaffee-Extrakt: was passiert im Körper?

In der US-amerikanischen Studie haben 16 übergewichtigen Personen zwischen 22 und 26 Jahren über einen Zeitraum von 22 Wochen täglich eine Kapsel mit dem Extrakt zu sich genommen. Bei einer hohen Dosierung verloren die Probanden bereits nach sechs Wochen durchschnittlich 2 Kilogramm, bei niedrigerer Dosierung 1,5 Kilogramm. Am Ende haben die Probanden sage und schreibe acht Kilo und rund 16 Prozent ihres Körperfettes verloren. Und das, obwohl sie ihre Ess- und Bewegungsgewohnheiten nicht geändert hätten. Das machte die Werbeindustrie und die Medien im März 2012 auf die neue Wunderwaffe grüne Kaffeebohnen aufmerksam.

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Tatsächlich regt dieser Kaffee die Fettverbrennung an. Verantwortlich ist das Antioxidans Chlorogensäure. Es senkt die Zuckerwerte im Blut, dass den Körper zwingt, Fettreserven anzugreifen, da weniger Zucker in Fett umgewandelt wird. Grüne Kaffeebohnen unterstützen das Immunsystem mit dem Vitamin C und zudem wird den Antioxidantien im grünen Kaffee eine Verlangsamung der Alterung nachgesagt, da sie freie Radikale eliminieren. Damit ist der Kaffee auch für eine verminderte Faltenbildung prädestiniert. Das Koffein hat eine aufputschende Wirkung und ebenso soll die Bräunungsfähigkeit der Haut erleichtert werden. Alles in allem klingt es nach der neuen Wunderwaffe, wie es die Werbeindustrie propagiert.

Fakt oder neuer Mythos: kann man mit grünen Kaffeebohnen abnehmen?

Wer jetzt glaubt, einfach ein paar Pillen reichen und die Pfunde purzeln, ist jedoch auf dem Holzweg. Die Studie aus den USA ist unter Experten umstritten, denn Langzeitstudien lägen noch nicht vor. In einer Vergleichsstudie bei Mäusen kamen Forscher zum Ergebnis, dass die Einnahme von grünem Kaffee-Extrakt keine Auswirkungen auf das Gewicht habe. Zahlreiche Verbraucherurteile sind auch nicht gerade ermutigend: „reine Geldverschwendung“, „hat nichts gebracht“ und „das Produkt hält nicht, was es verspricht“.

Fazit:
Sicher sind die zahlreichen positiven Eigenschaften von grünem Kaffee nicht einfach bei Seite zu wischen, aber der Extrakt allein reicht nicht aus, damit die Pfunde wie von allein purzeln. Ratsam ist daher, grünen Kaffee als Unterstützung anzusehen. Eine Ernährungsumstellung, mehr Bewegung und Sport sind immer noch die wichtigsten Faktoren für diejenigen, die tatsächlich und dauerhaft abnehmen wollen. Grüne Kaffeebohnen können dabei helfen. Wer mag, kann die Kapseln als Nahrungsergänzung nehmen. Und Kaffeeliebhabern ist das Beimischen von grünen zu braunen Bohnen bei der individuellen Mischung nicht neu: denn sie lieben das einzigartige Aroma, dass dadurch entsteht.

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