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Bio-Lebensmittel

In den vergangenen Jahren ist die Nachfrage nach ökologisch angebauten Lebensmitteln stetig gestiegen, sodass in den Medien immer wieder von einem Bio-Boom die Rede ist. Die steigende Nachfrage spiegelt dabei einen Bewusstseinswandel vieler Verbraucher wieder: Sie wollen weder durch ihren Konsum die Umwelt belasten, wie es bei der konventionellen Landwirtschaft mittlerweile unausweichlich ist, noch wollen sie ihre Gesundheit durch den Verzehr belasteter Lebensmittel beeinträchtigen.

Trotz steigender Nachfrage kann man im Grunde aber nicht tatsächlich von einem allumfassenden Bio-Boom sprechen. Vergleicht man den Marktanteil von Bio-Produkten in Deutschland mit denjenigen in andere Ländern, nimmt die Bundesrepublik zwar einen der vorderen Plätze ein, dennoch ist der Gesamtanteil mit ca. vier Prozent sehr gering. Viele Bio-Befürworter sehen den Grund für diesen noch geringen Marktanteil in den noch deutlich höheren Preisen für Bio-Lebensmittel und weisen in diesem Zusammenhang auf einen ungleichen Wettbewerb zwischen Bio-Lebensmittel-Erzeugern und der konventionellen Landwirtschaft hin. Letztere wird ihrer Ansicht nach dadurch indirekt subventioniert, als dass sie nicht für die ökologischen Schäden, die sie durch ihre Anbaumethoden erzeugen, geradestehen müssen.

Dabei muss festgestellt werden, dass je umfassender das Biosegment wird, desto undurchschaubarer such auch der Markt in diesem Bereich für den Verbraucher gestaltet. Alleine schon die Beantwortung der Frage, ob „Bio“ genau dasselbe ist wie „Öko“ überfordert viele Verbraucher angesichts diverser Definitionen, Siegel und Gütekriterien. Demjenigen, der an dieser Stelle ins Grübeln kommt, sei gesagt: Ja, „Bio“ und „Öko“ bezeichnen dasselbe – nämlich Lebensmittel, die nach den Richtlinien des ökologischen Landbaus erzeugt und ggf. verarbeitet wurden. Beide Begriffe sind rechtlich ausschließlich für diese Verwendung geschützt. In den weiteren Menüpunkten haben wir für Sie alles aus Verbraucherperspektive Wissenswertes zum Thema Bio-Lebensmittel zusammengestellt

Ökologischer Landbau

Der ökologische Landbau unterscheidet sich in vielerlei Hinsicht von der konventionellen Landwirtschaft. Als Grundprinzipien des ökologischen Landbaus können der nachhaltige Umgang mit Ressourcen und die Verwendung naturschonender Produktionsmethoden betrachtet werden.

Allerdings ist ökologischer Landbau nicht gleich ökologischer Landbau. Innerhalb dieser naturfreundlichen Alternative, Lebensmittel zu erzeugen, gibt es zwei historische Strömungen: Zum einen die biologisch-dynamische und zum anderen die organisch-biologische Wirtschaftsweise. Erstere ist wesentlich beeinflusst von anthroposophischen und sozioökonomische Überlegungen, während letztere naturwissenschaftlich ausgerichtet ist. Mit den beiden Strömungen gehen auch leichte Unterschiede in der Bewirtschaftung des Landes einher: So wird etwa bei der biologisch-dynamischen Ausrichtung der Boden gepflügt, bei der organisch-biologische Wirtschaftsweise wird der Boden dagegen gelockert.

Generell ist wichtig, dass der ökologische Landbau auf einen natürlichen Kreislauf der Produktion ausgerichtet ist, wobei die Viehhaltung und der Anbau von Nutzpflanzen ineinander greifen. Die Böden werden ausschließlich auf natürliche Weise durch den Mist der Tiere und Gründünger gedüngt. Die Tiere wiederum werden von den Pflanzen ernährt, die auf den Feldern wachsen. Neben diesem Kreislauf und der damit verbundenen Sicherheit zu wissen, welche Inhaltsstoffe die so produzierten Nahrungsmittel besitzen bzw. nicht besitzen kommt auch der artgerechten Tierhaltung und dem Schutz von Böden und Pflanzen eine zentrale Bedeutung zu. Neben den Vorteilen für die eigene Gesundheit sind das die Argumente, welche viele Verbraucher auf Bio-Lebensmittel zurückgreifen lassen.

Bio Lebensmittel

Bio Lebensmittel @iStockphoto/Francesco Ridolfi

Artgerechte Tierhaltung

Für viele Verbraucher ist die Gewährleistung einer artgerechten Tierhaltung einer der wesentlichsten Aspekte, die für den Kauf von Bio-Lebensmitteln sprechen. Gerade die Diskussion um die Haltung von Hühnern hat gezeigt, dass immer weniger Verbraucher bereit sind, niedrigere Preise zu akzeptieren, solange diese ausschließlich auf eine nicht-artgerechte Haltung zurückzuführen sind. In der konventionellen Landwirtschaft ist immer noch die Käfighaltung weit verbreitet, bei der die Tiere kaum über genügend Platz verfügen, um sich umdrehen zu können – ganz zu schweigen davon, dass sie ihren natürlichen Anlagen wie Scharren und Picken nicht nachgehen können. Bio-Eier stammen hingegen immer aus Freilandhaltung, die Hühner werden zu einem Großteil mit ökologisch angebautem Futter versorgt und dürfen keinerlei Medikamente verabreicht bekommen. Neben vielen anderen Vorschriften muss der Bio-Bauer seinen Hühnern zudem im Stall eine Fläche von sechs Quadratmetern pro Tier zur Verfügung stellen – ein Platzangebot, über das sich viele Käfighühner freuen würden.

Aber nicht nur für Hühner gibt es Mindeststandards bei der Haltung, Pflege und Versorgung. Für die Haltung jedes Nutztiers – sei es Rind, Schwein oder Bienen – gibt es spezifische Richtlinien, die eingehalten werden müssen, damit sowohl das gewonnene Fleisch als auch die tierischen Erzeugnisse als biologisch bzw. ökologisch deklariert werden dürfen. Die Rahmengestaltung diesbezüglich ist in der EG-Öko-Verordnung zu finden.

Neben einer artgerechten Tierhaltung leisten ökologisch arbeitende Bauernhöfe allerdings noch einen weiteren Beitrag bei der Viehzucht: Versucht wird stets, die ökologische Vielfalt zu wahren, indem zum Beispiel alte Haustierrassen gezüchtet werden und einheimischen Rassen oftmals der Vortritt bei der Auswahl der Nutztierrassen gelassen wird.

Schutz von Pflanzen und Böden

Neben der Gewährleistung einer artgerechten Tierhaltung ist der Schutz von Pflanzen und Böden ein weiteres Pfund, mit dem der ökologische Landbau wuchern kann.

Bei den Böden kommt dabei der Düngung eine wesentliche Bedeutung zu: Beim ökologischen Landbau kommen keine künstlichen Dünger zum Einsatz, sondern lediglich Mist- und Gründünger. Auf diese Weise werden dem Boden Nährstoffe aus organischen Stoffen zugeführt. Entscheidend ist auch, dass keine Monokulturen, welche die Böden auslaugen könnten, angepflanzt werden.

Beim Schutz der Pflanzen gilt die Regel, dass kein Einsatz von genetisch verändertem Saatgut erfolgen darf. Allerdings muss beachtet werden, dass die neue EG-Öko-Verordnung eine Ausnahme hinsichtlich der Verwendung von anderen Stoffen, die innerhalb der Landwirtschaft benötigt werden, einräumt: Wenn es auf dem Markt keine natürlich hergestellten Zusatzstoffe mehr gibt, dürfen auch solche verwendet werden, die mithilfe von Gentechnik entwickelt wurden. Mit dieser Einschränkung wird dem Sachverhalt Rechnung getragen, dass in Zukunft eine zunehmende Vermischung von genetisch manipulierten und natürlichen Stoffen nicht mehr vermeidbar sein wird.

Pflanzenschutzmittel dürfen beim ökologischen Landbau nur extrem eingeschränkt verwendet werden. Um die Pflanzen dennoch vor Schädlingsbefall zu bewahren wählen die Bauern besonders robuste Sorten für ihre Anbau aus und nutzen unter Umständen biologische Schädlingsbekämpfungsmittel wie etwa den Einsatz von Käfern, die sich von den Schädlingen ernähren, oder pflanzliche Stoffe, die Erreger abtöten.

Außerdem ist der ökologische Landbau bekannt dafür, dass alte Pflanzensorten bewahrt werden, bei deren Verzehr sich dem heutigen Verbraucher ganz neue Geschmackserlebnisse bieten. Auf diese Weise wird auch ein Beitrag zur Bewahrung der Sortenvielfalt geleistet.

Arten von Biolebensmitteln

Bio-Lebensmittel kann man grundsätzlich in zwei Gruppen einteilen – in unverarbeitete und verarbeitete Lebensmittel. In die erste Gruppe fallen Produkte, die unverändert vom Erzeuger gekauft werden – also Milch, Eier, Obst, Gemüse usw. In der zweiten Gruppe findet man alle Lebensmittel, die auf Basis dieser ökologisch angebauten und erzeugten primären Lebensmittel hergestellt wurden. Zu ihnen zählen beispielsweise Brotaufstriche, Kekse, Getränke und vieles mehr.

Gerade die Gruppe der verarbeiteten Bio-Lebensmittel ist allerdings problematisch: Kann man bei den unverarbeiteten noch relativ leicht nachvollziehen, unter welchen Umständen sie angebaut oder erzeugt wurden, ist die Transparenz bei den verarbeiteten Lebensmitteln geringer – hier dürfen nämlich entgegen der weit verbreiteten Überzeugung auch gewisse Zusatzstoffe Verwendung finden, die mit Naturbelassenheit wenig zu tun haben oder deren Auswirkung auf die Gesundheit des Menschen umstritten sind. So dürfen bei der Herstellung verarbeiteter Bio-Lebensmittel zum Beispiel natürliche Aromastoffe verwendet werden, die zwar unbedenklich sind, allerdings den natürlichen Geschmack des Produkts verändern.

Auch die Verwendung des Dickungs- und Geliermittels Carrageen, welches aus Rotalgen gewonnen wird, ist erlaubt, obwohl dieser Zusatzstoff, der zum Beispiel bei der Produktion von Schlagsahne verwendet wird, immer wieder in der Diskussion steht. Umstritten ist dabei, ob dieser Stoff entzündungsauslösend und krebserregend wirken kann. Der Demeter-Bund hat bereits auf diesen Umstand reagiert und schließt die Verwendung von Carrageen freiwillig aus.

Unverarbeitete Bio-Lebensmittel

Unverarbeitete Bio-Lebensmittel stellen zum Teil besondere Anforderungen im Hinblick auf ihre Lagerung. So ist es in der konventionellen Lebensmittellagerung zu Beispiel bei Nüssen üblich, diese durch Begasung mit unterschiedlichen Mitteln vor Lagerschäden zu bewahren. In der ökologischen Lebensmittelgewinnung ist dieses untersagt und es müssen aufwendigere Verfahren durchgeführt werden, um die Nüsse vor dem Verderben zu retten. Dieser Umstand ist ein Grund dafür, dass Bio-Lebensmittel häufiger teurer sind als konventionell erzeugte und angebaute Lebensmittel.

Denkt man an Bio, denkt man in einem nächsten Schritt häufig auch an den Konsum von regionalen Lebensmitteln und das nicht zu Unrecht: Schließlich passt es in das ökologisch nachhaltige Prinzip, dass Lebensmittel nicht über weite Strecken hinweg transportiert werden und somit beim Transport weniger klimaschädliche Stoffe entstehen. Aber wie passt eine Bio-Banane oder eine Bio-Kiwi in dieses Bild? Streng genommen eigentlich gar nicht. Da sich die Bezeichnung „Bio“ allerdings nur auf die Anbau- und Verarbeitungsweise bezieht und nicht zwangsweise auf eine CO2-Neutralität abstellt, gibt es auch Bio-Südfrüchte. Derzeit wird intensiv an klima-neutralen Logistikmethoden gearbeitet. Allerdings sollte man dennoch vornehmlich auf regionale Früchte zurückgreifen. Durch die kürzeren Transportwege verringern sich die umweltschädlichen Abgasmengen und man kann sicher sein, durch seinen Konsum nicht nur einen Beitrag für die eigene Gesundheit zu leisten, sondern auf für den Klimaschutz.

Verarbeitete Bio-Lebensmittel

Wirklich „Bio“ bleiben die Lebensmittel nur, wenn auch bei der Verarbeitung die entsprechenden Standards eingehalten werden. Dabei gilt, dass bei der Verarbeitung keine synthetischen Farbstoffe, künstliche Stabilisatoren, Geschmacksverstärker, Süßstoffe, Konservierungsstoffe, künstliche Aromen und viele weitere Stoffe verwendet werden dürfen.

Dieses Vorgehen bedeutet im Umkehrschluss allerdings nicht, dass verarbeitete Bio-Lebensmittel stets gänzlich frei von Zusatzstoffen sein müssen. Die EG-Bio-Verordnung erlaubt den Einsatz einiger Zusatzstoffe bei Bio-Lebensmitteln bedingt, wenn die Lebensmittel ohne diese nicht hergestellt oder haltbar gemacht werden können.

Als ein gutes Beispiel hierfür soll hier das Dickungs- und Geliermittel Carrageen herhalten: Es ist auch bei der Erzeugung verarbeiteter Bio-Lebensmittel erlaubt. Dieser aus der Rotalge gewonnene Stoff wird zum Beispiel bei der Herstellung von Schlagsahne verwendet. Besonders kritisch ist dabei, dass Carrageen immer wieder in der Diskussion steht, was seine Auswirkungen auf die menschliche Gesundheit anbelangt. So wurde in Tierversuchen beispielsweise eine Geschwürbildung und Veränderung im Immunsystem beobachtet. Häufig verweisen Befürworter biologischer Lebensmittel auch auf (mögliche) Effekte wie eine behinderte Mineralienaufnahme, die Förderung von Allergien oder Förderung von Gebärmutterhalskrebs.

Allerdings muss natürlich unterstrichen werden, dass der weitgehende Verzicht auf Zusatzstoffe insgesamt ein großer Vorteil der Bio-Lebensmittel ist, der auch positive Auswirkungen auf die Gesundheit der Verbraucher hat. So haben Bio-Lebensmittel zum Beispiel ein geringeres Allergiepotenzial, da sogenannte Pseudoallergien häufig von Zusatzstoffen ausgelöst werden, die sich häufig in konventionell verarbeiteten Lebensmitteln in großen Mengen und großer Vielfalt finden.

Auswirkungen auf Gesundheit und Genuss

Viele Verbraucher fragen sich: Was ist dran an der Behauptung, Bio-Lebensmittel seien gesünder? Und schmecken Bio-Lebensmittel sogar besser?

Aufgrund der strengen Richtlinien, nach denen Bio-Lebensmittel erzeugt und verarbeitet werden müssen, gibt es in Hinblick auf Gesundheit und Genuss tatsächlich einige Vorteile für den Endverbraucher. Diese sind in erster Linie in dem weitgehenden Fehlen von Zusatzstoffen und Rückständen zu erkennen. Laut EG-Öko-Verordnung sind bei der Verarbeitung von Bio-Lebensmitteln sehr viel weniger Zusatzstoffe erlaubt als bei konventionell hergestellten Lebensmitteln. Ein Fehlen solcher Zusatzstoffe hat den Vorteil, dass sich das Allergiepotenzial verringert und Zusatzstoffe, deren Auswirkungen auf den menschlichen Organismus kritisch bewertet werden, nicht mit der Nahrung vom Verbraucher teilweise unbemerkt aufgenommen werden. Ähnlich verhält es sich mit der Belastung von Rückständen: Fragliche und gesundheitsgefährdende Rückstände von zum Beispiel Pflanzenschutzmittel werden beim Verzehr biologisch angebauter Lebensmittel nicht bzw. kaum aufgenommen.

Was den Geschmack anbelangt sind die Befunde weniger eindeutig. Zwar betonen viele Verbraucher und vor allem auch die Biobauern selbst, dass Bio-Lebensmittel intensiver und besser schmecken, allerdings konnte dieses bei unterschiedlichen Tests bisher nicht eindeutig bestätigt werden. Das Kaufargument Nummer eins bleiben dementsprechend die Auswirkungen auf die Gesundheit.

Detailliertere Informationen zu den Auswirkungen von Bio-Lebensmitteln auf die Gesundheit und den Genuss haben wir in den beiden folgenden Menüpunkten zusammengefasst.

Keine Belastung durch Rückstände

Immer wieder werden bei stichprobenartigen Untersuchungen Pestizidrückstände bei konventionell angebauten Obst und Gemüse festgestellt, welches bei hohen Befunden nicht selten zu Lebensmittelskandalen führt. Bio-Lebensmittel hingegen sind weniger belastet als konventionelle Produkte, da beim Anbau auf den Einsatz von Pestiziden verzichtet wird. Hier finden ökologische Schädlingsbekämpfungsmethoden Anwendung, die keine gesundheitsschädlichen Rückstände produzieren. Schädlingsbefall wird dabei zum Beispiel durch das Aussetzen von Insekten, welche die Schädlinge fressen, bekämpft.

Dennoch kann auch bei Bio-Lebensmitteln nicht in jedem Fall ausgeschlossen werden, dass sich gar keine Rückstände finden lassen. Hierbei muss es sich nicht sofort um bewussten Etikettenschwindel oder Lebensmittelskandale handeln: Geringe Spuren können zum Beispiel dadurch von den Pflanzen aufgenommen werden, dass die Stoffen durch die Luft und durch das Wasser auch auf ökologisches Anbaugebiet gelangen. Auf diese Verunreinigungen von Außen hat der Biobauer wenig Einfluss.

Rückstände von Medikamenten und Hormonen im Fleisch sind weitestgehend auszuschließen, da es bei der ökologischen Viehzucht nicht erlaubt ist, den Tieren zum Beispiel vorbeugend Antibiotika zu verabreichen, wie es bei der konventionellen Viehzucht Gang und Gäbe ist.

Allerdings kann das Risiko einer Belastung durch Bakterien und Viren unter Umständen bei Bio-Produkten größer sein als bei konventionell angebauten Getreide, Obst und Gemüse. Hier macht sich bemerkbar, dass keine hartnäckigen Mittel zur Abtötung derselben verwendet werden.

Nährstoffgehalt von Bio-Lebensmitteln

Die Vorteile von Bio-Lebensmitteln bestehen hauptsächlich hinsichtlich des weitgehenden Fehlens von Zusatzstoffen und Rückständen. Hier kann der Verbraucher sicher sein, dass er weniger gesundheitlichschädliche Stoffe zu sich nimmt als bei konventionell angebauten und verarbeiteten Lebensmitteln.

Was allerdings den Nährstoffgehalt an sich betrifft, gibt es bisher keinen eindeutigen Beleg dafür, dass alle ökologisch hergestellten Lebensmittel in allen Fällen stets besser abschneiden als konventionell Erzeugte. Ein Plus an Nährstoffen kann man allerdings primär bei biologisch angebautem Gemüse und Obst erwarten. Dieses zeigen auch die Ergebnisse des Projekts „Quality Low Input Food“ der EU. Hier wurde innerhalb einer Studie festgestellt, dass in erster Linie Gemüse, Obst und Frischmilch – also alles unverarbeitete Bio-Lebensmittel – einen höheren Nährstoffgehalt aufweisen als die entsprechenden Produkte aus dem konventionellen Anbau. Zu beachten bleibt allerdings: Auch der Nährstoffgehalt von Bio-Lebensmittel verringert sich, je weiter der Transportweg ist, der bis zum Endverbraucher überwunden werden muss und auch die Lagerung hat Einfluss darauf, ob das, was wir in den Märkten kaufen, gesund ist. Wenn man sich gesund ernähren möchte, ist es daher wichtig, auch bei Bio-Produkten auf die Herkunft zu achten. Hier sind regionale Produkte und saisonale Lebensmittel eindeutig vorzuziehen. Strittig, da noch nicht verlässlich bewiesen ist bisher, ob der Verzehr von Bio-Lebensmitteln tatsächlich vor Krankheiten schützen kann.

Geschmack von Bio-Lebensmitteln

Was den geschmacklichen Unterschied anbelangt scheiden sich die Geister. Viele Verbraucher schwören darauf, dass biologisch angebaute und verarbeitete Lebensmittel einen besseren Geschmack aufweisen als Produkte der konventionellen Landwirtschaft. Glaubt man den Befürwortern, schmeckt Bio-Obst und Gemüse frischer, kräftiger und mehr nach der eigentlich Obst- zw. Gemüsesorte. Alleine die Beweisführung fällt schwer. So konnte zum Beispiel eine Untersuchung der Stiftung Warentest keine signifikanten Geschmacksunterschiede zwischen Bio- und konventionellen Lebensmitteln feststellen.

Öko-Verbände hingegen betonen immer wieder, dass vor allem Obst und Gemüse aus ökologischem Anbau einen natürlicheren und intensiveren Geschmack aufweise. Dieses wird oftmals damit begründet, dass weniger Wasser enthalten sei, was den Geschmack intensiviere. Auch bei Bio-Fleisch wird in eine ähnliche Richtung argumentiert. Zudem seien hierbei auch Vorteile bei der Zubereitung der Speisen bemerkbar: Beim Braten zum Beispiel verliere Bio-Fleisch weniger Wasser, sodass durch die Zubereitung weniger Substanz verloren gehe.

Logisch klingen diese Argumentationen allemal – zumal wenn man zum Beispiel an konventionelle wässrige Tomaten aus dem Supermarkt denkt, die kaum noch den ursprünglichen Geschmack aufweisen. Jeder Verbraucher muss somit selbst entscheiden, ob ein eventueller Geschmacksunterschied für ihn als Kaufgrund zählt. Geschmacklicher Unterschied hin oder her, der Hauptgrund, Bio-Lebensmitteln den konventionellen vorzuziehen, ist und bleibt natürlich in dem unumstrittenen Vorteil zu sehen, dass erstere um einiges ärmer an Rückständen und Belastungen sind als letztere.

Anbauverbände

Die Mehrzahl der ökologisch anbauenden Betriebe ist in sogenannten Anbauverbänden organisiert. Zu den Anbauverbänden zählen Bioland, demeter, Biopark, Naturland, Ecoland, Gäa und Biokreis. Alle Verbände sind den Richtlinien der EG-Öko-Verordnung verpflichtet. Die Erfüllung dieser Kriterien stellt quasi die Basis für die jeweilige Zertifizierung dar, denn die verbandsinternen Bestimmungen reichen noch ein ganzes Stück über diese hinaus. Welche Richtlinien die Hersteller von Bio-Lebensmitteln erfüllen müssen, um Mitglied in dem jeweiligen Verband zu werden, ist dabei unterschiedlich.

Ein Beispiel für die umfassenderen Bestimmungen ist darin zu finden, dass viele Verbände verlangen, dass die zertifizierten Betriebe komplett auf den ökologischen Anbau umgestellt sein müssen. Dieses ist mehr als die EU-Öko-Verordnung verlangt. Nach ihren Richtlinien können auch Produkte als Bio-Lebensmittel gesiegelt werden, die von Höfen stammen, die sowohl einen Anteil ökologischen Anbau betreiben als auch einen Anteil konventioneller Landwirtschaft. Selbstverständlich werden dann aber nur die Lebensmittel als Bio-Lebensmittel deklariert, die aus dem ökologischen Anbau stammen.

Ein weiteres Beispiel hinsichtlich der verarbeiteten Bio-Lebensmittel ergibt sich in Bezug auf die erlaubten Zusatzstoffe. Hier unterschreitet die Anzahl der von den Anbauverbänden gestatteten Zusatzstoffe die Anzahl laut EG-Verordnung. So verzichtet etwa der Anbauverband Demeter auf die Verwendung des Verdickungs- und Geliermittels Carrageen, obwohl dieses nach der EG-Öko-Verordnung zulässig wäre.

Kennzeichnung und Kontrolle

Damit der Verbraucher sicher sein kann, dass er das erhält, was er haben möchte, werden Bio-Lebensmittel mit Kenzeichnungen versehen, die garantieren, dass unterschiedliche Auflagen beim Anbau und bei der Verarbeitung der jeweiligen Produkte berücksichtigt wurden. Die Auflagen entsprechen dabei immer den Bestimmungen der EG-Öko-Verordnung, gehen in einigen Fällen allerdings auch noch über diese hinaus, was eine noch höhere Qualität der Bio-Lebensmittel zur Folge hat. Die Kennzeichnung der Produkte erfolgt dabei durch das Aufdrucken von Siegeln. Von der Grundidee her gut kommt es allerdings bei der Verwendung unterschiedlicher Siegel schnell dazu, dass der Verbraucher den Überblick verliert. Aus diesem Grunde haben wir in den untergeordneten Menüpunkten, den Versuch unternommen, mehr Licht in das Dunkel zu bringen.

Da kein Siegel einen Nutzen hat, wenn die Erfüllung der Kriterien, welche dabei garantiert werden sollen, nicht überwacht wird, sieht die EG-Öko-Verordnung Kontrollen vor Ort in den landwirtschaftlichen Betrieben, den Verarbeitungsbetrieben und bei den Händlern vor. Der Aufwand der hierbei nicht nur von den Kontrolleuren, sondern auch von den Biobauern zum Beispiel hinsichtlich erforderlicher Dokumentationen angestellt werden muss, ist um einiges höher als bei konventionell arbeitenden landwirtschaftlichen Betrieben. Der Aufwand muss allerdings betrieben werden, da ohne ihn kein ausreichender Schutz der Verbraucher gewährleistet werden kann.

Bio-Siegel der EU und der Anbauverbände

Im Bio-Bereich herrscht eine enorme Vielfalt an unterschiedlichen Siegeln, sodass der Verbraucher schnell den Überblick verlieren kann. Das sechseckige grüne Bio-Siegel der EU ist den meisten Verbrauchern allerdings bekannt. Es garantiert, dass die damit ausgezeichneten Produkte der EG-Öko-Verordnung entsprechen. Erst wenn die Anforderungen dieser Verordnung erfüllt sind, dürfen Lebensmittel den Hinweis „Bio“ oder „Öko“ tragen.

Darüber hinaus gibt es Siegel, die das Siegel der EU durch eine Herkunftsbestimmung erweitern, um eine regionale Vermarktung zu fördern. Diese regionalen Siegel werden zumeist von einzelnen Bundesländern – so zum Beispiel von Hessen – geführt. Produkte, die solche Siegel tragen, müssen ebenfalls die Bestimmungen der EG-Öko-Verordnung erfüllen. Darüber hinaus müssen verschiedene Kriterien der Regionalität und unter Umständen – so wie bei dem Siegel des Bundeslandes Baden-Württemberg – auch zusätzliche Bio-Kriterien eingehalten werden. Im Falle des Siegels von Baden-Württemberg ist ein solches Kriterium zum Beispiel, dass nur Produkte ausgezeichnet werden, die aus Voll-Öko-Betrieben stammen, d.h. von landwirtschaftlichen Betrieben, die nicht zusätzlich auch ein konventionelles Segment führen.

Das EU-Bio-Siegel garantiert für einen Mindestanspruch, freiwillig verpflichten sich die unterschiedlichen Anbauverbände zu weiteren Anforderungen. Auf diese Weise entstehen wiederum weitere Siegel, die garantieren, dass die strengeren Anforderungen der einzelnen Verbände bei dem Anbau und der Verarbeitung der gesiegelten Produkte berücksichtigt wurden. Hierzu gehören unter anderem das Siegel von Bioland, Biokreis, Demeter, Naturland und Gäa.

Bio-Siegel von Supermarktketten

Wer befürchtet, dass das Bio-Siegel des Supermarktes um die Ecke nicht mit den staatlichen Anforderungen an Bio-Lebensmitteln mithalten kann, kann beruhigt werden. Viele große Supermarktketten haben zwar aus marketingtechnischen Gründen ein eigenes Logo entworfen, die damit gekennzeichneten Produkte erfüllen allerdings mindestens die Anforderungen, welche die EG-Öko-Verordnung an ihre Bio-Produkte stellt. Aus diesem Grund findet man auf den Verpackungen zumeist sowohl das staatliche Bio-Siegel als auch das Marketing-Siegel der Supermarktkette.

Siegel dieser Art sind zum Beispiel das Bio-Wertkost-Siegel von Edeka, das Füllhorn-Siegel von Rewe, das Naturkost-Grünes-Land-Siegel der Metro, das BioBio-Siegel von Plus sowie das Siegel von Tengelmann und Kaiser´s, welches den Schriftzug Naturkind trägt.

Aber auch an diesem Punkt endet noch nicht die bundesdeutsche Siegel-Flut. Nicht vergessen werden dürfen nämlich wiederum die Siegel, die von den Biosupermärkten vergeben werden. Auch in diesen Fällen handelt es sich dann um eine Marketingstrategie, bei der die Qualität nicht auf der Strecke bleibt.

Vorsicht ist allerdings geboten, wenn sich kein bekanntes Siegel auf einem vermeintlichen Bio-Produkt befindet, sondern lediglich Hinweise wie „aus kontrolliertem Vertragsanbau“, „naturnah“, „unbehandelt“, „umweltschonend“. Bei Produkten, die mit diesen rechtlich ungeschützten Begriffen beworben werden, kann es sich auch um biologisch oder umweltschonend erzeugte Produkte handeln, allerdings sehr wahrscheinlich nicht um Produkte, welche die tatsächlichen Bio-Kriterien erfüllen.

Bio-Kontrollen

Der ökologische Anbau ist mit vielen Auflagen verbunden, deren Einhaltung zum Schutze des Verbrauchers überwacht werden muss. Um dabei ein Überwachungsinstrument an der Hand zu haben, sieht die EG-Öko-Verordnung regelmäßige Kontrollen vor Ort vor. Dabei wird die gesamte Produktionskette, die Bio-Lebensmittel auf ihrem Weg zum Endverbraucher durchlaufen, kontrolliert. Die Anlaufstellen sind hier die Hersteller, die Verarbeiter sowie die Händler.

Öko-Bauern bekommen dabei mindestens einmal im Jahr einen angekündigten Besuch von einem Kontrolleur. Hinzu kommen unter Umständen unangekündigte Kontrollen, die gewährleisten sollen, dass zum Beispiel berechtigten Verdachtsfällen nachgegangen werden kann. Die Kontrolleure werden dabei von privaten Kontrollstellen, die von den Verbänden oder der EU zertifiziert sein müssen und die von den Bundesländern überwacht werden, gestellt. Sie sind befugt, bei jeder Kontrolle Proben der angebauten Lebensmittel oder des Bodens zu nehmen, um im Labor genauere Untersuchungen vornehmen zu können. Sollten dabei Verunreinigungen oder Belastungen festgestellt werden, welche den Auflagen der EG-Öko-Verordnung widersprechen, werden Konsequenzen gezogen: Entweder darf die jeweilige Ernte nicht dem Markt zugeführt werden oder aber der gesamte Betrieb wird für die Herstellung von Bio-Lebensmitteln gesperrt. Nur auf diese Weise ist es möglich, den berechtigt hohen Standard, der an Bio-Lebensmittel gestellt wird, zu wahren und die Verbraucher weitestgehend vor großflächigen Etikettenschwindel zu schützen.

Mögliche Nachteile von Bio Lebensmitteln

Als ein Manko von Bio-Lebensmittel wird von Verbrauchern in erster Linie der höhere Preis wahrgenommen. Steht man im Supermarkt und hat die Wahl zwischen einer ökologisch angebauten Gurke und einer konventionell angebauten, entscheidet man sich nicht selten aufgrund recht erheblichen Preisunterschiedes für das konventionelle Produkt. Die Preisunterschiede werden dabei primär dadurch erzeugt, dass der Anbau und die Verarbeitung von Bio-Lebensmittel in vieler Hinsicht aufwendiger und mit höheren Kosten verbunden sind als von konventionellen Lebensmitteln. Bio-Produzenten sehen sich dabei nicht selten einem ungleichen Wettbewerb ausgesetzt: Sie müssen die höheren Kosten für Produktion, Lagerung, Verarbeitung in Kauf nehmen, während die konventionelle Landwirtschaft nicht die Kosten für die ökologischen Schäden, die sie zu verantworten hat, tragen muss.

Ein weiteres Manko des ökologischen Landbaus ist, dass er sich nicht so zuverlässig vor Qualitätsschwankungen und auch vor Schädlingsbefall schützen kann wie es der konventionellen Landwirtschaft möglich ist. Wer auf Pflanzenschutzmittel und Gentechnologie verzichtet, muss primär auf das zurückgreifen, was die Natur bietet. Die Verbraucher wissen im Allgemeinen allerdings die Vorteile, die mit diesen Anbaumethoden verbunden sind zu schätzen, sodass auch eine kleine Made im Salatkopf hingenommen werden kann.

Bewusst sein sollte Verbrauchern überdies, dass man bei einer Ernährung, die auf ökologischen Kriterien fußt, die Gegebenheiten der regionalen Märkte akzeptieren muss. Das bedeutet zum Beispiel, dass man sich bei seiner Ernährung den saisonalen Gegebenheiten anpassen sollte, um zu vermeiden, dass für weite Transportwege mehr klimaschädliche Stoffe produziert werden.

Zukünftige Herausforderungen an den ökologischen Landbau

Eine generelle Herausforderung für den ökologischen Landbau besteht darin, dass sich gentechnisch manipulierte Zusatzstoffe sowie genetisch manipuliertes Saatgut immer mehr verbreiten. Dadurch ist es kaum noch möglich, Kontaminationen verlässlich zu vermeiden. 100prozentig reine Bio-Lebensmittel wird es unter Umständen schon bald gar nicht mehr geben. Diesem Sachverhalt trägt auch die neue EG-Bio-Verordnung Rechnung, indem sie festhält, dass auch solche Zusatzstoffe verwendet werden dürfen, die mithilfe von Gentechnik entwickelt wurden, wenn der Markt keine natürlich hergestellten Zusatzstoffe mehr bietet. Verunreinigungen bis zu einer Schwelle von 0,9 Prozent müssen nicht auf den Etiketten der Bio-Lebensmittel ausgewiesen werden. Gegen diese Verunreinigungen sind die Öko-Landwirte weitestgehend machtlos

Eine weitere Herausforderung besteht in der Befriedigung der gestiegenen Nachfrage nach Bio-Lebensmitteln. Oftmals werden von verschiedenen Stellen Befürchtungen geäußert, dass der Bedarf an ökologisch angebauten und verarbeiteten Lebensmitteln von der deutschen Landwirtschaft nicht gedeckt werden kann. Schließlich bedarf es angesichts der strengen Verordnungen einige Zeit, bis die Umstellung eines konventionellen Betriebes auf den ökologischen Anbau vollzogen ist. Das macht bereits heute Importe notwendig, die allerdings insgesamt betrachtet die Ökobilanz der Produkte verschlechtern, da bei weiten Transportwegen auch hohe CO2-Belastungen entstehen.

Abzuwarten bleibt überdies, wie sich die Preise für Öko-Lebensmittel entwickeln werden. Wünschenswert wäre in jedem Fall, dass Bio-Lebensmittel keinen Luxus darstellen, sondern für breitere Bevölkerungsschichten auf Dauer erschwinglich würden. Dabei wäre ein Gleichgewicht zwischen „Luxusgut“ und „billig um jeden Preis“ erstrebenswert.


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