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Fettblocker

Wir leben in einer paradoxen Gesellschaft: während Schlankheit als das höchste Schönheitsideal gilt, gibt es immer mehr übergewichtige Menschen. Sie leiden nicht nur unter ihren Fettpolstern, sondern auch unter den oft abschätzigen Blicken ihrer Zeitgenossen. Man kreidet ihnen ihr Übergewicht als das Zeichen eines schwachen Charakters und persönlichen Versagens an. Jedoch liegt es oft einfach nur an einer kalorienhaltigen Ernährung und an einem Mangel an Bewegung. Beides sind Folgen der modernen westlichen Lebensweise. Denn der Mensch war ursprünglich an eine Kaloriendichte von durchschnittlich etwa 107 Kcal pro 100 Gramm gewöhnt. Man aß so viel, wie man wollte, falls Nahrung verfügbar war. Heutzutage liegen die meisten Gerichte deutlich über diesem damaligen Kaloriengehalt.

Zu einer regelrechten Krankheit wird die Fettleibigkeit, die Adipositas, ab einem Body-Mass-Index von 29 bis 30, auch wenn man schon bei einem niedrigeren Wert von Übergewicht spricht. Die Adipositas erhöht das Risiko von Herz-Kreislauf-Erkrankungen, hohem Blutdruck, Diabetes, Herzinfarkten, Schlaganfällen und vielen anderen Gefahren. Für diese Personen wurden Fettblocker entwickelt. Manche von ihnen helfen tatsächlich bei der Gewichtsabnahme. Sie haben leider einige Nebenwirkungen.

Fettblocker sind keine Appetitzügler

Fettblocker haben weder etwas mit Sättigungskapseln, noch mit Appetitzüglern zu tun, obwohl die Präparate oft in einem Atemzug genannt werden. Das wilde Durcheinander auf dem Markt der verschiedensten Schlankheitsmittel bietet leider vor allem unerfüllbaren Versprechungen. Aber Wundermittel gibt es nicht. Das sieht man an den Appetitzüglern, die eine Zeit lang als ein solches Elixier galten. Sie wirken auf die Zentren des Gehirns, die unsere Nahrungsaufnahme steuern. Das sind das Hunger- und das Sättigungszentrum im Hypothalamus, dem Sitz des vegetativen Nervensystems. Dort unterdrücken sie das Hungergefühl, aber sie können wegen ihrer psychischen Wirkungen abhängig machen. In manchen Fällen führen sie sogar zu Depressionen und Suizid, vor allem bei psychisch vorbelasteten Patienten. Auch vor Nebenwirkungen für das Herz-Kreislauf-System wird bei Appetitzügler gewarnt. Daher werden sie seit einiger Zeit nicht mehr verschrieben. Im Sport sind sie sogar als Dopingmittel verboten. Im Gegensatz zu ihnen haben Fettblocker jedoch keine psychischen Wirkungen. Es sind Präparate, die die Fettaufnahme aus der Nahrung im Magen-Darm-Trakt reduzieren und hemmen sollen. Das gelingt aber nur teilweise.

Fettblocker

Fettblocker ©iStockphoto/atm2003

Der Fettblocker Chitosan

Einige Fettblocker verwenden den Wirkstoff Chitosan. Dieser Stoff wird aus dem Chitin der Schalen von Garnelen und Krabben gewonnen und ist vielseitig verwendbar. Chitin ist einer der ältesten Naturstoffe der Erde. Ihn gibt es seit etwa 500 Millionen Jahren vor allem in den Panzern von Insekten und Schalentieren. Im menschlichen Magen-Darm-Trakt wird aus dem Chitosan ein unverdauliches Gel, das die Fette aus der Nahrung regelrecht wie ein Schwamm an sich binden soll, um ihre Verdauung zu verhindern und sie dann ungenutzt ausscheiden zu lassen. Die Fettbindungskraft des Chitosan hat sich bei Laborversuchen in der Reagenzschale tatsächlich als unstrittig erwiesen. Das einzige, allerdings sehr wichtige Problem liegt darin, dass dieser Fettschwamm laut umfangreicher klinischer Studien im menschlichen Körper so gut wie gar nicht wirkt oder dort höchstens nur minimale Mengen Fett an sich binden kann. Dadurch sind die Wirkungen äußerst begrenzt.

Der Fettblocker Orlistat

Fettblocker mit dem Wirkstoff Orlistat zeigen dagegen deutlich bessere Resultate. Das Orlistat hemmt fettverdauende Enzyme aus der Bachspeicheldrüse. Diese Enzyme haben eigentlich die Aufgabe, dass sie die Fette, die Triglyceride, aufspalten, die sich in der Nahrung befinden. Die Wirkung von Orlistat setzt im Magen ein und bezieht auch den Dünndarm ein. Dort bindet sich das Präparat an diese Enzyme und deaktiviert sie. Sie können die Fette dann nicht mehr in verdaubare Bestandteile trennen.

Etwa 35% dieser Fette werden daher dann einfach unverdaut ausgeschieden. Das Ergebnis ist eine Gewichtsabnahme um über 10% im Laufe der Zeit sowie eine deutliche Senkung des Cholesterinspiegels und die Minderung eines erhöhten Blutdrucks. Dieses wurde in mehreren klinischen Studien erwiesen, funktioniert jedoch nur bei einer gleichzeitigen kalorienarmen, fettarmen Ernährung. Wird die Ernährung nicht umgestellt, kommt es bei diesem Präparat zu massiven Durchfällen, zu sogenannten Fettstühlen, was manche Ärzte sogar für eine positive „Erziehungswirkung“ halten, durch die diese Umstellung bei der Nahrung unterstützt wird.

Die Behandlung mit Orlistat sollte in der Regel mit einer vierwöchigen, hypokalorischen Diät beginnen, also mit einer kalorienreduzierten Ernährung. In dieser Zeit soll das Gewicht um mindestens 2,5 kg gesenkt werden. Erst danach beginnt die Einnahme von 120 mg Orlistat zu jeder Hauptmahlzeit. Mehr als dreimal täglich sollte das Präparat jedoch nicht eingenommen werden, da es keinen zusätzlichen Effekt hat. In der Dosierung zu 120 mg ist das Präparat verschreibungspflichtig. In einer Dosierung von 60 mg pro Kapsel ist es dagegen frei verkäuflich.

Die Vor- und Nachteile von Orlistat

Orlistat ist trotz aller positiven Eigenschaften kein Wundermittel: die Fettaufnahme des Körpers verringert sich wegen der begleitenden Nahrungsumstellung schon von sich aus. Orlistat verstärkt diesen Effekt dann aber noch zusätzlich. Allerdings hat sich herausgestellt, dass es nur bei einem Teil der Patienten wirkt. Daher sollte man es nur mit ärztlicher Begleitung einnehmen und nach zwölf Wochen wieder absetzen, wenn man in dieser Zeit keine deutliche Gewichtsreduktion von 5% des Körpergewichts erzielen konnte.

Ein weiterer wichtiger Nachteil einer Behandlung mit Orlistat ist die Senkung des Spiegels fettlöslicher Vitamine, die durch das Präparat verursacht wird. Dieses wurde bei den Vitaminen D, E und Beta-Carotin klinisch nachgewiesen. Eine Zufuhr dieser Vitamine durch Nahrungsergänzungsmittel ist daher auf jeden Fall zu empfehlen. In vereinzelten Fällen kann Orlistat auch zu Nierenschäden führen.

Als maximale Dauer einer Behandlung mit Orlistat werden zwei Jahre empfohlen. Nach ihrem Ende kann es ohne eine andauernde Nahrungsumstellung allerdings wieder zu Gewichtszunahmen kommen. Das bedeutet, dass das Präparat streng genommen vor allem eine Unterstützung und Verstärkung der Ernährungsumstellung mit einem vergleichsweise geringen Nebenwirkungsrisiko darstellt. Es ist der einzige Wirkstoff, der von Ärzten als Fettblocker verschrieben wird.


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